"Breaking Bad"-Blog: Eigenheim, leicht entflammbar

Von Christoph Twickel

"Breaking Bad"-Blog, Folge 12: Wieder ein Job für Todds Onkel Fotos
AMC

Drogen, Tod und Familienstress: Die letzten Episoden von "Breaking Bad" haben begonnen. Lesen Sie in unserem Blog, wer stirbt, wer lebt - und wen Walter White jetzt am meisten fürchten muss.

+++Vorsicht, Spoiler! Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie Episode 12 der fünften Staffel bereits gesehen haben. Den Blog-Eintrag zu Folge 11 finden Sie hier+++

Was ist passiert?

Kaum eine Serie setzt das dramaturgische Mittel des Cliffhangers so grausam gut ein wie "Breaking Bad". Wir erinnern uns: Folge 11 endete mit einem wutschnaubenden Jesse Pinkman, der einen Benzinkanister über Teppich und Möbel im Haus der Familie White entleert. Zu Beginn der neuen Folge erfahren wir: Zum Anzünden ist Walter Whites abtrünniger Partner offensichtlich dann doch nicht gekommen.

Stattdessen findet der panische Walt Sr. sein Haus intakt vor, allerdings stinkt es arg nach Benzin. Auch das Express-Reinigungsteam kann da wenig ausrichten - also muss sich Walt einmal mehr eine seiner "Wisst ihr was mir heute passiert ist?"-Lügenmärchen ausdenken, um seiner Familie einzureden, dass ein nach Benzin stinkendes Eigenheim kein Grund zur Beunruhigung ist.

Bloß: Die wirre Story mit der defekten Benzinpumpe, die ihn an der Tankstelle besudelt hat, kauft ihm Skyler nicht ab - zumal sie aus dem Fenster des Hotels, in das die Familie ausgewichen ist, ein Treffen zwischen Walt und seinem Anwalt und Nothelfer Saul Goodman beobachten kann. Es gibt also keine Alternative: Walter White muss seiner Frau - schonend natürlich - von den Rachegelüsten seines Expartners erzählen.

Skyler Reaktion fällt erwartungsgemäß ungnädig aus. Und das ist wie immer toll - Episode 12 bietet wieder reichlich Gelegenheit, sich an der variantenreich-indignierten Mimik von Skyler-Darstellerin Anna Gunn zu weiden. Wenn man sich ein Spin-Off wünschen dürfte: Skyler White als Protagonistin einer Serie, in der sie das Drogengeld ihres Gatten verwaltet - das wäre es doch wert! Stattdessen planen die "Breaking Bad"-Macher, den Charakter des schmierigen Anwalts Saul Goodman zur Hauptfigur eines neuen Mehrteilers zu machen. Auch gut!

Aber zurück zur Handlung: Jesse Pinkman scheint vom Erdboden verschluckt zu sein - Goodman und seine kernigen Helfershelfer können ihn nirgendwo finden. Was uns zu der Frage zurückbringt: Warum hat Pinkman seinen Plan, das Haus von Walter White anzuzünden, nicht umgesetzt? Wir sehen in der Rückblende: Hank Schrader, Walts Schwager, hat ihn mit gezogener Waffe daran gehindert - und ihm versichert, dass er mit seiner Hilfe dem verhassten Expartner viel nachhaltiger schaden könne.

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"Breaking Bad" in Albuquerque: Walter Whites Drogenküche
Also zieht Jesse bei dem bulligen Drogenfahnder und seiner Frau Marie ein. Hank weiht seinen DEA-Partner Steven Gomez in den Plan ein: Jesse Pinkman soll in einem heimlich observierten Treffen Walter Aussagen über das gemeinsame Drogengeschäft entlocken, die vor Gericht verwertbar sind. Doch am Ende spielt der impulsive Pinkman nicht mit - statt Walt auf einem öffentlichen Platz zu treffen, ruft er ihn von einem nahegelegenen Münztelefon an: "Beim nächsten Mal krieg ich dich dort, wo du wirklich lebst." Walt reagiert mit einem Anruf bei seinem neuen Compagnon Todd, dessen krimineller Onkel schon einmal unliebsame Zeugen des Meth-Vertriebsnetzwerks beseitigt hat: "Ich glaube, ich habe wieder einen Job für deinen Onkel."

Eine Episode, die der Serie würdig ist?

Auf jeden Fall. Und das liegt nicht an Walter White, dessen Moves immer hilfloser werden. "Wenn du die Geschichte einer Transformation erzählst und ehrlich mit dir bist, musst du zugestehen, dass sie irgendwann abgeschlossen ist", hat "Breaking Bad"-Macher Vince Gilligan im Interview erklärt - und tatsächlich ist die Wandlung Walter Whites vom krebskranken Chemielehrer zum mordenden Crystal-Meth-Magnaten längst an ihr Ende gekommen.

Was ihn antreibt - und das hält die Geschichte spannend - ist die leise Hoffnung, doch noch mal als liebender Familienvater und Ehemann reüssieren zu können, weshalb er die Dramatik der Situation vor seiner Familie notorisch bagatellisiert. Hier kommt seine Frau neu ins Spiel - die das mittlerweile durchschaut hat und sich gezwungen sieht, Verantwortung in Sachen Skrupellosigkeit zu übernehmen.

Die überraschende Wendung in dieser Episode besteht daher weniger in dem Zweckbündnis zwischen DEA-Fahnder Hank und dem Drogenpimp Jesse, sondern eher in einem Schritt, den Skyler vollzieht. "Wir müssen das erledigen", hält sie Walt entgegen, als der versucht, das Problem Jesse Pinkman herunterzuspielen. Es gibt keinen Zweifel, wie sie das meint - und Walt erfüllt mit seinem Anruf in Sachen Auftragskiller den Wunsch der Gattin auch.

Wer stirbt?

Niemand. Außer ein paar Hausstaubmilben, die Jesses Benzinattacke auf die Auslegeware im Hause White nicht überlebt haben dürften.

Wen muss Walter am meisten fürchten?

Der wutschnaubende Hank und der manische Jesse - gemeinsam sind sie Walt auf den Fersen. Aber wirklich gemeinsam? Die Hoffnung für den Drogenkoch im Ruhestand besteht darin, dass seine Verfolger sich wechselseitig behindern. Und wie gesagt: Im großen Showdown der kommenden und letzten vier Folgen könnte Skyler ihre dienende Rolle verlassen und sich zur konsequenteren Bösewichtin aufschwingen. Alles reine Spekulation natürlich!

Der beste Moment:

Als Walter Junior die Story seines Vaters von der Benzinpumpe, die ihn wegen einer Fehlfunktion besudelt habe, anzweifelt: "Warum lügst du, Dad?" Einen Moment lang stockt der Atem: Hat tatsächlich der treuliebende Sohn, der viereinhalb Staffeln lang all die Lügenkonstrukte seiner Eltern brav geglaubt hat, Lunte gerochen? Hat er nicht, puh! Er zweifelt bloß an, dass es die Benzinpumpe war, die das Malheur verursacht hat - er glaubt, sein Vater habe wegen des wieder zurückgekehrten Lungenkrebses einen Zusammenbruch erlitten und selbst das Benzin verkleckert.


Die letzte Hälfte der fünften Staffel von "Breaking Bad" läuft sonntags in den USA auf AMC. In Deutschland ist die aktuelle Episode dienstagabends im Pay-TV auf dem Sender AXN zu sehen, am Mittwoch ist sie auch im deutschen iTunes-Store erhältlich. Die gesamte Staffel wird später auch noch auf Arte gezeigt.

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
nicht_relevant 04.09.2013
Skylers Verwandlung in eine skrupellose Frau, die alles machen würde (bzw. Walt die Drecksarbeit erledigen lassen), um ihre Familie zu schützen wurde schön beschrieben. Aber mir fehlt die Erwähnung von Marie. Vor wenigen Folgen war sie ein wenig relevanter Nebencharakter, aber seit sie von Walts Tätigkeiten erfahren hat, blüht sie in ihrem Hass geradezu auf. Sie fantasiert offen über Walts Tod, bis hin zu seiner Ermordung und sie hat kein Problem damit, Verbrecher in ihrem Haus aufzunehmen, solange es nur Walt schaden könnte. Alles in allem war es sicher nicht die beste Folge, aber der Cliffhanger lädt wieder schön zum Spekulieren ein.
2.
christian simons 04.09.2013
Warum der Autor ausgerechnet heute die „grausam gute“ Auflösung der Cliffhanger preist, ist mir ein Rätsel. Noch selten zuvor hat eine BB-Episode so wenig von dem gehalten, was der Cliffhanger der Vorwoche versprochen hat. Aber die doch arg konstruierte Verzögerung der großen Konfrontation zwischen Walt und Jesse hat immerhin noch was Gutes: Familie Schrader ist wieder im Rennen. Es wäre zu schade gewesen, wenn Hank und Marie in den verbleibenden Folgen als lahme Enten herumlaufen, die zum Endspiel nichts Entscheidendes mehr beitragen können. Das Positive: Die Folge zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie toxisch die Welt mittlerweile geworden ist, die Walt ursprünglich mal retten wollte. Fast alle Beteiligten schmieden finstere Mordpläne, und nur noch Walt jr. ist der letzte tragische Ahnungslose in diesem menschlichen Abgrund. Selbst die früher so moralinsaure Skyler hat sich inzwischen endgültig dem Niveau ihres Gatten angepasst. In den einschlägigen internationalen Foren nennt man sie bereits „Skysenberg“. Fazit: Gemessen an der brillianten Episode der Vorwoche ist „Rabid Dog“ eine Enttäuschung, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Noch ein Anliegen im Namen derjenigen, die sich wie ich die Folgen erst am Dienstag abend bei AXN anschauen: Wartet mit Euren Kommentaren bitte solange, bis hier der Thread zur jeweiligen Episode eröffnet wurde. Ich musste mich vorzeitig aus der letzten Diskussionsrunde verabschieden, weil da am Ende über Dinge geredet wurde, die ich noch gar nicht wissen wollte. :-(
3. Kaffeetasse
hein_blöd 04.09.2013
mir hat am besten gefallen, dass Jesse seinen Kaffee bei Hank in einer DEA-Tasse gereicht bekommen hat...
4. DEA-Tasse
dnzzz 04.09.2013
Die DEA-Tasse ist vor allem interessant weil der Henkel das Wort erst komplett macht.
5. What's one more?
to5824bo 04.09.2013
Frei übertragen (gemeint ist natürlich Jesse): "Auf einen (Toten) mehr kommt's jetzt auch nicht mehr an" Allein für diesen einen Satz aus Skylers Mund hat sich die Folge, die ich ansonsten als etwas schwächer empfinde, gelohnt. Nun ist sie endgültig "broken bad" (Hank auf andere Weise auch). OK, retardierende Elemente müssen sein, damit die Spannung bleibt und wächst,aber die ganze Benzingeschichte wirkt doch arg konstruiert, und Maries Seelenklempner interessierte (zumindest mich) nicht wirklich. Ich muss noch mal alles sacken lassen. Dem Wunsch des Mitforisten mit der Bitte um Abwarten bis zum Erscheinen des neuen Blogbeitrags am Mittwoch, schließe ich mich als iTunes-Nutzer gern noch einmal an. Wen es interessiert: Auch die aktuelle Folge erschien bei iTunes wie schon die davor mit fertigen englischen Untertiteln.
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