"Dalli Dalli"-Comeback im NDR: Lachkrampf am Trapez

Von Peer Schader

Ein Show-Klassiker ist zurück: Erstmals seit 24 Jahren ging "Dalli Dalli" wieder auf Sendung. Verstaubt wirkte das Format nicht - weil die Kandidaten Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach zu einem Dreamteam avancierten, das selbst Moderator Kai Pflaume heftigste Lach-Attacken bescherte.

"Dalli Dalli": Comeback einer Unterhaltungs-Legende Fotos
NDR

Wenn Sie am Samstagabend zufällig NDR eingeschaltet haben: Der Mann ohne Kopf, den Sie da gesehen haben, wie er gerade aus dem Bild hüpft, das war Kai Pflaume. Im Sportunterricht muss der 44-Jährige früher eine Wucht gewesen sein. Aber es hätte ihm natürlich mal jemand sagen können, dass er beim Springen im Fernsehstudio ein bisschen Acht geben muss, nicht die Scheinwerfer von der Decke runterzuholen.

Glücklicherweise sind sie alle hängen geblieben. Alle, außer Pflaume: Der hat seine Premiere als Quizmoderator im Dritten souverän hinter sich gebracht.

Gut, vorher wurde ein kleines Staatsgeheimnis draus gemacht: "Wird er heute in die Luft springen?", rätselte der Off-Sprecher zu Beginn der Sendung. Und beim NDR waren die Beteiligten schon seit Tagen ganz kirre, weil sie nicht verraten wollten, ob Pflaume den legendären Sprung von Hans Rosenthal, von dem er die Sendung geerbt hat, nachmacht.

Aber natürlich macht er's! Immer wenn das Publikum fand: "Das war spitze!" Und wie früher wird für den Freudensprung des Moderators kurz das Bild angehalten, als solle ein Erinnerungsfoto für die Zuschauer zu Hause geknipst werden.

"Dalli Dalli" ist wieder da: 24 Jahre nach der letzten Sendung hat sich der NDR der Show angenommen, seinen neuen Universalmoderator Kai Pflaume dafür eingespannt ("eine Verpflichtung, aber auch ein großer Spaß") und sich redlich bemüht, alles ein bisschen an früher erinnern zu lassen: die aus Waben bestehende Deko, die Spiele, das ganze Ambiente. Es gibt auch wieder eine Jury, bestehend aus "Tagesschau"-Mann Jan Hofer und einer NDR-Frau in einem rosa Kleid mit Pünktchen. Und am Ende wird der - etwas klägliche - Spielgewinn einem guten Zweck gespendet.

Comeback eines Unterhaltungs-Oldtimers

Dabei ist es natürlich Unsinn, dass die Neuauflage nun vor allem Zuschauer zufrieden stellen muss, die schon das Original gesehen haben. Die Show muss, bei aller Nostalgie, vor allem eines: das Publikum auch noch im Jahr 2011 unterhalten können. Aus diesem Grund hat der NDR sie ja zurückgeholt.

Und das war gar keine so üble Idee - was nicht nur die Zuschauerzahl von 1,59 Millionen und ein Marktanteil von 11,8 Prozent beweisen. Denn in der Unendlichkeit der Spielshows mit Promi-Beteiligung, die das deutsche Fernsehen in den vergangenen Jahren ertragen musste, unterscheidet sich "Dalli Dalli" von der Konkurrenz ganz wesentlich. Nämlich dadurch, dass es seinen Kandidaten nicht nur Wissen und Geschicklichkeit bei harmlosen Spielen abverlangt. Sondern vor allem: Kreativität. Die gehört im deutschen Show-Betrieb sonst zu einer aussterbenden Spezies.

Beim Rettungsversuch des NDR spielen - wie früher - Zweierteams um die meisten Punkte und müssen in der vorgegebenen Zeit abwechselnd möglichst viele Antworten auf Fragen geben wie: Was darf man sich beim ersten Rendezvous auf keinen Fall erlauben? Was sollte man im Vorstellungsgespräch niemals sagen? Oder: Was erwartet dich im Himmel oder in der Hölle?

Mit Kandidaten, die spontan genug sind, sich ein paar lustige Antworten zu überlegen, kann das äußerst unterhaltsam werden. Insofern sollte der NDR einem seiner Premieren-Teams, Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht, vielleicht noch mal ein Fläschchen Champagner als Dankeschön zuschicken. Denn die beiden haben dafür gesorgt, dass das erste "Dalli Dalli" tatsächlich äußerst vergnüglich wurde.

Lauterbach und das Tischtennisball-Problem

Schon beim abwechselnden Aufsagen von Laubbäumen schnauzte Lauterbach seinen Teamkollegen an, weil der permanent "Fichte" sagte, nachher lachte Ochsenknecht seinen Mitspieler aus, weil der nicht in der Lage war, über Föns schwebende Tischtennisbälle mit dem Mund aufzunehmen und an ihn weiterzugeben - und das war so ansteckend, dass Pflaume gar nicht anders konnte als mitzulachen, so intensiv, dass sich hinter den Kulissen schon der Ersatzmoderator warmgelaufen haben muss, um notfalls einzuspringen.

In der Finalrunde sollte sich Lauterbach an ein Trapez hängen, damit Ochsenknecht in dieser Zeit möglichst viele Fragen beantworten konnte - wobei der jedoch völlig versagte. Als nach 50 Sekunden immer noch keine einzige richtige Antwort gefallen war und Ochsenknecht für die Garmethode, bei der Essen in Fett gebacken wird (Frittieren, natürlich!) den schönen Begriff "Fettschmelze" erfand, konnte sich wiederum Lauterbach vor Lachen nicht am Trapez halten.

Die Sendung hätte auch ganz gut nur mit einem Team funktioniert - die Kontrahenten Jenny Jürgens und Peter Hahne hätten einfach zu Hause bleiben können, anstatt abwechselnd völlig spaßbefreit, aber mit großer Theatralik die Aufgaben zu erledigen und sich bei verlorenen Spielen wie Vierjährige zu verhalten.

Immerhin ist jetzt klar, warum der NDR "Dalli Dalli" erst ab 22 Uhr zeigt: Das Bild, wie Peter Hahne einen schwebenden Tischtennisball anlutscht, um ihn mit dem Mund zu greifen, ist eines, das man Jugendlichen unter 16 Jahren eher nicht zumuten sollte.

Der Rest kann ruhig so bleiben, obwohl es ohne Lauterbach und Ochsenknecht womöglich arg betulich zugegangen wäre. Hoffentlich hat der NDR in den nächsten Ausgaben ein ebenso glückliches Händchen bei der Promi-Auswahl. Wie sagt man's am besten? Ach ja: Das wär' spitze.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Positiv
Intelligenz_93 24.07.2011
Zum ersten Mal lese ich bei Spiegel Online die Rezension einer Fernsehshow - und sie fällt äußerst positiv aus. Was ist da los? - Sin die sonstigen Autoren, die Wetten Dass.. immer derartig schlechte Kritiken verpassen, in Urlaub?
2. Wiederholung?
Nicola54 24.07.2011
Da wäre es ja ein echter Service, wenn diese Folge wiederholt werden würde...
3. so nicht!
sicury 24.07.2011
Zitat von Intelligenz_93Zum ersten Mal lese ich bei Spiegel Online die Rezension einer Fernsehshow - und sie fällt äußerst positiv aus. Was ist da los? - Sin die sonstigen Autoren, die Wetten Dass.. immer derartig schlechte Kritiken verpassen, in Urlaub?
... muss eine urlaubsvertretung gewesen sein, denn was ich bei "dalli, dalli" gestern gesehen habe, deckt sich nicht mit dem beschriebenen. es war eine peinliche, langweilige und verkrampfte wiederbelebung mit einem pflaume, der die ausstrahlung eines "wachet auf!"-rumstehers hat.
4. ...
haschdienews 24.07.2011
Es ist natürlich völlig klar, dass ein Kai Pflaume niemals an den genialen Hans Rosenthal heranreichen kann. Trotzdem fand ich die Sendung gestern, vor allem wegen Ochsenknecht und Lauterbach ganz unterhaltsam. Ich werde nächsten Samstag wieder einschalten und hoffe, es sind erneut lustige Promis dabei.
5. Lachen ?
Klara Korn 24.07.2011
Zitat von sysoppasst ja auch prima zu den gestrigen Ereignissen in Norwegen, in Afghanistan und im Irak. Das deutsche Staatsfernsehen kann mal wieder stolz auf sich selbst sein.
Sollen wir bei jedem schrecklichen Ereignis in der Welt das nächste mal zum Lachen in den Keller gehen ?
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