"Breaking Bad"-Blog: Die Rückkehr der Ricin-Zigarette
Drogen, Tod und Familienstress: Die letzten Episoden von "Breaking Bad" haben begonnen. Lesen Sie in unserem Blog, wer stirbt, wer lebt - und wen Walter White jetzt am meisten fürchten muss.
+++Vorsicht, Spoiler! Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie Episode 11 der fünften Staffel bereits gesehen haben. Den Blog-Eintrag zu Folge 10 finden Sie hier+++
Was ist passiert? Walters Karriere als Meth-Koch mag ruhen, seine Laufbahn als Manipulationskünstler blüht hingegen erst richtig auf. Wissen wir eigentlich wirklich, ob Walters Krebs wieder da ist? Schon in Folge acht benutzte er die Krankheit, um Hank zu beschwichtigen; diesmal offenbart er die schlechten Nachrichten von der Chemo-Front seinem Sohn - und hält ihn damit davon ab, zu Marie und Hank zu fahren.
Beim familiären Showdown vor einer der wohl irrsten Kulissen der Serie, einem Texmex-Restaurant mit launigem Mariachi-Gedudel, versucht Walter noch einmal, Hank davon abzuhalten, seinen DEA-Kollegen von der Enttarnung zu erzählen. Natürlich bleibt Hank hart, aber Walter und Skyler sind vorbereitet: Das gemeinschaftlich fabrizierte Video mit dem Geständnis Walters, Hank sei der Meth-Boss gewesen und habe ihn zum Drogenkochen gezwungen, hätte allein schon ausgereicht, Hank in Schach zu halten, doch die perfiderweise nur im Nebensatz erwähnten Arztrechnungen legen Hank vollends lahm: "Das ist der letzte Nagel in meinem Sarg", stöhnt er.
Aber was ist eigentlich mit Jesse? Der erwacht beim Treffen mit Walter und Saul endlich aus seiner Lethargie. Zu klären ist eigentlich, was Hank im Verhör von Jesse wissen wollte und was die Folgen von Jesses kostspieligem "rain of caca" (Saul) sind. Doch so ein Meeting in der Wüste, ebenso wie ein Date im Diner, verheißt bei "Breaking Bad" niemals Gutes, also fürchtet Jesse um sein Leben. Sein emotionaler Ausbruch gegen den Übervater ist packend, und doch schafft es Walter, ihn mit einer erstickenden Umarmung wieder ins Koma zu drücken. Selten wurde Walters Macht eindrucksvoller zur Schau gestellt.
Aber dann ist da ja noch die Sache mit dem Ricin. Wir erinnern uns: Die Vorblende in Folge acht zeigt Walter, wie er das Röhrchen mit dem tödlichen Gift aus seinem Versteck in der Schlafzimmersteckdose holt. Wir wissen noch nicht, ob, wann und gegen wen das Pulver ultimativ zum Einsatz kommen wird, vielleicht ist es auch nur ein "McGuffin", ein roter Hering, ein Witz. Jesse indes glaubt, dass Gus Fring ihm einst das in einer Zigarette versteckte Ricin entwenden ließ, um damit Brock zu vergiften, den Sohn von Jesses Freundin.
Für Walt war es gegen Ende der vierten Staffel wichtig, Jesse genau das glauben zu lassen, um sich die Loyalität seines Gehilfen ein weiteres Mal zu sichern. Doch nun folgt Jesses "Erleuchtung" am Straßenrand. Die Zigarettenschachtel, das Päckchen Dope, das ihm Sauls Scherge Huell mit spitzen Fingern aus der Tasche zog: Genau so muss es auch damals mit der Ricin-Zigarette gewesen sein, glaubt Jesse: Huell als Handlanger von Saul - im Auftrag von Walter, der damit verantwortlich für Brocks Vergiftung ist. Und für eine weitere, schwerwiegende Manipulation. Nachdem Saul das alles mit blutig geschlagener Nase gesteht, rast Jesse, Benzinkanister im Anschlag, zum Haus der Whites.
Eine Episode, die der Serie würdig ist? Zumindest eine, die mit teils eindrucksvollen Szenen deutlich macht, wie die Protagonisten kurz vor dem Finale zueinander stehen. Wer darauf geachtet hat, dem wird in den letzten beiden Folgen bei den Hauptfiguren ein fast unerträglicher Hang zum Flüstern und Nuscheln aufgefallen sein, was allein dem TV-Zuschauer ein Höchstmaß an Konzentration abverlangte. Diese Spannung entlud sich in der aktuellen Folge: Im Schmierentheater von Walters Fake-Geständnis, vor allem aber natürlich in Jesses Aufbegehren in der Wüste und den Wutausbruch zum Schluss. Die Ruhe vor dem Sturm ist vorbei. Jetzt wird's richtig ungemütlich.
Wer stirbt? Außer Hanks Hoffnung, Heisenberg überführen zu können? Niemand. Im Gegenteil: Jesses Zombie-Phase ist vorbei! Allerdings sollte man sich dem Gedanken stellen, dass es ein kurzes, möglicherweise letztes Aufbäumen sein könnte.
Wen muss Walter am meisten fürchten: Aktuell: den Feuerteufel Jesse und natürlich den Krebs. Immer: Skyler.
Der beste Moment: Walters und Jesses Umarmung in der Wüste: Man kann förmlich sehen, wie die kurzzeitig aufwallende Rebellion Jesses implodiert, als Walter sich nicht provozieren lässt, sondern seine perverse Vaterrolle einfach durchzieht. "Der Pate" lässt, einmal mehr, grüßen.
Die letzte Hälfte der fünften Staffel von "Breaking Bad" läuft sonntags in den USA auf AMC. In Deutschland ist die aktuelle Episode dienstagabends im Pay-TV auf dem Sender AXN zu sehen, am Mittwoch ist sie auch im deutschen iTunes-Store erhältlich. Die gesamte Staffel wird später auch noch auf Arte gezeigt.
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Volker Hage:
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