Debatte über Rundfunkabgabe ZDF will genug gespart haben

"Handwerklich nicht möglich": ZDF-Intendant Thomas Bellut sieht keine weiteren Einsparmöglichkeiten für den Sender. Er setzt auf Kooperationen mit der ARD - doch das muss jetzt die Politik klären.

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In Deutschland wird zurzeit heftig über die Rundfunkabgabe debattiert. Hintergrund ist ein im Februar veröffentlichter Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Er sollte für die ARD und das ZDF als Grundlage dienen, um über Sparmaßnahmen nachzudenken.

Nun erklärte das ZDF, dass es den Bundesländern nicht wie verlangt innerhalb weniger Wochen eine Stellungnahme zu Einsparüberlegungen vorlegen kann. "Wir können bis April keine seriös berechneten Projekte nennen", sagte Intendant Thomas Bellut am Freitag in Mainz. Dies sei "handwerklich nicht möglich".

Bellut bringt allerdings den Vorschlag eines nationalen Sendezentrums für Großereignisse ins Spiel, am liebsten im Rhein-Main-Gebiet. Aus diesem Zentrum könnten ARD und ZDF etwa bei Olympia, Weltmeisterschaften oder zu politischen Gipfeltreffen berichten. Bislang würden dafür jeweils Stätten für die Zeit der Events geschaffen. "Die Idee ist, das zu verstetigen, damit es nicht so ein Wanderzirkus ist." Der Vorschlag solle mit der ARD diskutiert werden. Auch sonst sei das ZDF "zu jeder sinnvollen Zusammenarbeit" mit dem Ersten beim Thema Infrastruktur bereit.

ZDF-Intendant Thomas Bellut
ZDF/ Markus Hintzen

ZDF-Intendant Thomas Bellut

Das ZDF baut aus Kostengründen seit 2012 Personal ab - bis 2020 sollen es rund 560 Stellen sein. "Was danach kommt, kann ich im Augenblick tatsächlich noch nicht sagen", erklärte Bellut. Weitere Einsparungen sehe er aber nicht, "weil ansonsten die Qualitätsstandards des Hauses gefährdet sind". Mehr ginge nicht, ohne dass es sich auf das Programm auswirke.

Auch der ZDF-Fernsehrat, ein Kontrollgremium des Senders, erwartet nach den Worten der Vorsitzenden Marlehn Thieme "keine Vorschläge zur Beschränkung des Programmangebots" vom Intendanten. Schon die bisherigen Sparmaßnahmen seien ambitioniert, erklärte der Fernsehrat nach einer Sitzung. Da sich das ZDF derzeit auch digital aufstelle, seien "der Personalabbau der vergangenen Jahre und eine Überalterung der Belegschaft" eine Herausforderung. Nun sei nicht der Zeitpunkt für noch mehr Sparen.

Die Länderchefs entscheiden über die künftige Höhe des Rundfunkbeitrags. Bis 2020 ist dieser auf 17,50 Euro im Monat pro Haushalt festgelegt. Derzeit läuft die Finanzplanung für die neue Beitragsperiode ab 2021. Er rechne für die nächste Periode mit einer "maßvollen Bedarfsanmeldung", sagte Bellut. Bis Ende des Jahres müsse dafür intern Klarheit herrschen.

2019 wird dann aus den Anmeldungen der Sender von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ein Vorschlag zur Höhe des Rundfunkbeitrags berechnet. Das letzte Wort haben dann die Ministerpräsidenten und die Landtage.

cbu/dpa

insgesamt 72 Beiträge
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tinnytim 23.03.2018
1. ARD ist am Zug
Ich sehe das Gros an Einsparpotential auch eher bei der ARD und ihren dritten Programmen. Im ZDF und auf Neo laufen deutlich hochwertigere Sendungen, als in der ARD und ihrer Sparte. Da kann sich das ZDF durchaus leisten, erstmal mit dem Finger auf die ARD zu zeigen.
cedebe 23.03.2018
2. zdf
das ZDF hat im Gegensatz zur ARD aber auch nicht den Auftrag regional zu berichten & unterhält keine eigene Übertragungsinfrastruktur
kangootom 23.03.2018
3. Sparvorschläge
3Sat, Phoenix und Arte auf einen Kanal zusammenstreichen. ZDFinfo und ZDFneo streichen Sportübertragungen streichen Gerade bei letzterem kann man sehr viel Geld sparen. Die Schweizer haben es vorgemacht: Durch die Abstimmung zur Abschaffung des Gebührenfinanzieren Fernsehens waren die Sendeanstalten gezwungen ihr Konzept zu überdenken, sonst hätten sie vor dem Aus gestanden. Plötzlich gab es konstruktive Diskussionen über die Inhalte und auch der WIlle des SRG mit den finanziellen Mitteln gemäßigt umzugehen. Keiner kann mir sagen, dass wir zig Radiosender und Fernsehsender brauchen. Alleine der NDR belegt auf dem Satelliten Astra 8 Kanäle ndr Hamburg, Meck-Pom, Niedersachen, Schleswig-Holstein. Beides in HD und SD. Das ist reine Geldverschwendung!!!
CriSch 23.03.2018
4. Gebühren finanziertes Fernseh reduzieren
Drei Programme reichen. Das Internetangebot drastisch reduzieren. Keine Schnulzen. Kein Schlager. Keine Lizenzgebühren für überbezahlte Sportler. Information und Bildung. reicht.
gigi76 23.03.2018
5. Zdf
einen zweiten öffentlich rechtlichen Sender braucht es nicht mehr. Wenn man es mit Einsparungen ernst meint, dann sollte man das ZDF schließen und brauchbare Teile mit der ARD fusionieren. Dieser Schritt könnte zumindest die Gebührenkritiker etwas besänftigen, wenn denn gleichzeit auch der Beitrag signifikant gesenkt wird.
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