Claire Foy zum Gender Pay Gap "Frauen, die Forderungen stellen, galten als zickig"

In der TV-Serie "The Crown" spielte sie die Queen - aber ihr Film-Ehemann bekam mehr Gage. Sie begrüßt die Diskussion darüber. Aber eigentlich will sie über etwas anderes sprechen.

Claire Foy bei der Premiere von "Unsane" im Februar in Berlin
Getty Images

Claire Foy bei der Premiere von "Unsane" im Februar in Berlin

Ein Interview von


Zur Person
  • Getty Images
    Claire Foy, 33, wuchs in Nordengland auf. Ihre erste TV-Rolle hatte sie 2008 in der Dickens-Verfilmung "Little Dorrit". In der BBC-Miniserie "Wolf Hall" spielte sie 2015 Anne Boleyn, die zweite der sechs Ehefrauen Heinrichs VII. Für "The Crown" bestieg sie dann selbst den Thron: Ihre Darstellung der jungen Elizabeth II. in der Netflix-Serie brachte ihr 2017 den Golden Globe Award ein. Aktuell ist sie in Steven Soderberghs Thriller "Unsane" im Kino zu sehen.

SPIEGEL ONLINE: Miss Foy, von der Rolle in der Netflix-Serie "The Crown", mit der Ihnen der Durchbruch gelang, haben Sie sich eigentlich schon verabschiedet. Die Rolle der Queen wird - wie geplant - für die nächsten beiden Staffeln umbesetzt. Doch nun sorgten Sie damit doch noch einmal für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass Sie deutlich weniger Gehalt erhielten als Ihr Seriengatte, der Schauspieler Matt Smith. Waren Sie davon überrascht?

Foy: Mich traf die Diskussion darüber unerwartet. Wobei mich nicht überrascht, dass sie so hohe Wellen schlägt. Das Thema der ungerechten Bezahlung ist eines, das mir sehr am Herzen liegt. Und ich bin dafür, dass darüber öffentlich gesprochen wird. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt unbedingt dazu äußern sollte.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Foy: Weil ich das Gefühl habe, dass ich damit Steven Soderberghs und meiner Arbeit an unserem Film "Unsane" keinen Gefallen tun würde. Das Thema würde den Kinostart dieses kleinen, aber sehr speziellen Films vollkommen überschatten. Aber glauben Sie mir: Wenn ich in ein paar Wochen das Gefühl habe, es gibt zu diesem Thema noch etwas zu sagen, dann melde ich mich zu Wort. Wobei es in der Sache ohnehin weniger um mich und mein Gehalt, sondern um die allgemeine Situation von Frauen in dieser Branche gehen sollte.

Foy als Königin Elizabeth mit Kollege Matt Smith in "The Crown"
DPA/ Netflix

Foy als Königin Elizabeth mit Kollege Matt Smith in "The Crown"

SPIEGEL ONLINE: Wie erleben Sie im Allgemeinen die Debatten in Sachen Gleichberechtigung, die Hollywood dieser Tage umzuwälzen scheinen?

Foy: Endlich wird die Diskussion darüber, dass wir sowohl vor als auch hinter der Kamera mehr Frauen brauchen, lautstark und nachhaltig geführt! Was aktuell geschieht, ist ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, dass die Forderung nach Gleichberechtigung jahrzehntelang schlicht ignoriert wurde. Aber natürlich dürfen wir uns nichts vormachen: Echte Veränderungen werden sich nicht über Nacht herstellen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst haben im Laufe Ihrer Karriere mit kaum einer Handvoll weiblicher Regisseure zusammengearbeitet. Hat man auch als Schauspielerin eine Verantwortung zur Veränderung?

Foy: Wir Schauspieler entscheiden in den seltensten Fällen darüber, wer hinter der Kamera steht. Und niemandem wäre damit gedient, wenn ich zwei Jahre nicht arbeite, weil mir kein Film einer Regisseurin angeboten wird. Aber selbstverständlich müssen auch wir uns der Problematik bewusst sein. Ignoranz und Unbedarftheit sind im Zweifelsfall schlimmer als die Frage, mit wem man arbeitet.

SPIEGEL ONLINE: In welcher Hinsicht?

Foy: Eine Karriere wird gleichermaßen durch die Rollen geprägt, die man annimmt, wie durch die, die man ablehnt. Das habe ich gelernt, sobald ich anfing, mit der Schauspielerei Geld zu verdienen. Und im gleichen Atemzug wurde mir klar, dass nicht allein entscheidend ist, wie gut man seinen Job macht. Noch viel wichtiger ist es, sich selbst zu kennen und seiner sicher zu sein. Solange man einen guten Grund dafür hat, ein Projekt zuzusagen, ist man auf der sicheren Seite. Das kann ein Regisseur oder Kollege sein, mit dem man immer schon mal arbeiten wollte. Eine tolle Geschichte. Oder einfach nur die Tatsache, dass man gerade Geld braucht. Alles ist legitim, wenn man sich selbst gegenüber ehrlich ist.

SPIEGEL ONLINE: Was gab denn bei "Unsane" den Ausschlag für Ihre Zusage?

Foy: Vor allem die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Steven Soderbergh! Er hat als Filmemacher praktisch kein Ego, was ich enorm erfrischend finde.

Foy als Sawyer Valentini in "Unsane - Ausgeliefert"
DPA

Foy als Sawyer Valentini in "Unsane - Ausgeliefert"

SPIEGEL ONLINE: "Unsane" wurde komplett auf iPhones gedreht. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Foy: Alles ging schneller, die Wartezeiten waren kürzer, weil nicht die ganze Zeit so viel aufgebaut und eingerichtet werden musste. Das fand ich total angenehm, weil dadurch einiges wegfiel, was bei herkömmlichen Produktionen zu ein bisschen mehr Distanz zwischen mir als Schauspielerin und meinem Spiel führen kann. Davon abgesehen aber ist eine Kamera eine Kamera, ganz egal wie groß oder klein sie ist.

SPIEGEL ONLINE: Dass in diesem Fall die Kamera nur ein Telefon ist und kein riesiger Apparat, bedeutet aber auch, dass Ihnen Soderbergh ganz schön nah auf die Pelle rückte, oder?

Foy: Klar, Steven war ja am iPhone sein eigener Kameramann. Dass der Regisseur direkt mit in der Szene ist, kommt sonst ja eigentlich nicht vor, aber ich fand das wundervoll.

SPIEGEL ONLINE: Das hat Sie nicht abgelenkt?

Foy: Ehrlich gesagt finde ich eine 40-Mitglieder-Crew die viel größere Ablenkung. Aber ich habe zum Glück sowieso kein großes Problem damit, mich zu konzentrieren. Wenn die Kamera läuft, ist es natürlich wichtig, dass niemand im Blickfeld ist. Und wenn sie nicht läuft, dann ziehe ich mich ohnehin meistens zurück, um nicht zu sehr mit Dingen beschäftigt zu sein, die nichts mit meiner Rolle zu tun haben. Wichtig ist es, klipp und klar zu sagen, was man braucht, um gut arbeiten zu können. Da darf man keine Angst davor haben, als schwierig oder anmaßend abgestempelt zu werden. Womit sich wohl auch wieder der Kreis schließt zum Anfang unseres Gesprächs. Denn wer als Frau gewisse Bedingungen und Forderungen stellt, galt in der Vergangenheit meistens schnell als zickig oder kompliziert. Das ist tatsächlich etwas, das die meisten von uns erst einmal lernen müssen.


"Unsane"; von Steven Soderbergh; mit Claire Foy, Joshua Leonard, Amy Irving; ab 29. März 2018 im Kino

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
antimailheld 27.03.2018
1. in dem Fall wahrscheinlich berechtigt
Also ich habe nur kurz mal Matt Smith und Claire Foy auf imdb aufgerufen. In dieser branche ist Bekanntheit ein wichtiges Gut. Daher dürfte es auch gerechtfertigt sein, wenn jemand, der die Hauptrolle in einer erfolgreichen Serie gespielt hat und auch Rollen in mehr oder weniger großen Hollywood-Blockbustern ein höheres Angebot erhält als jemand, der eine BBC-miniserie und weniger bekannte Filme vorweisen kann. Für einen Gender Pay Gap also ein eher schlechtes Beispiel, oder?
supergrobi123 27.03.2018
2. Unsinn!
Claire Foy war vor "The Crown" ein unbeschriebenes Blatt, wie der hilflose Versuch, ihr eine große Schauspielvergangenheit anzudichten (sie spielte in einer unbekannten Minisereie die zweite von 6 Frauen.. blablabla? Huuuiiii!) eindrücklich belegt. Ihr Schauspielkollege war hingegen einer breiten Fanbase weltweit als Dr. Who bekannt. Jeder kann nachvollziehen, dass Produzenten mit ihrem Budget haushalten und abwägen, dass es vielleicht gut ist, nur eine Nebenrolle medienwirksam mit einem bekannten, etablierten und eher teuren Gesicht zu besetzen, während man die Hauptrolle mit einem günstigen Nobody abdeckt. Daraus eine Sexismusdebatte zu schnitzen, ist abenteuerlich. Würde ich als Mann das Glück haben, quasi aus dem Nichts die (gut bezahlte) Hauptrolle in einer neuen Serie angeboten zu bekommen, würde ich niemals auf die Idee kommen, es als ungerecht zu bezeichnen, wenn Jennifer Aniston in der Nebenrolle mehr verdienen würde! Ebensowenig würde ich mir die Peinlichkeit antun, vor aller Welt zuzugeben, dass ich meine Gagen deswegen schlecht verhandle, weil ich Angst hätte, dass andere mich als schwierig und zickig sehen könnten, und trotzdem noch von "Ungerechtigkeiten" zu schwadronieren. Aber an diesem Artikel lässt sich natürlich vortrefflich der Genderfuror ablesen und die Art und Weise, wie er sich von der Realität entfernt. Im Ursprungsartikel war zu lesen, dass Foy weniger Gehalt erhielt als Smith, über die konkreten Summen wurde aber nichts bekannt. Einen Artikel später heißt es nun schon "deutlich(sic!) weniger Gehalt"! Ein Schelm, der hier Methode vermutet.
swerd 27.03.2018
3. Mehr Frauen
in Schluesselpositionen, mit aller Macht. Qualifikation ist zweitrangig. Ich finde, starke Frauen werden ebenso wie starke Maenner anerkannt und zwar nicht wegen ihrer Muskelpakete, sondern weil sie was " im Kopf " haben.
testuser2 27.03.2018
4. Wir Männer wollen nicht immer nur "Frauen-Kulturbeiträge"
Wir Männer (zumindest solche wie ich) wollen nicht immer nur "Frauen-Kulturbeiträge". Schreibt doch mal z.B. über die Serie "Seven seconds" - läuft auf Netflix und hat auch viel Kultur-politisches Potential - Polizeigewalt in den USA, schwarze Gangs sind nicht immer die Guten und Schwarze können auch christlich-fundamental und mit Vorurteilen behaftet sein. Oder hat die noch kein Kulturredakteur gesehen, weil es nur Kulturredakteurinnen sind, die sowas nicht interessiert ? Sowas interessiert aber uns Männer deutlich mehr als immer die gleichen "Frauen-Kulturbeiträge. Gefühlt ist jeder 2. Kulturartikel über ehemals benachteiligte und jetzt ganz doll starke Frauen ("Frauen, die Forderungen stellen, galten als zickig", Eine Frau ist kein Hulk, Warum die nackten Nymphen weg mussten usw). Also bitte mal auch etwas für Männer, deren Kulturverständnis nun mal anders ist als politisch korrekte Frauenkultur. Oder seid ihr so einseitig gestrickt ?
t12247 28.03.2018
5. Anne Boleyn
Es mag in diesem Kontext pingelig wirken, aber sie war die Ehefrau von Heinrich VIII. Sie ist noch ein kleines Kind gewesen, als Heinrich VII. gestorben war.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.