Geplante BBC-Reform Schockdiät für die alte Tante

Die Regierung von David Cameron will die BBC umfassend reformieren. Das heißt vor allem: verkleinern. Es geht ums Geldsparen - aber auch um den Kampf gegen unliebsame Kritiker.

BBC: Für Hitprogramme wie "Sherlock" bald kein Geld mehr?
AP/ PBS-Hartwood Films for the BBC/ Colin Hutton

BBC: Für Hitprogramme wie "Sherlock" bald kein Geld mehr?

Von , London


Eines der Lieblingshobbys der Briten besteht darin, sich über die eigenen nationalen Institutionen aufzuregen. Derzeit ist die BBC an der Reihe, wo einige der angesehensten Reporter, Filmer und Drehbuchschreiber der Welt arbeiten. "Warum zur Hölle können die nicht etwas produzieren, das so brilliant ist wie Breaking Bad?", fragte der Londoner Bürgermeister Boris Johnson vor Kurzem.

Viele Landsleute stimmen ihm zu. Warum bekommt die BBC mit ihren 3,7 Milliarden Pfund Gebührengeldern nicht etwas ähnlich Aufregendes zustande wie die Amerikaner?

Johnsons Einwurf ist kein Zufall, sondern politisches Kalkül. Zuvor hatte sich schon der Schatzkanzler George Osborne über die "imperialistischen Ambitionen" der BBC ausgelassen, die auf ihrer Webseite unter anderem Kochrezepte veröffentliche. Osborne hält wenig von Kochrezepten, er argumentiert, der Sender solle sich auf seinen öffentlichen Auftrag konzentrieren.

Die Absicht Osbornes, Johnsons und anderer konservativer Politiker ist klar: Sie wollen die Briten darauf einschwören, dass die BBC zurechtgestutzt werden muss.

Noch vor 20 Jahren, heißt es in einem jüngst veröffentlichten Strategiepapier der Regierung, bestand der Sender aus zwei Fernsehkanälen und fünf Radiostationen. Inzwischen wurde daraus der weltgrößte öffentlich-rechtliche Nachrichtenkonzern, mit neun Fernseh- und zehn Radiostationen sowie einer stetig wachsenden Website. Nach dem Willen der Regierung von David Cameron muss die BBC kleiner werden und darf sich im Internet nicht noch weiter ausbreiten.

Was bleibt übrig vom Programm?

Anfang Juli kündigte Camerons Medienstaatssekretär John Whittingdale eine Reform an, die viele innerhalb der BBC als Kriegserklärung sehen. Whittingdale hat der BBC in einem ersten Schritt auferlegt, die Kosten von 650 Millionen Pfund für die Befreiung von Senioren von der Rundfunkgebühr bald selbst zu tragen - ungefähr ein Fünftel des Budgets. Bislang übernahm das die Regierung.

Im Strategiepapier wird außerdem die Idee aufgeworfen, ob sich der Sender künftig nicht durch eine Mischung aus reduzierter Rundfunkgebühr und einem Abo-Modell finanzieren könnte. Für die BBC geht es in den nächsten Monaten daher um sehr viel Geld und die Frage, ob sie ihr Programm in diesem Umfang aufrechterhalten kann.

Whittingdale rief außerdem eine achtköpfige Expertenkommission ins Leben, die sich in den kommenden Monaten mit der Zukunft der Rundfunkanstalt befassen soll. Die BBC kritisiert, dass die Kommission vorwiegend mit Leuten besetzt ist, die von Privatsendern stammen, also von der Konkurrenz. "Einen Haufen Aushilfstotengräber, die dazu ernannt sind, die BBC zu beerdigen" nennt der frühere Vorsitzende des BBC-Trusts, Chris Patten, die Expertengruppe.

Es ist nicht so, dass alles glattläuft bei the beeb, wie die Sendeanstalt auch genannt wird. Vor zwei Jahren kam heraus, dass der Entertainer Jimmy Savile, eine Galionsfigur des Senders, über Jahrzehnte hinweg Kinder missbraucht hat. Noch schwerer wog im Savile-Fall, dass die BBC kritische Berichte der eigenen Journalisten unterdrückt und verhindert hat, dass der Skandal früher ans Licht kam.

Murdochs Imperium könnte profitieren

Zudem wird dem Sender immer wieder ein lockerer Umgang mit Gebührengeldern vorgeworfen. Angeblich sitzen in der Anstalt 74 Manager, die mehr verdienen als der Premierminister. Zuletzt musste der Generaldirektor Tony Hall zugeben, 100 Millionen Pfund für eine Digitaloffensive verschwendet zu haben. Dabei war Hall vor zwei Jahren als Spardirektor angetreten: In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder Stellenstreichungen zu verkünden, zuletzt Anfang Juli dieses Jahres, als er erklärte, in einer neuen Sparrunde mehr als tausend Jobs kappen zu wollen.

Viele im konservativen Establishment auf der Insel verfolgen die Debatte um die BBC-Reform mit vergnüglicher Häme, nicht zuletzt die Zeitungsverleger. Sie beklagen sich, ähnlich wie in Deutschland, seit Jahren über den Ausbau der mit Gebühren finanzierten Webseite des öffentlichen Senders. Die "Times" schreibt, die BBC habe in den vergangenen Jahren expandiert wie auf Steroiden. Die Zeitung fordert, die alte Tante BBC müsse auf Diät gesetzt werden.

Rupert Murdoch, der neben der "Times" und der "Sun" den Fernsehkanal Sky besitzt, sieht in der Anstalt ohnehin den Erzfeind, der verhindere, dass sein Imperium schneller wächst. Von Kürzungen bei der BBC würde Murdoch indirekt genauso profitieren wie die Barclay-Brüder, die Eigentümer des "Daily Telegraph", die zu den großen Parteispendern der Tories zählen.

Bislang sieht es aus, als würde die Regierung den Machtkampf gewinnen. Für Cameron hätte das den Vorteil, einen unabhängigen und oft unbequemen Sender zu schwächen, den viele in seiner Partei als linkslastig kritisieren. Im Frühling 2016 will die Regierung weitere Vorschläge zur Reform unterbreiten. Eines darf die BBC dann sicherlich nicht erwarten: mehr Geld.



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insgesamt 74 Beiträge
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laberbacke08/15 26.07.2015
1.
Schon lustig, wird in D doch immer wieder gesagt: wieso können ARD und ZDF nicht sowas brilliantes produzieren wie die BBC (top gear, luther, sherlock, Naturfilme) auf der anderen Seite ist das Gras halt immer grüner... Aber eine Einkommensgrenze für alle auf Höhe des Gehalt des Premierministers wäre lustig. Naja, immerhin gönnt der sich ja jetzt 10% mehr
Minster 26.07.2015
2.
Mit Top Gear wurde ja schon der Anfang gemacht. Bedeutet für uns Deutsche also in Zukunft quasi nur noch reine Amerikanische Dokumentationen *grusel*
muttisbester 26.07.2015
3. oh Gott, wenn die Briten wüssten...
wenn die Briten das Programm von ARD und ZDF und zur ultimativen Strafe noch die Dritten kenn würden...sie würden ihre BBC vergöttern! Also ich hätte kein Problem damit, den öffentlichen Rundfunk Deutschland radikal zusammenzustreichen! Deutschland Radio bliebe erhalten. Arte und 3sat auch auch. Dann noch die Tagesschau - fertig! Der Rest ist Telemüll! Das können die Privaten genauso schlecht. Die Gute Laune aus dem Radio? bitte nicht... Der Serienmüll? kann RTL und Sat1/Pro7 schlechter-bzw. genauso schlecht wie ARD/'ZDF. Warum muss öffentliches Fernsehen schlecht sein? Ich verstehe es nicht! Kann man nicht den Bildungsauftrag wieder in den Vordergrund rücken? Nur noch Dokus und Bildung. Verbot von "seichter Unterhaltung". Dann würde ich sogar die ARD ohne dritte Programme erhalten wollen...
electricveggy 26.07.2015
4. Gibt's da auch eine Art Stadl?
Ich gehöre zu den Leuten die ihre GEZ liebend gerne für die BBC berappen würden , als für unseren ÖR-Mist. Aber Probleme und Missmanagement gibt es ja bekanntlich bei allem was größer als ein Schuhkarton ist. Ob sich ein verornetes Sparprogramm dann wirklich so stark auf das gute Programm auswirken würde? Bei der BBC gibt's bestimmt auch Mist der sich streichen lässt.
db1966 26.07.2015
5. Hilferuf aus der ersten Reihe...
Wir sitzen ja bekanntlich immer vorne. Das lassen wir uns zwar fast doppelt soviel kosten, aber dafür kommen bei uns solche Serien wie 'Breaking Bad' gar nicht erst in das (öffentlich-rechtliche) Programm. Lieber die x-te Krimisierie für die 'deutschen Nachwuchsschauspieler' und dazu noch tolle Talkhows. Das Ganze wird dann zwangsfinanziert über die Haushaltsabgabe. Die Probleme der Briten mit der BBC hätte ich auch gerne...
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