Falsche Missbrauchsvorwürfe: Medienaufsicht ermittelt gegen BBC und ITV

Die falschen Missbrauchsvorwürfe gegen einen Politiker beschäftigen jetzt auch die Medienaufsichtsbehörde in Großbritannien. Das Ofcom hat Ermittlungen gegen BBC und ITV aufgenommen, weil sie journalistische Standards verletzten haben sollen. Beiden Sendern drohen Millionenstrafen. 

BBC-Zentrale in London: Einigung mit McAlpine steht kurz bevor Zur Großansicht
AFP

BBC-Zentrale in London: Einigung mit McAlpine steht kurz bevor

London - Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hat Ermittlungen gegen die TV-Sender BBC und ITV eingeleitet. Man werde untersuchen, ob die Redaktionen der Sendungen "Newsnight" und "This Morning" den "Broadcasting Code" verletzt haben, in dem die Regeln medialen Arbeitens festgeschrieben sind.

Beide Programme hatten vor knapp zwei Wochen den ehemaligen Schatzmeister der Tories, Alistair McAlpine, implizit beschuldigt, in den Siebzigern Kinder missbraucht zu haben. Vor Ausstrahlung der Sendung hatten die Redakteure den Politiker nicht mit den Vorwürfen konfrontiert. Nachdem McAlpines angebliches Missbrauchsopfer seine Vorwürfe zurückgezogen hatte, entschuldigten sich BBC und ITV bei dem Politiker. BBC-Chef George Entwistle musste wegen der Affäre seinen Hut nehmen. Am Montag leitete der Sender weitere Disziplinarmaßnahmen ein.

Die Medienaufsicht überprüft zudem, ob der Morgenmoderator von ITV, Phillip Schofield, journalistische Standards verletzte, als er am vergangenen Donnerstag in einer Livesendung Premier David Cameron eine Liste mit Politikern vorlegte, die angeblich dem Kinderschänderring angehört haben sollen. Nach eigener Aussage hatte Schofield diese Liste "innerhalb von drei Minuten" mit Hilfe des Internets erstellt. Einige Politikernamen waren für die TV-Zuschauer sichtbar.

Sollte das Ofcom einen Verstoß gegen den "Broadcasting Code" feststellen, drohen den Sendern empfindliche Geldstrafen in Millionenhöhe. McAlpine selbst steht hingegen kurz vor einer außergerichtlichen Einigung mit der BBC. Sowohl sein Anwalt aus auch ein Sendersprecher bestätigten, dass die Verhandlungen über eine finanzielle Entschädigung noch am Donnerstag abgeschlossen werden sollten. McAlpines Anwalt teilte mit: "Unser Mandant ist sich im Klaren darüber, dass sämtliche Gelder, die er von der BBC erhalten sollte, letztendlich von den Gebührenzahlern kommen. Eine Einigung wird dies angemessen berücksichtigen."

syd

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