Der zweitbeste Witz von genau zwei gelungenen Witzen dieser Sendung war Oliver Pocher vorbehalten. Der stand einfach nur stumm auf der "Straße" vor dem Studio, wo er abwechselnd von Joko und Klaas besucht und beschimpft wurde: "Hast du da was falsch verstanden, Alter? Du willst in die Show? Du kommst nicht in die Show!" Womit er natürlich doch in der Show war, was der Show seltsamerweise sehr gut tat, so ein bedröppelter Pocher, tat sich doch sonst nicht allzu viel.
Im Studio, das aus unerfindlichen Gründen einem Saloon nachempfunden ist, machten Joko und Klaas ansonsten kaum einen Finger krumm. Zu Unterhaltunsgzwecken war Helge Schneider eingeladen (Einblendung: "Heißt in Wahrheit Marvin Donnerbalken"). Der tat so, als rutsche er beim Versuch, sich auf dem zentralen Sessel niederzulassen, auf den Boden. Gelächter.
Danach beantwortete er, ohne seine Pilotensonnenbrille abzunehmen, Fragen. Zielgruppengerechte Fragen wie: "Herr Schneider, wie geht's, wie steht's, wie hängt der Sack?" Aber auch: "Werden Sie oft zu Promi-Partys eingeladen, und ist das geil?" Schneider: "Ich geh' da nicht hin, die können mich am Arsch lecken!" Gelächter. Schneider ist Schneider, macht Faxen und sondert seine üblichen Schneiderismen ab, über die Joko und Klaas sich ein wenig bemüht beömmeln, weil das doch so irrsinnig anarchisch ist, was dieser Helge Schneider immer so sagt und wie er den Mund verzieht.
Für acht Stunden als "Schwachkopf" verkleidet
Müde auch der in Hollywood geklaute Einspieler namens "Die Ja-Sager". Darin wagte das Duo das Experiment, auf dem Kölner Karneval als Harry Potter und "Schwachkopf" verkleidet für acht Stunden jede Frage mit Ja beantworten zu müssen. Wobei "Experiment" übertrieben ist, da sich beide die Fragen gegenseitig stellten und so mit vorbereiteten Streichen schön reinreiten konnten.
Darüber hinaus hielt sich ihr persönlicher Einsatz in überraschend engen Grenzen. Sie machten eigentlich gar nichts. Wenn sie mal selbst aktiv wurden, etwa wie Klaas mit seiner Anspielung auf die Werbekampagne für "Circus Halligalli", krepierte der Gag im Rohr: "Das letzte Mal, dass Leute in so Zwanziger-, Dreißiger-Jahre-Klamotten Propaganda gemacht haben, brannte danach ganz Berlin." In diesem Augenblick hätte man sich wenigstens Lacher vom Band gewünscht, um den einsam wiehernden Joko ein wenig zu entlasten.
Mehr Einsatz zeigte dagegen Olli Schulz, der in einem anderen Einspieler als Außenreporter "Charles Schulzkowski" da hinging, "wo's wehtut", nämlich auf eine Filmparty in Berlin. Mit Idiotenbrille, Cord-Jackett und einer Flasche Single Malt war Schulz allen Angepöbelten lästig. An Leuten wie Uwe Ochsenknecht und Til Schweiger perlten seine Zudringlichkeiten ab wie das Wasser vom Federkleid einer Ente. Wer den lustigen Olli kannte, etwa Jörg Thadeusz oder Matthias Schweighöfer, ließ sich von ihm umarmen und Whisky einschenken. Zuletzt war der Enddreißiger, der in einem früheren Leben mal nette Musik gemacht haben muss, so blau wie ein komasaufender Teenager und von der Security vor die Tür gesetzt worden. Der Auftritt war gewagter, als er witzig war, aber immerhin war er gewagt. Bleibt die Erkenntnis, dass es in Zärtlichkeiten enden könnte, sich mit Olli Schulz zu betrinken.
"Ich hab da ein Suuupergefühl!"
Was passierte sonst so? Der Rapper Sido sang sein neues Lied. Hin und wieder sprang dieser andere Rapper, der mit der niedlichen Panda-Maske, aus einem Schrank, hampelte authentisch umher und verschwand wieder im Schrank, bevor der Song vorbei war. Irgendwann begann oben links ein rätselhaft gemeinter Countdown zu laufen. 30 Minuten. 25 Minuten. 13 Minuten. Fünf Sekunden vor Schluss verriet plötzlich eine Einblendung: "Vom folgenden Ereignis wissen Joko und Klaas nichts." Es ertönte ein Gong, und tatsächlich fährt danach ein kleinwüchsiger Mensch den bei YouTube beliebten "Thüringer Klöße"-Sänger Fritz in einem kleinen Auto eine Runde quer durchs Studio. Joko und Klaas, die von dem "Ereignis" nichts wussten, waren total überrascht und haben viel gelacht, weil das auch irrsinnig anarchisch war.
Der beste Witz allerdings kam ganz am Ende, in buchstäblich letzter Sekunde. Die Show ist vorbei, Joko und Klaas verlassen gerade die Bühne und beraten murmelnd, wie ihnen das Debüt von "Circus Halligalli" wohl gelungen ist. Da erscheint wie aus dem Nichts plötzlich Wolfgang Lippert, ausgerechnet Wolfgang Lippert: "Hey Jungs!", ruft er und hebt beide Daumen: "Ich hab' da ein Suuupergefühl!"
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir, das Überraschungsereignis der Sendung habe darin bestanden, dass zwei kleinwüchsige Menschen durchs Studio fuhren. Richtig ist, dass sich der nicht kleinwüchsige 14-jährige Sänger Fritz in ein kleines Auto gezwängt hatte, das ein kleinwüchsiger Mensch zog. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik TV | RSS |
| alles zum Thema Joko und Klaas | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH