Burdas große TV-Gala: Bambis für alle!

Von Peer Schader

Sarah Jessica Parker wusste nicht, wo sie ist, Udo Lindenberg bekam eine wirre Laudatio, dazu das penetrante Lob für Preisstifter Hubert Burda: Die Bambi-Verleihung ist als TV-Unterhaltung nur bedingt geeignet - sie ist bei weitem nicht so wichtig, wie sie sich selber nimmt.

Irgendwo müssen die Preise, mit denen man in so einem Promileben überschüttet wird, ja aufbewahrt werden: Als die frühere Olympiasiegerin Heike Henkel am vergangenen Wochenende beim "Perfekten-Promi-Dinner" auf Vox mit dem Kochen an der Reihe war, durften ihre Gäste, so ist es Tradition, während der Vorbereitungszeit im Haus herumstöbern. Natürlich wollten alle die Goldmedaille sehen, die die Hochspringerin 1992 bei den Spielen in Barcelona für Deutschland gewann. Gefunden haben die Gäste aber nur ein goldenes Reh, ganz hinten auf dem Schrank im Keller, eingestaubt und zugehängt mit einer selbstgebastelten Froschmaske von Henkels Kindern.

Henkel bekam ihren Bambi 1991, noch als WM-Siegerin. Und es ist ganz bestimmt nicht so, dass ihr das damals nichts bedeutet hätte. Wenn man das Reh als Anerkennung einer wichtigen Arbeit, als Auszeichnung für eine besondere Leistung versteht, hat es durchaus seine Berechtigung.

Zum Beispiel für die blinde Biathletin Verena Bentele, die ihr Bambi an diesem Donnerstag verliehen bekam, 19 Jahre nach Henkel. Oder für Florian David Fitz, der seinen Film "Vincent will Meer" über einen an Tourette leidenden jungen Mann im Kino durchgesetzt hat. Bestimmt auch für Mesut Özil, der mit zurückgegeltem Haar und aufgeregter als bei jedem WM-Spiel das Reh entgegennahm - nicht für sportliche Leistungen, sondern für "Integration".

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Bambi-Verleihung: Kein Verhältnis zur Realität
Die Art und Weise allerdings, wie Verleger und Preisstifter Hubert Burda die Verleihung inszenieren lässt, wird jedes Jahr absurder. Weil die behauptete Wichtigkeit in keinem Verhältnis mehr zur Realität steht.

"Bedeutendster Verleger Deutschlands"

So wurde in diesem Jahr extra "Sex and the City"-Star Sarah Jessica Parker aus New York eingeflogen, um die Begrüßung zu übernehmen. Sie freue sich, bei der "traditionsreichsten und bedeutsamsten Preisverleihung in Deutschland" dabei sein zu dürfen, versprach "Unterhaltung vom Allerfeinsten", "so viel Glamour, so viel Style", "sagenhafte Preisträger, wunderbare Künstler", einen "Abend voller Leidenschaft und Emotion", bei der - natürlich - "glanzvollsten Feier in Deutschland", ermöglicht (vor allem aber: bezahlt) vom "bedeutendsten Verleger Deutschlands"! Bei Hofe muss es früher ganz ähnlich zugegangen sein. Dass den ganzen Abend über vor allem Leute auf der Bühne standen, von denen Parker vorher noch nie etwas gehört hat, schien sie nicht weiter zu stören. Sie wusste ja nicht mal, in welcher Stadt sie war.

Überschwänglich lobte Parker "dieses faszinierende" Berlin, begrüßte den Regierenden Bürgermeister und erklärte, unbedingt wiederkommen zu wollen. Die Verleihung allerdings fand in Potsdam statt. Und dort legt man bekanntermaßen Wert darauf, nicht bloß als Vorort der Hauptstadt behandelt zu werden.

Aber so etwas passiert eben, wenn man eine Reihe von Stars aus dem Ausland einfliegen lässt, um der Veranstaltung etwas mehr Glanz zu verleihen, weil man es der eigenen Prominenz nicht so recht zutraut.

Orlando Bloom nahm ein Bambi für seinen Unicef-Einsatz zu Gunsten notleidender Kinder in Krisengebieten entgegen, Schimpansenforscherin Jane Goodall für ihr Engagement zum Erhalt der Arten. Und Parker bekam zwischendrin einen "Überraschungsbambi" in die Hand gedrückt, vermutlich wegen ihrer schönen Eröffnungsrede. Wenn schon mal Prominenz da ist, soll die auch nicht mit leeren Händen nach Hause fahren. Und Franziska van Almsick, die Parker das Reh mitbrachte, hatte Gelegenheit, mit einer phantastischen Einleitung zu glänzen: "Überraschungen - manche mögen sie, manche mögen sie nicht." Ist übrigens mit Preisverleihungen ganz ähnlich.

Als Fernsehunterhaltung nur bedingt geeignet

Gewiss darf man es nicht als Willkür bezeichnen, mit der bei Burda darüber entschieden wird, wer einen Preis kriegt: ganz einfach jeder, der auch bereit ist, an einem solchen Abend mit seiner Anwesenheit die Wichtigkeit des Stifters zu mehren.

Als Fernsehunterhaltung eignet sich das fast dreistündige Schaulaufen aber nur bedingt, weil einem ganz übel werden kann von all dem Kitsch und Pomp. Die Gruppe Unheilig etwa musste ihren Charterfolg "Geboren um zu leben" nicht nur mit Unterstützung der Tenöre von Adoro aufführen, sondern bekam zum Schluss auch noch schnell einen Kinderchor auf die Bühne geschoben. Und bei den vielen Kategorien blickt auch keiner mehr durch: Udo Lindenberg musste sich vor seiner Auszeichnung fürs "Lebenswerk" eine wirre Rede von Schauspielerin Anna Loos anhören und wurde dann auch noch von Hans-Dietrich Genscher mit dem "Millennium"-Bambi übertrumpft. "Der schönste Nachruf ist nichts gegen ein gutes Wort zu Lebzeiten", witzelte der 83-Jährige.

Nächstes Jahr wird vermutlich aus Steigerungsgründen die Kategorie "Universum" eingeführt.

Wie sympathisch war da doch Beth Ditto, von Laudator Karl Lagerfeld zuvor als "strammer Brummer" bezeichnet, die sich mit ihrer Band Gossip bei ihrem Hit "Heavy Cross" erst mal verspielte und ein bisschen an der inszenierten Perfektheit der Veranstaltung kratzte. Überraschungen gab es sonst keine, außer vielleicht, dass Shakira über den ebenfalls gepreisten Bundestrainer Jogi Löw sagte: "Ich finde ihn in seinem blauen Pulli am süßesten!"

Für die Gäste im Saal muss es ein besonders anstrengender Abend gewesen sein, weil permanent aufgestanden wurde, um jeden zweiten Preisträger mit Standing Ovations zu feiern. Vielleicht sagt den Burdas mal einer, dass das gar nicht so gut ist, weil die Geste dadurch ihre Besonderheit verliert.

Oder es besorgt im nächsten Jahr einfach gleich jemand Stehtische.

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Wer will noch mal,
Populist 12.11.2010
wer hat noch nicht? Es isr schon eine Dreistigkeit sondergleichen, diesen abstrusen Langweiler abends auf die Mattscheibe zu bringen. Wer kennt denn die ganzen Herrschaften, die da im Rampenlicht stehen, um sich selbst und andere zu feiern? Das Ganze ist doch nur eine unflätige Burda-Lob-Veranstaltung, dessen völlig überbewertete Gemahlin wir immer wieder mal als "Kommissarin" ertragen müssen. Irgendwann ist es ein Makel, den "Bambi" bekommen zu haben.
2.
Scaithy 12.11.2010
Wie unterschiedlich zwei Artikel zum gleichen Thema auf der gleichen Seite doch sein können. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,728693,00.html Zufall? Ich glaube nicht.
3. Diesen Blödsinn...
fatherted98 12.11.2010
...muss man sich als Gebühren-Zwangs-Zahler auf die Nase binden lassen. Es ist nicht zu fassen wie sich überbewertete Nichttuer und Nieten hier feiern lassen und das ganze wird auch noch dem Zuschauer im ERSTEN zur besten Sendezeit vorgesetzt. Dann lieber Wiederholungen aus den 70ern....
4. Auch will!
Jettenbacher 12.11.2010
Ich hab noch keinen bekommen! Für die erfrischendsten, sinnvollsten und pulitzerpreisverdächtigsten Beiträge im SPON-Forum! Her, mit dem zarten Rehchen!
5. Respekt Herr Schader
biobanane 12.11.2010
Ich hoffe sie wurden von SPON gut bezahlt, sich das anzutun.
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Die Bambi-Gewinner 2010
Kategorie Gewinner
Beste Schauspielerin Hannah Herzsprung
Bester Schauspieler Florian David Fitz
Bester Fernsehfilm "Tatort: Weil sie böse sind" (ARD/hr)
Kultur Christoph Schlingensief
Pop international Gossip
Pop national Unheilig
Charity Orlando Bloom
Shooting Star Hurts
Sport Verena Bentele, Verena Sailer
"Unsere Erde"-Bambi Jane Goodall
Talent Sophia und Jana Münster ("Hanni & Nanni")
Jährlicher Ehren-Bambi Johannes Heesters
Millennium-Bambi Hans-Dietrich Genscher
Lebenswerk Udo Lindenberg
Sonderpreis der Jury Joachim Löw mit seinem Trainerteam
Integration Mesut Özil
"Stille Helden" Claus Muchow, Daniela Lesmeister und Tom Wenzel
Publikums-Bambi für Lieblings-Fernsehserie "Um Himmels Willen" (ARD)
Überraschungs-Bambi Sarah Jessica Parker