Neuer "Daily Show"-Moderator Noah "Ich wurde als Verbrechen geboren"

Der Südafrikaner Trevor Noah übernimmt ein großes Erbe: In dieser Woche moderiert er als Nachfolger des US-Satirikers Jon Stewart die "Daily Show". Besuch bei einem fast zu smarten Fremdling.

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Von , New York


Trevor Noah ist wahrscheinlich der einzige Late-Night-Star Amerikas, der fließend Deutsch spricht. "Ein Brötchen bitte", sagt er beim Treffen im Herzen New Yorks demonstrativ und entschuldigt sich im gleichen Atemzug für seinen Akzent: "Nach ein paar Tagen in Deutschland fällt mir das jedes Mal leichter."

Insgesamt beherrscht der Südafrikaner sogar acht Sprachen, darunter Zulu. Zwar dürfte er sich auf Englisch beschränken, wenn er an diesem Montag mit der Premiere einer renovierten "Daily Show" das Erbe des großen US-Satirikers Jon Stewart antritt. Doch seine Flexibilität - sprachlich, politisch, intellektuell - soll der Sendung ganz neuen Drall geben.

Ein riskanter Job: In 16 Jahren hat Stewart die "Daily Show" zur Institution gemacht, zu einer Art moralischer Instanz sogar - und zum Goldesel für den Kabelsender Comedy Central und Mutterkonzern Viacom, der Noahs Debüt nun auf allen Kanälen ausstrahlt, samt MTV und VH1. Jede Änderung des Erfolgsrezepts könnte sich übel rächen. Gerade da der Neue ein Fremdling ist, der erst seit 2011 in den USA lebt und zugibt, dass er die hiesige Politik noch lernen müsse - mitten im längst zur Groteske verkommenen Präsidentschafts-Vorwahlkampf.

Klar spüre er den Druck, sagt der 31-Jährige, der in seinem schmalen, smarten Anzug nur noch jünger aussieht. "Wenn ich keine Angst hätte, wäre was nicht in Ordnung." Doch sein - weitgehend unverändertes - Team müsse sich noch mehr fürchten: "Die unbekannte Größe bin ich."

Noah sitzt in seinem neuen Studio auf Manhattans West Side. Es ist eine verjüngte, technologisch aufgemotzte, doch verwandte Version des Sets, in dem Stewart sich viermal die Woche ausließ über Politiker, Medien und anderen "Bullshit", wie er es zu seinem Abschied nannte.

Witze über Juden und Dicke

Ein Plexiglastisch, darunter ein Becher mit angespitzten Bleistiften und eine Kleenex-Schachtel. Digitale Leinwände überall. Zur Linken eine Bühne für Bands und Musiker, eine der Innovationen. "Neu und frisch", sagt Noah, "aber auch etwas, was an die alte 'Daily Show' erinnert."

Diese Balance müssen sie finden. Stewart war ein Meister, aber zuletzt auch berechenbar. Noah garantiere "die nächste Evolution der Franchise", sagt Comedy-Central-Chefin Michele Ganeless. "Er ist ein außerordentliches Talent, ein großartiger Geschichtenerzähler." Und mit 31 "ein Mitglied der Millenniumgeneration - unserer Zielgruppe".

Das Problem: Viele Amerikaner haben keine Ahnung, wer Noah ist. Aufgewachsen in Soweto, war er in seinem Heimatland ein Comedy-Star, doch in den USA allenfalls Insidern bekannt. Ende 2014 warb Stewart ihn für die "Daily Show" an, nur dreimal trat er dort auf.

Kein Wunder, dass Noah schon unbesehen Kritik erntet. Alte Stand-up-Videos zeigten grobe Witze - etwa über fette Frauen. Die seien "vernichtend dämlich", schreibt Jessica Winter in "Slate" - ohne zu erwähnen, dass Noah selbst mal dick war. Auch politisch unkorrekte Tweets über Juden und Israelis sorgten in den Staaten für einen Shitstorm. Er verstehe, dass er gerade die Amerikaner verwirre, sagt Noah gelassen: "Die wollen einen immer schnell definieren." Doch weder seine Person noch seine Biografie eignen sich für ein flottes Urteil.

"Donald Trump ist ein toller Entertainer!"

Sein Vater war Schweizer, seine Mutter eine Schwarze. Unter der Apartheid war ihre Beziehung illegal. "Ich wurde als Verbrechen geboren", sagt Noah gerne. Als Familie durften sie nie gemeinsam über die Straße gehen, seine Mutter musste ihn sogar verleugnen.

Rassismus, Tabus, Stigmen und Vorurteile waren also immer schon Mittelpunkt seiner Comedy. Gutes Timing: "Ich dachte nie, dass ich vor der Polizei in Amerika mehr Angst haben würde als in Südafrika", sagt Noah. "Da vermisse ich die guten, alten Zeiten zu Hause fast."

Sein Ansatz ist dabei weniger amerikazentriert als der vieler Kollegen: "Ich sehe mich als Weltbürger." Die "Daily Show" solle eine internationale Sendung werden, die nicht nur US-Phänomene aufs Korn nehme, sondern "so vielen unterschiedlichen Stimmen wie möglich" eine Plattform biete - egal welcher Herkunft oder Politik.

Was auch zu Irritationen führen kann. So begeisterte sich Noah - zum Entsetzen seines Teams - bei der letzten TV-Debatte für Tea-Party-Senator Rand Paul. Er komme eben ohne parteipolitischen Ballast, verteidigt sich Noah - als Ausländer dürfe er ja nicht mal wählen.

Ob die Zuschauer ihn akzeptieren? Gerade in diesem aufgeheizten Klima hier, in dem Nuance als Schwäche gilt und der lauteste Brüller vorne liegt? "Donald Trump ist toll", sagt Noah. "Ein toller Entertainer!"

Und darauf läuft am Ende ja sowieso alles hinaus: Entertainment.

insgesamt 18 Beiträge
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MrKnowItAll 28.09.2015
1. Stewart ist nicht ersetzbar
Daher kann es nur eine neue Daily Show geben, weil der Versuch Stewart zu kopieren scheitern muss. Die Frage ist nur, ob diese neue Daily Show so gut ankommt, dass man neue Zuschauer gewinnt und die alten nicht verprellt. Ich bin gespannt.
T.Becker 28.09.2015
2. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte...
dem empfehle ich Jerry Seinfelds neue Show bei der Trevor Noah zu Gast war. http://comediansincarsgettingcoffee.com/
bigmitt 28.09.2015
3. Noah....
...wird nicht den Fehler machen Stewart zu kopieren....den Fehler machte schon Welke obwohl der sich einfach an etwas orientieren musste im dt. TV.
caone 28.09.2015
4. international?
Die Daily Show mit Jon Stewart war genial. Leider war sie ab 2014 nicht mehr über Internet abrufbar. Ich kam mir vor wie auf Drogenentzug. Wenn die neue Show also internationaler werden soll, dann müsste man sie erst mal wieder für andere Länder freischalten.
Hope4Bloom 28.09.2015
5. Hey,
bitte machen Sie Herrn Noah nicht ungewollt zu Ihrem Licht in der Dunkelheit. Überlassen Sie es Ihm, Seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Ein bisschen weniger Bax täte ALLEN Diskussionen gut. LG
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