BR-Serie mit Gisela Schneeberger: Waschlappen, im Schleudergang gespült

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Wären wir nicht alle gerne viel besser? Kaum eine andere Schauspielerin bringt das Thema Selbstbetrug so auf den Punkt wie Gisela Schneeberger. Nun hat die bayerische Verbalkünstlerin eine eigene Serie bekommen: Für "Im Schleudergang" trotzt sie als Wäschereibesitzerin Kerlen und Lebenskrisen.

Gisela Schneeberger: Im Schleudergang durchs Leben Fotos
BR

Man ahnt es in dem Moment, als Gisela Schneeberger als Christa Bachmeier in ihrem silbernen 190er-Mercedes bei der Linkskurve in ihre Wurstsemmel beißt. Das geplante Liebeswochenende am Gardasee endet für die Heldin von "Im Schleudergang" noch, bevor sie München-Ramersdorf passiert hat. Ihr Beifahrer und Geliebter Freddy (Gerd Anthoff) hat den längst überfälligen Honeymoon-Ausflug nur arrangiert, weil sich Ex-Frau Gabi just zum selben Zeitraum nach Wuppertal abgesetzt hat. Eine Watschn für Christa.

Wie er jetzt da sitzt, der Freddy, Friseurmeister und Salonbesitzer: die Haarpracht toupiert, die Butterbrezn in der Hand. Ein Umstandskrämer, Feigling und Trottel im karierten Sakko. Ohne Mut zum Coming-Out trotz Scheidung vor fünf Jahren. Sogar in seiner Patientenverfügung steht die Gabi noch drin. Waschlappen. Zurück über den Mittleren Ring durch die Stadt, Gardasee adé. Eine Schmach für Christa, ein großer Auftritt für Schneeberger.

Die langjährige Bühnenpartnerin von Gerhard Polt war zuvor der heimliche Star der Erfolgsserie "Franzi" mit Jule Ronstedt in der Hauptrolle. Als sitzengelassene Mutter und selbständige Fotografin vergnügte sich Schneeberger vier Staffeln lang mit Hakan, Bademeister von Erding mit türkischen Wurzeln und fast halb so alt wie sie. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Peter Bradatsch, Autor von "Franzi", Schneeberger eine eigene Serie auf den Leib schneidert.

Entstanden ist eine sechsteilige Serie über das Leben der Christa Bachmeier, das sich in ihrer Schwabinger Wäscherei abspielt, im Erdgeschoss eines Münchner Altbaus, den sie samt Mietern geerbt hat. Dazu gehört auch Max (Udo Wachtveitl), ein abgehalfterter Opernsänger im bordeauxfarbenen Morgenmantel, darunter: geschmackloses Hemd, Pünktchenschal und Boxershorts.

Solchen Kleidungsdesastern zum Trotz geht um das ganz normale Leben. Oder wie es Gisela Schneeberger, 64, im Gespräch formuliert: "Darum, dass das Leben nicht immer so harmonisch ist, wie deutsche Filme das sonst gern behaupten. Leute benehmen sich nun einfach auch manchmal beschissen."

Schäferstündchen mit Tupperware

Zwei Gesichter, die ebenfalls dem überschaubaren "Franzi"-Ensemble angehörten, sind nun wieder dabei: die großartige Maria Peschek spielt die scheinheilige, devote Angestellte Gitti und lässt sich von ihrer Chefin schikanieren und knechten. Wenn es ihr zu viel wird, angelt sie sich eine Fluppe aus dem Zigarettenetui in ihrem hellblauen Wäschereikittel. Stephan Zinner spielt "den Michi", getrieben von neuen Geschäftsmodellen wie der Wambo-Mambo-Massage.

Christa, eine aufgemaschelte Frau in den Fünfzigern ("Die Konkurrenz schläft nicht!") hat die Begabung zur Manipulation. Als dominante Mutter gaukelt sie ihrer psychisch labilen Tochter (Judith Richter) Verständnis vor, das sie in Wirklichkeit gar nicht besitzt. Wie gern würde sie alles richtig machen, wenigstens als Mutter.

Sie träumt vom Aufstieg in die feinen Münchner Kreise und buhlt um die Gunst distinguierter Damen wie der von Frau Rösen-Delius ("Es schad' nix, wenn man seinen Umgang hin und wieder erweitert"). Ihr einziges Abenteuer heißt Freddy und der bringt zu den regelmäßigen Schäferstündchen im Hotel zum Gockl (sic!) jeden Montag (Frisör-Feiertag) Kaffee in der Thermoskanne und Petit Fours in der Tupperschüssel mit. Aber, wie erwähnt, zum richtigen Abenteuer (Gardasee) taugt er nicht.

Es sind die kleinen Dialoge, die amüsieren. Etwa solche:

"Geht der noch?", fragt Schneeberger einmal, einen Sommerrock wedelnd.

"Der ist doch nagelneu, oder?", entgegnet die Tochter.

"Er schon, das Problem bin mehr ich. Ob der für mich noch geht?"

"Ihr passt schon noch zamm."

Peter Bradatschs Sprache sei wie ein Kunstwerk an Komik, eine regelrechte Komposition, sagt Schneeberger. "Man darf sie nicht verändern, sonst stimmt die Melodie nicht mehr." Weil Improvisieren tabu gewesen sei, habe sie seit langem mal wieder richtig Texte pauken müssen.

Eine Freundin, die das Drehbuch las, habe zu ihr gesagt: "Der Peter kennt dich aber gut!", erzählt Schneeberger und lacht laut auf. Natürlich sieht sie das anders, räumt aber ein, dass ihr die undiplomatische Art der Christa Bachmeier nicht fremd sei. "Immerhin bin ich nicht manipulativ."

Schneeberger beweist sich wieder einmal als begnadete Komödiantin. Im Fernsehen ist sie längst eine feste Größe. So sieht man sie Mitte April auch in der ZDF-Produktion "Familie Sonntag auf Abwegen" als gestresste Dreifachmutter, deren erwachsenen Kinder auf einmal wieder auf der Matte stehen. Zur ungünstigsten Zeit, natürlich. Die Dame hat schließlich noch was mit ihrem Leben vor.


"Im Schleudergang", freitags, 22.00 Uhr. BR
"Familie Sonntag auf Abwegen", Donnerstag, 18. April, 20.15 Uhr, ZDF

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. absolut geniale Komödiantin
schelmig13 04.04.2013
schon mit Polt war Frau Schneeberger genial , man denke nur an " wie im richtigen Leben...". Ich freue mich auf die neue Serie. Danke für die Info.
2. ....
jujo 04.04.2013
Zitat von schelmig13schon mit Polt war Frau Schneeberger genial , man denke nur an " wie im richtigen Leben...". Ich freue mich auf die neue Serie. Danke für die Info.
Diese Frau gehört für mich unter die topfive der deutschsprachigen Schauspielerinnen! Aber ist sie nicht aus Austria?
3.
bartholomew_simpson 04.04.2013
Freue mich darauf, Gisela Schneeberger wieder zu sehen.
4. omei Herr Jujo
Valgella 04.04.2013
Wenn Sie "la Schneeberger" für eine Österreicherin halten, dann werden Sie wohl mit dem Originalton Süd auch Schwierigketien haben. Nix für ungut...
5. ALso
n+1 04.04.2013
Zitat von sysopWären wir nicht alle gerne viel besser? Kaum eine andere Schauspielerin bringt das Thema Selbstbetrug so auf den Punkt wie Gisela Schneeberger. Nun hat die bayerische Verbalkünstlerin eine eigene Serie bekommen: Für "Im Schleudergang" trotzt sie als Wäschereibesitzerin Kerlen und Lebenskrisen. BR-Serie mit Gisela Schneeberger: Im Schleudergang - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/br-serie-mit-gisela-schneeberger-im-schleudergang-a-890271.html)
ich finde es übertrieben, wenn sich auch noch Frau Schneeberger über die Dax-Vorstände hermacht. Die hatten so viele Anfeindungen in letzter Zeit, da muss man auch mal positives sagen. Z.B. dass Herr Zetsche einen guten Weingeschmack hat und sich in seinem Beruf auch wirklich Mühe gibt. Er setzt seine Fähigkeiten bis zum äußersten ein!
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Zur Person
  • dapd
    Gisela Schneeberger, geboren 1948 in Dollnstein in Oberbayern, ging nach der Schauspielschule ans Berliner Schiller-Theater. 1975 arbeitete sie erstmals mit Gerhard Polt zusammen: Es entstand "Kehraus", später folgten die Reihe "Fast wia im richtigen Leben", Kabarett-Auftritte und mehrere gemeinsame Filme.

    Schneeberger brillierte in Dieter Wedels Zweiteiler "Papa und Mama" sowie in "Silberhochzeit" von Matti Geschonneck nach einer Geschichte von Elke Heidenreich und in Doris Dörries "Bin ich schön?" Schneeberger ist Mutter eines Sohnes und lebt in München.