Sky News: Murdoch-Sender gesteht Hacken privater E-Mails

Sky News unter Druck: Der britische Nachrichtensender im Teilbesitz von Rupert Murdoch hat zugegeben, in die E-Mail-Konten mutmaßlicher Krimineller eingedrungen zu sein. Die Verantwortlichen verteidigen sich, man habe im Interesse der Öffentlichkeit gehandelt.

Sky-Logo in London: E-Mail-Hacking im Interesse der Öffentlichkeit? Zur Großansicht
REUTERS

Sky-Logo in London: E-Mail-Hacking im Interesse der Öffentlichkeit?

London/Hamburg - Es ist ein weiterer Fall von illegalen Recherchemethoden: Der mit dem Medienkonzern von Rupert Murdoch verbundene britische Sender Sky News hat seinen Reportern erlaubt, sich Zugang zu den E-Mail-Konten von mutmaßlichen Kriminellen zu verschaffen. Man habe in zwei Fällen Journalisten autorisiert, die elektronische Post von Straftatverdächtigen zu lesen, teilte der Sender mit. Das Vorgehen sei im Interesse der Öffentlichkeit gewesen. Was man herausbekommen habe, habe man der Polizei weitergegeben.

In Großbritannien ist das Hacken von E-Mails laut dem Gesetz zum Umgang mit Computern illegal. Der BBC zufolge teilte die zuständige Polizei mit, man untersuche den Fall. Konkret ging es bei den Sky-News-Fällen um einen mutmaßlichen Pädophilen sowie um die Affäre um den totgeglaubten und wieder aufgetauchten Kanufahrer John Darwin. Dieser hatte 2008 versucht, sich Geld von der Versicherung zu erschleichen, indem er seinen Tod vortäuschte. Sky News hat eigenen Angaben zufolge E-Mails zwischen ihm und seiner Frau abgefangen.

"Wie andere Organisationen auch, sind wir uns bewusst über die Spannungen, die sich zwischen der Justiz und verantwortungsbewusstem investigativen Journalismus ergeben können", hieß es in der Stellungnahme von Sky News. "Wir stehen zu unserem Handeln und sind der Ansicht, es war journalistisch gerechtfertigt und im Interesse der Öffentlichkeit."

Sky News gehört zur britischen TV-Senderkette British Sky Broadcasting (BSkyB), an der wiederum der Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch mit 39,1 Prozent beteiligt ist. Der Medienmogul steht nach dem Skandal um seine ehemalige Zeitung "News of the World" sowie um das Boulevardblatt "Sun" in scharfer Kritik. Die "News of the World" war vergangenen Sommer eingestellt worden, nachdem bekannt geworden war, dass dort Handy-Mailboxen von Straftatopfern angezapft worden waren. Reporter der "Sun" sollen Polizisten bestochen haben, insgesamt 17 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sind inzwischen festgenommen worden, darunter auch die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks. In Großbritannien arbeitet derzeit eine Kommission an einem neuen Pressekodex.

Erst am Mittwoch hatte Rupert Murdochs Sohn James seinen Rücktritt als Chef des Verwaltungsrats bei BSkyB bekanntgegeben. Zuvor hatte er sich bereits aus der Zeitungsholding News International zurückgezogen. Wegen der Abhöraffäre in seinem Konzern hatte Rupert Murdoch Pläne zur Übernahme der vollen Kontrolle über BSkyB zuletzt auf Eis legen müssen.

fdi/dpa/dapd/AFP

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1. So, so "im Interesse der Oeffentlichkeit"
gweihir 07.04.2012
Die duemmste Verteidigung aller Rechtsbrecher: "ich darf das". Hoffe mal diese Kriminellen landen fuer lange Zeit hinter Gitter.
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