"Breaking Bad"-Blog: Blaubeeren im Weltall

Von

Finaler Abstieg: Die letzten Folgen von "Breaking Bad" Fotos
AMC

Drogen, Tod und Familienstress: Die letzten Episoden von "Breaking Bad" haben begonnen. Lesen Sie in unserem Blog, wer stirbt, wer lebt - und wen Walter White jetzt am meisten fürchten muss.

+++Vorsicht, Spoiler! Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie Episode 9 der fünften Staffel bereits gesehen haben+++

Was ist passiert? Oberflächlich betrachtet nicht viel. Die Serie nimmt den Faden Sekunden nach der letzten Szene der letzten Episode wieder auf: Auf der Toilette der Whites, wo Hank Schrader schlagartig klar wird, dass Walter der Drogenkönig Heisenberg ist. Selbstverständlich folgt darauf nicht sofort ein Showdown der ungleichen Verwandten - der Showrunner Vince Gilligan folgt auch in den allerletzten Episoden dem Credo, das er jüngst in einem Interview beschrieben hat: Die Handlung ist so langsam wie möglich voranzutreiben, gerade so schnell, dass die Zuschauer noch wach bleiben, dabei mit viel Raum für die psychologische Entwicklung der Charaktere.

Also hadert auch Jesse Pinkman quasi in Zeitlupe mit der Schuld, die er als Komplize Walts auf sich geladen hat. Das ist keineswegs verschwendete Zeit, denn Jesses minutenlanges, wortloses Brüten schafft Platz für die lustigste Szene dieser Folge: Badgers drogeninduzierte Vision einer "Star Trek"-Episode um ein Kuchen-Wettessen auf der Enterprise. Jesse hält diese spezielle sowie die allgemeine Sinnlosigkeit des Daseins nicht mehr aus und beschließt, sein Drogengeld mit anwaltlicher Hilfe zu verschenken - was uns ein lang ersehntes Wiedersehen mit dem windigen Anwalt Saul Goodman beschert. Doch auch hier: Gemach, Gemach. Jesse und die Zuschauer sitzen erstmal in Goodmans Wartezimmer und müssen sich die Zeit mit einem Joint verkürzen.

Fotostrecke

9  Bilder
Finale von "Breaking Bad": Walter White ist am Ende
Die Whites scheinen sich derweil vergleichsweise gut hinter ihrer familiären Fassade eingerichtet zu haben. Die Autowaschanlage läuft bestens, man sagt sich morgens sogar Hallo, und während Walter Lydia, die Frau aus dem deutschen Chemie-Konzern, einfach nur abweist, als sie ihn wieder als Drogenkoch einspannen will, stößt Skyler wüste Drohungen aus. So aktiv hat man die duldende Gattin selten gesehen - hier scheint sich ein entfremdetes Ehepaar arrangiert zu haben, wenn schon nicht privat, dann doch zumindest für das gemeinsame Projekt.

Später muss Walter feststellen, dass sein Whitman-Band verschwunden ist. Misstrauisch geworden sucht er sein Auto ab und findet prompt einen Peilsender. Also besucht er Hank. Zunächst plaudern sie noch freundlich, aber schließlich fallen die Masken - Walter und Hank stehen sich als Feinde gegenüber. Das ist die eigentliche Entwicklung dieser Episode: Walters Tarnung ist endgültig dahin, er ist jetzt im Fadenkreuz der DEA - in Gestalt seines eigenen Schwagers.

Eine Episode, die der Serie würdig ist? Durchaus. Es war kaum zu erwarten, dass schon am Anfang des großen Finales Blut spritzt, Familien zerbrechen und letzte Worte gesprochen werden. "Breaking Bad" holt uns zunächst wieder in die labile Normalität (wenn man das Doppelleben eines ehemaligen Meth-Barons so nennen mag) des Walter White - um diese in den kommenden Episoden zu pulverisieren. Einziger Kritikpunkt: Jesses Gewissen haben wir schon etwas zu oft beim Beißen zugesehen. Der Junge muss jetzt endlich mal klarkommen. Oder vollends durchdrehen. Nach Lage der Dinge: Letzteres.

Wer stirbt? Walter White, wie schon seit Beginn der Serie. Sein Lungenkrebs ist zurück, wir sehen ihn von Krämpfen geschüttelt auf der Toilette. Kurzzeitig macht man sich auch Sorgen um Hank Schrader, der nach der Enttarnung Walters eine Panikattacke erleidet. Auch Jesse sieht überhaupt nicht gut aus, aber wann wirkte der schon jemals gesund? Leichen jedenfalls gibt es in dieser Folge keine zu sehen, mal abgesehen von jenen auf den alten Ermittlungsfotos der DEA.

Wen muss Walter am meisten fürchten? Zunächst natürlich seinen Schwager Hank, der jetzt alles tun wird, ihn zur Strecke zu bringen. Zweitens Lydias Drogenorganisation, die versuchen wird, ihn als Drogenkoch zu schanghaien. Drittens Jesse Pinkman, den zunehmend labilen Mitwisser seiner Verbrechen. Schließlich jedoch am meisten sich selbst. Man kann sicher sein, dass die jüngsten Ereignisse Walter zu monströsen Konsequenzen treiben werden. Dieser Mann hat jetzt nichts mehr zu verlieren.

Fotostrecke

17  Bilder
"Breaking Bad"-Star Cranston: Der Wandel des Walter White
Der beste Moment? Ereignet sich noch vor dem Vorspann: In einer Vorschau (die an jene vor der ersten Episode dieser letzten Staffel anschließt) bricht ein von der Flucht gezeichneter Walt in sein eigenes Haus ein, um die Giftkapsel zu holen, die er einst hinter einer Steckdose versteckt hatte. Walt verlässt sein altes Zuhause nicht unbemerkt: Gerade steigt die Nachbarin mit ihren Einkäufen aus dem Auto. Sie erkennt den Verbrecher von nebenan, fällt in Schockstarre, lässt ihre Einkaufstüte fallen, frische Früchte kullern auf die Straße. Und Walter White sagt: "Hello Carol!". Stefan Kuzmany


Die letzte Hälfte der fünften Staffel von "Breaking Bad" läuft seit Sonntag in den USA am Sonntag auf AMC. In Deutschland ist die aktuelle Episode Dienstagabends im Pay-TV auf dem Sender AXN zu sehen, am Mittwoch ist auch um deutschen iTunes-Store erhältlich. Die gesamte Staffel wird später auch noch auf Arte gezeigt.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Bedlam 14.08.2013
Also der beste Moment war ja wohl eindeutig der, in dem Hank das Garagentor schließt. Wahnsinn...
2. Wow
sheldon1209 14.08.2013
selten ein schlechteres Review gelesen, eine reine Darstellung der Geschehnisse oder auch nur den Ansatz einer Interpretation. Wahrscheinlich eine lieblose Auftragsarbeit des Authors.
3. Etwas enttaeuscht
An-On 14.08.2013
Die Konfrontation zwischen Hank und Walt war ohne Ueberraschungen und ohne besonders raffinierten Dialog - vielleicht abgesehen von den letzten 2 Zeilen ("I don't know you" - "Better tread lightly.") Da waere mMn sehr viel mehr Potential gewesen, wenn Hank mehr Zeit gehabt haette, jetzt Walt hinterherzuschnueffeln, also den Spiess umzudrehen. Dass er das Buch *nicht* zurueckbringt, aber den Sensor an Walts Auto anbringt, ist zu plump. Jesse war oede. Richtig gut war nur der Teaser mit dem ruinierten Haus.
4. Suchtfaktor Serie
plagiatejäger 14.08.2013
Wenn man die Chance hat, sollte man nur mit der ersten Staffel anfangen, die für den weiteren Verlauf so wichtig ist. Auch wer stark genug ist von solchen Drogenmilieus fernzubleiben, kann von der völlig absurden Welt der Serie wie ein Süchtiger gefangen werden. Bin gespannt auf die heutige OV.
5.
berufskonsument 14.08.2013
Zitat von BedlamAlso der beste Moment war ja wohl eindeutig der, in dem Hank das Garagentor schließt. Wahnsinn...
Viel besser fand ich das, was danach kommt. "I'm not even sure who you are anymore." - "If you don’t know who I am, then maybe your best course would be to tread lightly." Ich war noch nie so gespannt auf ein Serienende.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Televisionen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 55 Kommentare
  • Zur Startseite
Vote
Finale von "Breaking Bad"

Was glauben Sie: Wird Walter White am Ende der Serie noch leben?