"Breaking Bad"-Blog: Der wandelnde Tote

Von Hannah Pilarczyk

"Breaking Bad"-Blog Folge 15: Der wandelnde Tote Fotos
AMC

Drogen, Tod und Familienstress: Die letzten Episoden von "Breaking Bad" haben begonnen. Lesen Sie in unserem Blog, wer stirbt, wer lebt - und wen Walter White jetzt am meisten fürchten muss.

+++Vorsicht, Spoiler! Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie Episode 15 der fünften Staffel bereits gesehen haben. Den Blog-Eintrag zu Folge 14 finden Sie hier+++

Was ist passiert?

Es ist eines der düster-romantischsten Gedankenspiele überhaupt, Gast auf der eigenen Beerdigung sein zu können und Zeuge zu werden, wer wie um einen trauert. Walter wird in dieser Folge genau diese Möglichkeit zu teil - und erlebt einen Albtraum. In der abgeschiedenen Hütte im verschneiten New Hampshire setzen sowohl sein sozialer als auch sein physischer Tod ein, und beides erlebt Walter bei vollem Bewusstsein. Zunächst scheinen es die Vorgaben von Schleuser Ed zu sein, die Walt in dem Reservat gefangen halten. Doch wenn Walt an den Toren seines Unterschlupfs rüttelt und sich dann selbst auf "morgen, morgen" vertröstet, ist klar: Dieses Gefängnis hat er sich mit seinen Verbrechen selbst geschaffen.

Dennoch erweist sich in den folgenden Wochen und Monaten der Kontakt mit anderen Menschen schlimmer als die Isolation. In einem Telefonat mit Walter Junior wünscht ihm sein eigener Sohn nicht zum ersten, aber zum erschütterndsten Mal den baldigen Tod. Bei den Ermittlungen gegen Skyler wird klar, dass ihr jede nachweisliche Verbindung zu Walts Geschäften schaden wird. Als Schleuser Ed Walt schließlich zu verstehen gibt, dass er nicht daran denkt, Walts Familie nach dessen Tod mit dem übrig gebliebenen Geld zu versorgen, dämmert es Walt: Er wird kein Erbe haben. Seine Frau führt wieder ihren Mädchennamen, der Sohn hat ihn verstoßen, selbst sein Geld wird sie nicht erreichen. Alles, alles war umsonst.

Und doch gibt es etwas, das den letzten Funken Leben in Walt neu zum Rachefeuer entfacht: Das TV-Interview mit seinen alten Studienfreunden, mit denen er einst die Firma Grey Matter gründete, und die ihn beziehungsweise seine Persönlichkeit nun ganz explizit für tot erklären. Es ist eine Handvoll Erde zu viel, die über Walts lebendigem Leib ausgestreut wird. Aus der ersten Folge der fünften Staffel wissen wir, dass Walt schwer bewaffnet nach Albuquerque zurückkehren wird. An wem wird er sich rächen? An Jacks Nazi-Truppe? Oder an den ehemaligen Studienfreunden, die ihm die grundlegende Kränkung seines Lebens zugefügt haben?

Wenn diese Folge eines gezeigt hat, dann dass Walt zwar immer behauptet hat, alles nur für seine Familie getan zu haben. Doch der Ehrgeiz, sich als Geschäftsmann zu beweisen und sein berufliches Potential zu erfüllen, war immer schon eine mindestens genauso starke Triebfeder für ihn.

Eine Episode, die der Serie würdig ist?

Nachdem "Breaking Bad" in der vergangenen Folge mit dem Rückblick auf die erste Staffel gewissermaßen Abschied von sich selbst und seiner einzigartigen Mischung aus schwärzestem Humor und grotesken Verbrechen genommen hat, führt diese Folge die neue Tonart fort. Langsamer und deprimierender kann es nicht mehr werden. Fast freut man sich auf den anstehenden shoot-out im Finale.

Wer stirbt?

Andrea. Sie ist nach Jane die zweite Freundin von Jesse, die infolge seiner kriminellen Machenschaften ums Leben kommt. Will Vince Gilligan damit eigentlich eine moralische Botschaft loswerden? Dass man immer auch seine Liebsten in Mitleidenschaft zieht, wenn man sich fürs Verbrechen entscheidet? Oder ist das der Preis, den Jesse für sein Seelenheil (und seine Rettung) bezahlen muss?

Vielleicht die noch drängendere Frage: Wann ist bei "Breaking Bad" eigentlich das letzte Mal ein böser Mensch gestorben? Gefühlt vor zwei Jahren mit Gus Fring.

Wen muss Walter am meisten fürchten?

Nichts und niemanden. Schließlich ist er ja schon so gut wie tot.

Der beste Moment:

Eher zwei Kandidaten für den schlimmsten Moment: Als Walt der Ehering vom abgezehrten Finger fällt - oder als er Ed mit Geld bestechen muss, damit dieser ihm noch ein wenig länger Gesellschaft leistet.


Die letzte Hälfte der fünften Staffel von "Breaking Bad" läuft sonntags in den USA auf AMC. In Deutschland ist die aktuelle Episode dienstagabends im Pay-TV auf dem Sender AXN zu sehen, am Mittwoch ist sie auch im deutschen iTunes-Store erhältlich. Die gesamte Staffel wird später auch noch auf Arte gezeigt.

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1. Warum?
deepforces 25.09.2013
Ich verstehe nicht so ganz was dieser Breaking Bad Blog bei Spon zu suchen hat. Gibt es keine interessanteren Themen, als über eine Serie zu schreiben die man auch im TV anschauen kann?
2. going to Belize.
tingltangl-bob 25.09.2013
Heisenberg wird nächste Woche auf die Kacke hauen und einer der besten Serien wird leider zu Ende gehen.
3.
niveaulimbo 25.09.2013
die serie zeigt wie keine andere zuvor, zu welchen schauertaten manche menschen für geld und macht bereit und fähig sind. bedingungslos werden unschuldige menschen kaltblütig ermordet, sei es zur einschüchterung oder erpressung. was bzw. wen hat jesse jetzt noch zu verlieren außer brock? der tod bereitet ihm längst keine angst mehr, nur noch schmerzen. wird walt jetzt genau in gleicher weise für "gerechtigkeit" sorgen aus bedingungsloser liebe zu seiner familie? ich bin gespannt.
4. besser lesen
g.naffa 25.09.2013
Den besseren Originaltext kann man bei wired lesen: http://www.wired.com/underwire/2013/09/breaking-bad-recap-granite-state/
5. optional
labman81 25.09.2013
Der Figur des W.W. ist am Ende. Seine Familie hat ihn verstoßen, das Meiste Geld ist weg. Seiner Logik nach ist daran der Tod von Hank, und damit Jacks Nazi Truppe, verantwortlich. Denn erst nach dieser Nachricht war es Skyler zu viel. Es läuft auf einen Showdown mit Jack hin, der wahrscheinlich einem gezieltem Amoklauf gleichkommt. Ich denke die Essenz wird sein, dass W.W.stirbt und seine Familie alle Konsequenzen aus seinem Handeln tragen muss.
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