Bushido und der Bambi: Pöbeln, bis der Preis kommt

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Ein Rehchen für den Verbal-Randalierer: Bushido erhält einen Bambi - in der Kategorie Integration! Schon im Vorfeld wurde dagegen heftig protestiert, bei der Verleihung ging die Kritik weiter: Rosenstolz-Sänger Peter Plate schimpfte über den Preis - der Gewinner gab sich cool.

Umstrittener Preis für Bushido: Gewaltrapper als Gandhi Fotos
Getty Images

Beim Medienhaus Burda knallten am Donnerstag wahrscheinlich bereits vor Beginn der Bambi-Gala die Sektkorken. Was die Ausrichter auch anstellten - so viel Vorabaufmerksamkeit für den von Burda vergebenen Unterhaltungspreis war in den letzten Jahren selten. Weil der ehemals unerträglich aggressive und heute unerträglich langweilige Rapper Bushido für sein Engagement in Sachen Integration geehrt werden sollte, gingen allerorten die Menschen auf die Barrikaden.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes hat sich in einem offenen Brief ebenso gegen die Preisvergabe ausgesprochen wie der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, der während der Trophäenvergabe am Donnerstagabend im Saal sein, aber dem Geehrten - Achtung! - den Applaus verweigern wollte.

Besonders gefreut haben dürfte den Offenburger Verlag ("TV Spielfilm", "Bunte", "Lisa"), dass man auch im Netz über den als trutschig geltenden Preis gesprochen hat. Gleich in mehreren Facebook-Gruppen wurde gegen die Vergabe gewettert, den stärksten Zuspruch erhielt dabei die Seite "Kein Bambi für Bushido".

Bundesverdienstkreuz für TV-Fuzzis

Weshalb die Trophäe für den Testosteron-Rapper Bushido überdenkenswert ist, hat der Mediendienst DWDL schon am Mittwochabend in einem Artikel kompakt auf den Punkt gebracht: Jemand, der mal "Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund. Ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst" gesungen hat, lässt sich nun mal schwer als integrative Kraft verkaufen. Zumindest das Vermittlungspotential zum anderen Geschlecht scheint bei so einem doch arg beschränkt.

Burda indes behauptete, der Deutsch-Tunesier leiste einen "wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln". Nun kann man lange darüber diskutieren, ob Bushido über die Jahre nicht ein besserer Mensch geworden ist. Vom Gangster zum Friedensstifter - natürlich hat der geschäftstüchtige Musikunternehmer diese von US-Rappern abgeguckte Läuterungsfolklore perfekt durchgespielt, Höhepunkt dieser Entwicklung war zweifelsohne die publicity-trächtige Aussöhnung mit seinem Intimfeind Sido.

Müßig ist es, darüber zu spekulieren, ob die von Burda als wichtiger Gesellschaftsbeitrag empfundene Hinwendung zum Guten einen authentischen Ursprung hat oder ob sie pure Show ist. Es stellt sich allerdings die Frage: Warum zeichnet man Bushido nicht einfach als Musiker aus, warum muss er gleich auch noch gesellschaftlichen Mehrwert produzieren?

Genau hier aber zeigt sich das eigentliche Problem bei der alljährlichen Bambi-Verleihung. Um ihrem in der Branche nicht übermäßig relevanten Preis Wichtigkeit zu verleihen, verbrämt man den Bambi als eine über den eigentlichen unterhaltenden Wert hinausgehenden Auszeichnung, als eine Art Bundesverdienstkreuz für TV-Fuzzis. Immer geht es bei den Geehrten darum, irgendwas gerettet zu haben: die Unterhaltungsbranche, Deutschland, am Besten gleich die ganze Welt. Und zu diesem Zweck hat man sich bei Burda über die Jahre immer neue, immer willkürlichere Kategorien ausgedacht.

Die bizarrste ist sicherlich der Ehren-Bambi, den der bald 108-jährige Schauspieler Johannes Heesters seit geraumer Zeit dafür bekommt, dass er so ein tierisch alter Greis ist. Lobgesänge à la Burda klingen schon mal wie Beleidigungen.

Das liegt auch daran, dass die hauseigene Jury offensichtlich nicht so recht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Sie verwechseln die ausgezeichneten Figuren oft mit dem, was diese spielen. Besonders deutlich wurde das 2007, als man Tom Cruise nach seiner Verkörperung des Hitler-Attentäters Stauffenberg einen Bambi in der Kategorie "Courage" verlieh - als wäre der Schauspieler selbst aktiv im antifaschistischen Widerstand gewesen. Das Irre dabei: Der Hollywood-Star spielte diese Travestie einer Preisgala mit und beendete seine endlose Dankesrede mit den Worten, die Stauffenberg vor seiner Hinrichtung gesprochen haben soll: "Es lebe das heilige Deutschland!"

Bad Boy Bushido ganz versöhnlich

Die Frage für die aktuelle Bambi-Veranstaltung am Donnerstag war also: Wie würde Verbal-Randalierer Bushido sein Rehchen entgegennehmen? Würde er ein großes Läuterungstheater zur Aufführung bringen? Er sei jetzt 33 Jahre alt, sagte er in seiner Dankesrede und werde heute ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was er vielleicht vor zehn Jahren gesagt hätte. Er habe gelernt, "dass das, was ich gemacht habe, falsch war". Bushido spielte die neue Rolle perfekt, so gab sich der Gewaltporno-Rapper gesprächsbereit: Seine Tür stehe jedem offen - auch dem Sänger von Rosenstolz, Peter Plate, der zuvor die Bambi-Vergabe an Bushido scharf kritisiert hatte. Wie generös vom deutschen Rap-Star.

So brachte Bushido noch einmal gekonnt seine Wendung vom jungen wilden Aggro-Rapper zum altersweisen Versöhner zur Aufführung. Der Gangster gibt sich geläutert, der vom Kämpfen müde Pate macht seinen Feinden ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Auch eine Selbstinszenierung an diesem an Selbstinszenierungen nicht armen Bambi-Abend, dieser Glamour-Veranstaltung mit forciertem gesellschaftlichen Mehrwert.

Ach übrigens: Um Umweltschutz ging es bei der in der ARD ausgestrahlten Show natürlich auch. Der Öko-Bambi namens "Unsere Erde" wurde ebenfalls wieder vergeben. Diesmal an den Trainer des Fernseh-Delfins "Flipper".

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1. Video von Bushido
Reqonquista 10.11.2011
Zitat von sysopEin Rehchen für den Verbal-Randalierer: Bushido erhält einen Bambi - in der Kategorie Integration! Im Internet wird dagegen heftig protestiert. Dabei vergibt das Medienhaus Burda seinen Preis schon lange nach wundersamen Kriterien. Realität und Fiktion geraten zuweilen durcheinander. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,796979,00.html
Wenn das: http://www.youtube.com/watch?v=0DNqcHUIk_w&feature=player_embedded#! mittlerweile ein Beispiel für gelungene Integration ist, dann hat sich das Koordinatensystem verändert. Vielleicht hab ich das ja bis jetzt immer falsch verstanden. Jetzt verstehe ich.
2. Da wird der Herr...
vorschau 10.11.2011
...Gümbel aber richtig loslegen. Hingehen - aber nicht klatschen. Das wird allen Zuschauern weh tun - aber so sind sie, die Sozialdemokraten - wenn Not am Mann ist, können sie unheimlich konsequent sein. Und der Bushido? Weshalb nur den Bambi??? Bundesverdienstkreuz, Karlspreis (hat schließlich der Chef von Bomber-Harris auch gekriegt)und der Adolf-Grimme-Preis sollten wohl noch drin sein.
3. Pfui Burda!
sIggy Pop 10.11.2011
Zitat von sysopEin Rehchen für den Verbal-Randalierer: Bushido erhält einen Bambi - in der Kategorie Integration! Im Internet wird dagegen heftig protestiert. Dabei vergibt das Medienhaus Burda seinen Preis schon lange nach wundersamen Kriterien. Realität und Fiktion geraten zuweilen durcheinander. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,796979,00.html
Die Credibility dieses Rap-Plagiators sinkt damit wohl endgültig ins Bodenlose!
4. Warum die Aufregung?
neonpunk 10.11.2011
Ich verstehe die Aufregung gar nicht. Wenn man Bushido ganz genau betrachtet, hat er sich seit vielen Jahren in der Rapperszene komplett verändert. Die Frauenverachtende Texte wurden zuletzt vor 6-7 Jahren geschrieben. Seitdem sind 5-6 Alben erschienen, die genau das Gegenteil beweisen. Die Frage warum er den Preis für Integration bekommen hat, lässt sich sicherlich streiten. Allerdings hat das alles nichts mit Frauenverachtung oder jegliches zu tun.
5. Tja.
timepiece123 10.11.2011
Zitat von ReqonquistaWenn das: http://www.youtube.com/watch?v=0DNqcHUIk_w&feature=player_embedded#! mittlerweile ein Beispiel für gelungene Integration ist, dann hat sich das Koordinatensystem verändert. Vielleicht hab ich das ja bis jetzt immer falsch verstanden. Jetzt verstehe ich.
Oh Gott, welch ein Typ. Bei der H...fresse muss man sich nicht wundern, dass Maghrebiner diskriminiert werden.
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