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01. September 2018, 09:49 Uhr

Finale von "Promi Big Brother"

Königin der Schon-mal-irgendwo-Gesehenen

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Eine wichtige Botschaft hatte die zähe Staffel "Promi Big Brother" zum Abschluss dann doch an die Zuschauer: Hütet euch vor der Käsesucht! Über den Rest tuckerte die Dampfwalze des komplett Egalen.

"Seid ihr bereit für die Krönung des Fernsehsommers?", fragt zu Beginn dröhnend bassig die Stimme von Big Brother. Ja, ja, juhu!, ruft man zu Hause und wirft glücklich die Arme in die Luft: Sind wohl überraschend noch ein paar Stunden Material vom "Sommerhaus der Stars" aufgetaucht? Sehen wir gleich die Fussbroichs beim Orangentanz? Aber nein, offensichtlich hat der wohl inzwischen tattrig in die Jahre gekommene große Überwacher aus Frust über die wieder einmal komplett vergeigte Staffel tüchtig Lack gesoffen, denn Big Brother meint mit dieser bizarren Selbstglorifizierung tatsächlich die eigene Rumpelshow.

Wieder wurden Geschichten mit der ganz groben Machete zerhackt, Dialoge entbeint, Dramaturgie ganz grob geschnitzt. Man kennt das ja schon. Das Ärgerlichste an "Promi Big Brother" war auch dieses Mal: Es könnte eine tatsächlich interessante Sendung sein, wenn das irgendjemand tatsächlich wollte, wenn sich jemand tatsächlich interessieren würde. 13 weggesperrte Schon-mal-irgendwo-Gesehene produzieren in zwei Wochen verlässlich einen ganzen dampfenden Haufen von Plapperbiomasse, den man doch einfach nur fachkundig weiterverarbeiten müsste.

Fast schon fahrlässig war die fehlende Kommentierung des Geschehens: Wozu gibt es zwei Moderatoren, wenn sie die diskussionswürdigen Vorgänge im Haus stets nur harmlos dackelig zerlächeln? Im vergangenen Jahr sah man schafsgesichtig zu, wie Sarah Knappik Opfer eines ganzen Mobbingmobs wurde, und auch dieses Mal fehlten scharfe Kommentare, wenn Alphonso sich mal wieder zum selbstherrlichen Mansplainer aufschwang, das Leben ihm fremder Frauen bewertete und die von ihm ausgemachten "Luder" mit schlecht weggeatmeter Frömmelei zur Umkehr aufrief. Oder wenn Silvia Wollny, die seit Jahren im Fernsehen ihr Familienleben ausstellt, Sophia Vegas vorwarf, sie habe ihre frische Schwangerschaft nur PR-halber bei Big Brother verkündet.

Schlimmst augenfällig wurden diese Defizite in der Finalsendung, als während der Liveschalten ins Haus versehentlich tatsächlich Dramatisches gesendet wurde. Silvia erzählte, wie ihr Ex-Mann ihr in den Bauch trat und sie im siebten Monat Zwillinge verlor. Chethrin war komplett aufgelöst, als sie in einem Best-of-Zusammenschnitt sah, wie sie über ihre Fehlgeburt spricht. Schnitt zurück ins Studio, wo die Moderatoren kein Wort und kein Empathiefitzelchen über das gerade Gehörte verlieren: "Soo, ich glaube, wir müssen die Stimmung mal wieder etwas heben, Big Brother!" Meepmeep, aus dem Weg, die Dampfwalze kommt!

Käsechips und Konflikte

Da lachte man dann aufs Unangenehmste berührt selbst lieber über die Käsesucht, die Silvia in der finalen Anruf-Abstimmungsphase kurz vor der Entscheidung noch rasch auspackte: Zehn Jahre lang habe sie nichts anderes gegessen als knusprige Käsechips, die sie mit Discountergouda in der Mikrowelle zubereitete, wie diese leckere Kruste auf dem Käsebrötchen vom Bäcker, hömma.

Es war schwer zu ertragen, wie sie auf den letzten Metern nochmal sämtliche Dramen ihres an harten Zeiten ja tatsächlich nicht armen Lebens zusammenkehrte und ins Scheinwerferlicht hielt. Mit den 100.000 Euro Siegesgeld wolle sie obdachlosen Menschen helfen, wiederholte sie kehrversartig, "helfen, helfen, ich will nur helfen" - und reichte Chethrin, die neben ihr auf dem Sofa saß und in Erinnerung an ihre Fehlgeburt fast zusammenbrach, nicht einmal eine tröstende Hand, selbst als diese mehrfach herauspresste: "Es ist gerade ganz schwer für mich."

"Hier, mit de Gummistiefel"

"Nach dem Finale werdet ihr für die Zuschauer interessanter sein als je zuvor. Als Menschen, die Konflikte erkennen und Konflikte lösen. Die Menschen werden euch als Vorbilder sehen", log dazu Big Brother. "Hier, im Promi Big Brother-Haus, kommt das Echte zum Vorschein. Der Mensch hinter dem Promi, der Mensch, an den man sich erinnern wird, Jahre, nachdem der Promi das Haus verlassen hat." Äh, nein.

Nie waren die Menschen so irrelevant wie in dieser Staffel, in der die Teilnehmer sich nicht einmal untereinander die eigenen Namen merken konnten oder wollten. Alphonso nannte Umut Kekili konsequent ignorant "Umuk", Mutter Wollny versuchte erst gar nicht, sich irgendwen einzuprägen und umschrieb ihre Mitbewohner, die Menschen, die sie zwei Wochen lang wirklich hätte kennenlernen können, hätte sie ihren Möpperthron gelegentlich mal verlassen, mit "hier, mit de Gummistiefel" und "Lederkleidchen". Irgendwann nominierte sie einen nebulösen "Maxi". Und gewann am Ende doch vor Chethrin, die immerhin fünf Nominierungen überstand. Nächstes Jahr, verkündeten die Moderatoren froh, wird es eine neue Staffel geben. Man kann sie jetzt schon kaum erwarten.

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