"Breaking Bad"-Blog: Eigenheim, leicht entflammbar
Drogen, Tod und Familienstress: Die letzten Episoden von "Breaking Bad" haben begonnen. Lesen Sie in unserem Blog, wer stirbt, wer lebt - und wen Walter White jetzt am meisten fürchten muss.
+++Vorsicht, Spoiler! Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie Episode 12 der fünften Staffel bereits gesehen haben. Den Blog-Eintrag zu Folge 11 finden Sie hier+++
Was ist passiert?
Kaum eine Serie setzt das dramaturgische Mittel des Cliffhangers so grausam gut ein wie "Breaking Bad". Wir erinnern uns: Folge 11 endete mit einem wutschnaubenden Jesse Pinkman, der einen Benzinkanister über Teppich und Möbel im Haus der Familie White entleert. Zu Beginn der neuen Folge erfahren wir: Zum Anzünden ist Walter Whites abtrünniger Partner offensichtlich dann doch nicht gekommen.
Stattdessen findet der panische Walt Sr. sein Haus intakt vor, allerdings stinkt es arg nach Benzin. Auch das Express-Reinigungsteam kann da wenig ausrichten - also muss sich Walt einmal mehr eine seiner "Wisst ihr was mir heute passiert ist?"-Lügenmärchen ausdenken, um seiner Familie einzureden, dass ein nach Benzin stinkendes Eigenheim kein Grund zur Beunruhigung ist.
Bloß: Die wirre Story mit der defekten Benzinpumpe, die ihn an der Tankstelle besudelt hat, kauft ihm Skyler nicht ab - zumal sie aus dem Fenster des Hotels, in das die Familie ausgewichen ist, ein Treffen zwischen Walt und seinem Anwalt und Nothelfer Saul Goodman beobachten kann. Es gibt also keine Alternative: Walter White muss seiner Frau - schonend natürlich - von den Rachegelüsten seines Expartners erzählen.
Skyler Reaktion fällt erwartungsgemäß ungnädig aus. Und das ist wie immer toll - Episode 12 bietet wieder reichlich Gelegenheit, sich an der variantenreich-indignierten Mimik von Skyler-Darstellerin Anna Gunn zu weiden. Wenn man sich ein Spin-Off wünschen dürfte: Skyler White als Protagonistin einer Serie, in der sie das Drogengeld ihres Gatten verwaltet - das wäre es doch wert! Stattdessen planen die "Breaking Bad"-Macher, den Charakter des schmierigen Anwalts Saul Goodman zur Hauptfigur eines neuen Mehrteilers zu machen. Auch gut!
Aber zurück zur Handlung: Jesse Pinkman scheint vom Erdboden verschluckt zu sein - Goodman und seine kernigen Helfershelfer können ihn nirgendwo finden. Was uns zu der Frage zurückbringt: Warum hat Pinkman seinen Plan, das Haus von Walter White anzuzünden, nicht umgesetzt? Wir sehen in der Rückblende: Hank Schrader, Walts Schwager, hat ihn mit gezogener Waffe daran gehindert - und ihm versichert, dass er mit seiner Hilfe dem verhassten Expartner viel nachhaltiger schaden könne.
Also zieht Jesse bei dem bulligen Drogenfahnder und seiner Frau Marie ein. Hank weiht seinen DEA-Partner Steven Gomez in den Plan ein: Jesse Pinkman soll in einem heimlich observierten Treffen Walter Aussagen über das gemeinsame Drogengeschäft entlocken, die vor Gericht verwertbar sind. Doch am Ende spielt der impulsive Pinkman nicht mit - statt Walt auf einem öffentlichen Platz zu treffen, ruft er ihn von einem nahegelegenen Münztelefon an: "Beim nächsten Mal krieg ich dich dort, wo du wirklich lebst." Walt reagiert mit einem Anruf bei seinem neuen Compagnon Todd, dessen krimineller Onkel schon einmal unliebsame Zeugen des Meth-Vertriebsnetzwerks beseitigt hat: "Ich glaube, ich habe wieder einen Job für deinen Onkel."
Eine Episode, die der Serie würdig ist?
Auf jeden Fall. Und das liegt nicht an Walter White, dessen Moves immer hilfloser werden. "Wenn du die Geschichte einer Transformation erzählst und ehrlich mit dir bist, musst du zugestehen, dass sie irgendwann abgeschlossen ist", hat "Breaking Bad"-Macher Vince Gilligan im Interview erklärt - und tatsächlich ist die Wandlung Walter Whites vom krebskranken Chemielehrer zum mordenden Crystal-Meth-Magnaten längst an ihr Ende gekommen.
Was ihn antreibt - und das hält die Geschichte spannend - ist die leise Hoffnung, doch noch mal als liebender Familienvater und Ehemann reüssieren zu können, weshalb er die Dramatik der Situation vor seiner Familie notorisch bagatellisiert. Hier kommt seine Frau neu ins Spiel - die das mittlerweile durchschaut hat und sich gezwungen sieht, Verantwortung in Sachen Skrupellosigkeit zu übernehmen.
Die überraschende Wendung in dieser Episode besteht daher weniger in dem Zweckbündnis zwischen DEA-Fahnder Hank und dem Drogenpimp Jesse, sondern eher in einem Schritt, den Skyler vollzieht. "Wir müssen das erledigen", hält sie Walt entgegen, als der versucht, das Problem Jesse Pinkman herunterzuspielen. Es gibt keinen Zweifel, wie sie das meint - und Walt erfüllt mit seinem Anruf in Sachen Auftragskiller den Wunsch der Gattin auch.
Wer stirbt?
Niemand. Außer ein paar Hausstaubmilben, die Jesses Benzinattacke auf die Auslegeware im Hause White nicht überlebt haben dürften.
Wen muss Walter am meisten fürchten?
Der wutschnaubende Hank und der manische Jesse - gemeinsam sind sie Walt auf den Fersen. Aber wirklich gemeinsam? Die Hoffnung für den Drogenkoch im Ruhestand besteht darin, dass seine Verfolger sich wechselseitig behindern. Und wie gesagt: Im großen Showdown der kommenden und letzten vier Folgen könnte Skyler ihre dienende Rolle verlassen und sich zur konsequenteren Bösewichtin aufschwingen. Alles reine Spekulation natürlich!
Der beste Moment:
Als Walter Junior die Story seines Vaters von der Benzinpumpe, die ihn wegen einer Fehlfunktion besudelt habe, anzweifelt: "Warum lügst du, Dad?" Einen Moment lang stockt der Atem: Hat tatsächlich der treuliebende Sohn, der viereinhalb Staffeln lang all die Lügenkonstrukte seiner Eltern brav geglaubt hat, Lunte gerochen? Hat er nicht, puh! Er zweifelt bloß an, dass es die Benzinpumpe war, die das Malheur verursacht hat - er glaubt, sein Vater habe wegen des wieder zurückgekehrten Lungenkrebses einen Zusammenbruch erlitten und selbst das Benzin verkleckert.
Die letzte Hälfte der fünften Staffel von "Breaking Bad" läuft sonntags in den USA auf AMC. In Deutschland ist die aktuelle Episode dienstagabends im Pay-TV auf dem Sender AXN zu sehen, am Mittwoch ist sie auch im deutschen iTunes-Store erhältlich. Die gesamte Staffel wird später auch noch auf Arte gezeigt.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- "Breaking Bad"-Blog: Die Rückkehr der Ricin-Zigarette (28.08.2013)
- "Breaking Bad"-Blog: Entsorgt den Kerl in Mittelamerika! (21.08.2013)
- "Breaking Bad"-Blog: Blaubeeren im Weltall (14.08.2013)
- Fotostrecke: Das Ende des Walter White
- Serien-Finale: Warum wir "Breaking Bad" lieben (09.08.2013)
- Fotostrecke: Walter White ist am Ende
- "Breaking Bad"-Star Cranston: Ich, mein Doppelgänger (23.07.2013)
- "Breaking Bad"-Tour durch Albuquerque: Dealer, Drogen, Autowaschanlage (05.08.2012)
- "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston: "Die Gier steckt in jedem von uns" (04.11.2011)
- Preisgekrönte US-Serie: "Breaking Bad" findet doch ein Ende (15.08.2011)
- Serien-Star Bryan Cranston: Der Drogenkoch, den ganz Amerika liebt (18.12.2009)

Volker Hage:
Marcel Reich-Ranicki
(1920-2013)Der Kritiker der Deutschen.
SPIEGEL E-Book 2013;
2,49 Euro.- Direkt bei Amazon bestellen: Kindle Edition
MEHR AUS DEM RESSORT KULTUR
-
Bestseller
Die aktuellen Listen: Hardcover, Taschenbücher, DVDs und Kino-Charts -
Rezensionen
Abgehört, vorgelesen, durchgeblickt: Unsere Rezensionen - was Sie nicht verpassen sollten -
TV-Programm
Ihr TV-Planer: So gucken Sie beim Fernsehen nie mehr in die Röhre -
Gutenberg
Bücher online lesen: Die Klassiker der Weltliteratur - gratis bei Projekt Gutenberg -
Tageskarte
Sieben Tage, sieben Empfehlungen: Die wichtigsten Entdeckungen der Woche.

