5. Staffel "Boardwalk Empire" Für 'ne Buddel voll Rum

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HBO/ Sky

Immer Ärger mit der Mafia! Das Leben wird auch gegen Ende der Prohibition und in der fünften Staffel von "Boardwalk Empire" nicht leichter für den Schnapsfürsten Enoch "Nucky" Thompson aus Atlantic City.

Mal wieder raufen sich die Italo-Amerikaner zusammen, um den Erzfeind endlich zur Strecke zu bringen. Da wird gleich zu Beginn eine pathetische Blutsbrüderschaft mit dem neuen Paten geschlossen, der soeben den eitlen und allzu selbstgewissen Ex-Oberboss des Mafia-Vereins auf die übliche Art aus dem Geschäftsverkehr gezogen hat.

Keine Angst, die prominenten Kontrahenten wie Al Capone, Lucky Luciano und Co. sind noch dabei - wenn auch die vierte Staffel "Boardwalk Empire" durchaus Opfer forderte. Steve Buscemi spielt in der nun schon fünften Runde des ewigen Schlagabtauschs der Mobster den Edel-Gangster aus Atlantic City mit der gewohnt stoischen Miene und der unterkühlten Brutalität, die ihm bisher ein Überleben im Speakeasy-Dschungel sicherten.

Martin Scorseses Gangster-Epos aus den Zwanzigerjahren lebt dauerhaft von der Qualität der Szenerie und dem bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzten Ensemble: Jeder Charakter fordert Anteilnahme vom Zuschauer, besonders die Unsympathen, die Bigotten und die Schwachen. Die Schönen und Verdammten dürfen sich wiederum auf einen Totentanz freuen, der diesmal mit einem Rückblick in Nuckys frühe Jugend und ins Jahr 1884 beginnt.

Hart, härter, Nucky

Klar, jeder Serienmacher schuldet den Fans eine Sicht in die Seele des Hauptcharakters, wo er herkam, wie er wurde, was er ist. Nuckys erste Erfahrungen mit dem Geldverdienen haben ihn geprägt. Als Kind eines Fischers sammelt er fortgewehte Hüte der Reichen für ein schmales Trinkgeld auf.

Als er eine edle Kopfbedeckung mit 50 Dollar im Futter entdeckt, denkt er um. Er gibt das Geld zurück, erntet dafür Respekt und bekommt einen Job - man muss investieren, um voranzukommen. Nucky lernt - auch wie man Schicksalsschläge und Demütigungen wegsteckt, wie man hart wird. Und dass alle anderen immer Angst vor jemandem haben, der noch härter ist als sie selbst.

In der Gegenwart der späten Zwanziger denkt Nucky Thompson an die Zukunft und pflegt neue Geschäftsbeziehungen nach Kuba, wo der Rum herkommt, der irgendwann ja auch wieder legal sein wird in den USA. Fast wähnt man sich im bislang letzten Roman des Crime-Epikers Dennis Lehane, dessen Kuba-Szenario "In der Nacht" prägte. Wie es sich für einen knackigen Staffel-Start gehört, platzt in die Havanna-Idylle ein brutaler Anschlag auf Nucky, denn natürlich schläft die Konkurrenz nie.

Überhaupt wird sofort anständig gestorben und gelitten zu Beginn der neuen "Boardwalk Empire"-Staffel. Die von Kelly MacDonald gespielte Frau Nuckys darf einen spektakulären Selbstmord erleben, der Havanna-Attentäter endet mit einem Beil im Kopf. Chalky White, Nuckys schwarzer und eleganter Verbrechenspartner, geht es ebenfalls nicht gut. Aber als Nuckys Spiegelbild nimmt er den Kampf auf.

Auf gewohnt hohem Niveau gewinnt die fünfte Staffel nach dem nostalgischen Intro sofort an Fahrt, verbindet Stereotype wie die nach wie vor schlechten Manieren Al Capones mit den unergründlichen Blicken der neuen Wilden, Nuckys frisch motivierten Gegnern. Glänzend bleibt Nuckys Geschmack in Sachen Hüte: Sein klassischer Panama mit extra breitem Band weckt wieder Neid. Daran reichen die stets irgendwie graubraunen Outfits der Mafiosi nicht heran. Dennoch, es bleibt eine harte Zeit für Helden.

Darauf kann man nur einen heben: Manchmal muss es eben Rum sein.


"Boardwalk Empire", Staffel 5, ab Montag, 8. September bei Sky Go



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insgesamt 8 Beiträge
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DerUnvorstellbare 08.09.2014
1.
Diese Serie hatte Potential. Nicht unbedingt wegen Nucky Thompsons Geschichte in AC, sondern wegen all den anderen bekannten Verbrechern im "Hintergrund". Doch schon die zweite Staffel war eine Enttäuschung, die dritte dann wieder ziemlich gut, die vierte war dann nur noch schlecht. Villeicht wird es dieses mal ja wieder. Die müssen zum Ende was bieten.
jackie_ma 08.09.2014
2. Schade
dass dies nun die letzte Staffel dieser wunderbaren Serie sein soll. Für mich ist Broadwalk Empire eine der besten Serien der letzten Jahre, die leider nie die Beachtung gefunden hat die sie verdient gehabt hätte. Im Gegensatz zu anderen Serien wie z.B. Game of Thrones und Breaking Bad wurde das hohe Niveau nämlich von der ersten bis zur letzten Folge gehalten (was nicht heißen soll, dass Breaking Bad oder Game of Thrones schlechte Serien sind. Beide zählen zu meinen Lieblingsserien, haben aber leider in den letzten Staffeln etwas an Qualität eingebüßt.). Deshalb kann ich jedem der die Serie nicht kennt und Filme über die "ehrenwerte Gesellschaft" wie der Pate oder Goodfellaz mag empfehlen mal reinzuschauen. Leb wohl Nucky! Bleibt nur zu hoffen, dass HBO mit Game of Thrones nochmal die Kurve kriegt und True Detectibe hält was es verspricht.
jim_bocho 08.09.2014
3.
Die "Gegenwart" ist im übrigen im Jahr 1931, nicht mehr in den späten Zwanzigern.
m.spohn 08.09.2014
4.
Na, vielen Dank fürs Spoilern!!! GUTE Blogs weisen darauf hin, das direkt Informationen aus der Handlung im Text auftauchen!
svha 08.09.2014
5.
Wirklich unglaublich schade, dass BE nicht fortgeführt wird, eine meiner absoluten Lieblingsserien und die m.M.n. am Besten inszenierte. Besonders die erste Staffel halte ich für das Beste, was bisher in Serie produziert wurde. Die vierte Staffel hat in Qualität etwas nachgelassen und ich hatte den Eindruck, dass die Autoren nicht so recht wussten, wohin die Reise storytechnisch gehen soll. Ich freue mich dennoch auf die (leider verkürzte) finale Staffel 5. Kleiner Zusatz: in der Fotostrecke ist auf dem ersten Bild Patricia Arquette als Sally Wheet zu sehen und in Bild 3 sollte es Nelson van Alden sein!
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