Hamburg/Berlin - Was will das deutsche Fernsehpublikum? Billig produzierte Demütigungsshows oder bildgewaltige, kluge Geschichtsepen? Schaut man sich die Einschaltquoten von Dienstagabend an, ist die Antwort eindeutig: Nur 3,92 Millionen Menschen (Marktanteil: 12,2 Prozent) schalteten ab 20.15 Uhr den ersten Teil des Spionagemelodrams "Deckname Luna" ein - fast doppelt so viele aber das Landfrust-Format "Bauer sucht Frau", das ab 21.15 Uhr parallel auf RTL lief (7,02 Millionen Zuschauer, 22,3 Marktanteil).
Zwar entspricht die Resonanz auf "Deckname Luna" ungefähr dem Durchschnittswert für den Montagabend im ZDF - angesichts des Staraufgebots und der Produktionskosten des Zweiteilers muss das Ergebnis trotzdem enttäuschend sein. Mit Split-Screens und in prallen Farben erzählt das Eventmovie von einer jungen Frau, die Anfang der sechziger Jahre Kosmonautin werden will, dann aber zwischen die Fronten des Kalten Krieges gerät. Die Hauptrolle spielt Anna Maria Mühe, an ihre Seite stehen Publikumsmagneten wie Götz George und Heino Ferch.
Hat das ZDF durch Fehlplanungen selbst zum Quoten-Unglück beigetragen? Die Eigenwerbung hielt sich in Grenzen. Erstaunlicherweise hatte man nicht mal einen der Stars des Films auf der Couch von "Wetten, dass..?" platziert. Bleibt zu hoffen, dass die Quote bei der Ausstrahlung des zweiten Teils am Donnerstag auf dem niedrigen Stand stabil bleibt - und dass sich das ZDF weiter Raum gönnt für innovatives Erzählfernsehen.
RTL indes kann zufrieden sein mit der Primetime am Montag: Neben "Bauer sucht Frau" fuhr auch Günther Jauch mit "Wer wird Millionär?" eine Topquote ein. Ab 20.15 Uhr verfolgten 6,44 Millionen Zuschauer (19,4 Prozent) die Quizshow. Und auch die Verantwortlichen von RTL II dürfen sich freuen: Die Doku-Soap "Die Geissens - eine schrecklich glamouröse Familie!" kam mit 2,34 Millionen Zuschauern (7,1 Prozent) auf den besten Wert der aktuellen Staffel.
Die Quoten-Auswertung ist also eindeutig: Trash-TV schlägt Fernsehkunst.
"Deckname Luna" (zweiter Teil), Donnerstag, 8. November, 20.15 Uhr, ZDF
cbu/dpa
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