Von Sebastian Hammelehle
Die smarte Sonnenbrille, die kugelsichere Weste über dem gut sitzenden Shirt, die Khakihose - ein Verteidigungsminister, der aussieht wie auf einem Werbefoto von Polo Ralph Lauren. Betrachtet man heute Bilder aus der kurzen Karriere Karl-Theodor zu Guttenbergs, kommt einem vieles unwirklich vor, fast lächerlich plakativ. Allein: Es war genau so. Es drängt sich deshalb auf, die Geschichte des gefallenen Politstars als Bilderbogen zu inszenieren. Genau das macht Uwe Janson in seinem satirischen Fernsehfilm "Der Minister". In dem geht es offiziell um einen Politiker namens Franz Ferdinand von und zu Donnersberg. Doch der Mann, den seine Freunde "Donni" nennen, hat starke Ähnlichkeiten zu Guttenberg.
Jede der berühmt geworden Posen Guttenbergs kommt vor in diesem Film: Auf dem Times Square in New York, in Afghanistan, auf zahlreichen Titelblättern. "Der Minister" wirkt so bunt und so atemlos wie Guttenbergs Zeit im Bundeskabinett, wo er zuerst fürs Wirtschafts-, dann fürs Verteidigungsressort verantwortlich war. Und "Der Minister" ist ziemlich oberflächlich - nur konsequent: Schließlich war der Minister das auch. Ein Bundesminister der Äußerlichkeiten.
Im Film wird er gespielt von Kai Schumann, sonst unter anderem Darsteller des Gerichtsmediziners im Leipziger "Tatort". Minister Donnersberg ist bei ihm eine zweidimensionale Figur, eine Art sprechender Polit-Starschnitt. Nur sehr selten mal fängt dieser Donnersberg unvermittelt doch an zu denken - und sagt einen klugen Satz wie den, dass er genauso seriös aussehe, wie der Chef des "Blitz Kuriers" (im Film das Äquivalent zur "Bild"-Zeitung) sich einen seriösen Mann vorstelle.
Grottenolm mit Augenringen
Die Fassade der Donnersbergs wirkt in ihrer stilisierten Oberflächlichkeit in "Der Minister" oft wie ein Pop-Art-Bild: Auch der echte Guttenberg inszenierte sich nach dem Vorbild einer US-amerikanischen Ästhetik, die sich von John F. Kennedy herleiten ließ, aber eben auch von Künstlern wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein.
Würden allerdings alle Schauspieler so platt agieren wie Schumann oder gar derart knallchargenhaft wie Thomas Heinze als "Blitz"-Chef Jan Breitmann, der Film wäre bloß eine grelle Klamotte. Dezenter und überzeugender ist aber zum Beispiel Alexandra Neldel als Viktoria, die Frau des Ministers. Und Katharina Thalbach als Bundeskanzlerin Angela Murkel gibt der in der Realität betont harmlos auftretenden Regierungschefin eine dämonische Tiefe. Der viel gelobte Pragmatismus Merkels ist bei ihr nur vordergründig am Nützlichkeitsprinzip ausgerichteter Zynismus. Das ist die beunruhigende Dimension dieses Films: Was wäre, wenn nicht nur die Leere hinter Donnersberg Parallelen in der Realität hätte, sondern auch die abgründige Wurstigkeit dieser Kanzlerin?
Weil "Der Minister" aber im Sat.1-Hauptabendprogramm läuft und nicht auf einem Festival für die Freunde des politischen Theaters in der Nachfolge Bertolt Brechts, haben die Macher von Nico Hofmanns Produktionsfirma Teamworx den Film um eine Liebesgeschichte erweitert. Und die trägt phasenweise die Handlung mehr, als der - vorhersehbare - Aufstieg des fränkischen Adeligen.
Max Drexel, ein alter Schulfreund, verhilft dem Jungpolitiker erst zu schlagkräftigen Wahlkampfslogans, dann zu einer Dissertation und wohlklingenden Reden - und definiert dessen Rolle in einem Satz: Donnersberg möge von nichts eine Ahnung haben, doch er sei einer der wenigen Menschen, die genau das brillant verkaufen könnten. Seines Einsatzes für Donnersberg wegen vernachlässigt Drexel seine Familie so sehr, dass seine Frau ihn mitsamt der kleinen Kinder verlässt. Johann von Bülow spielt diesen Drexel als bemitleidenswertes, zwischen Rausch und Ernüchterung hin-und-her-gerissenes Bürolebewesen, ein Grottenolm im Anzug, mit fürchterlichen Augenringen.
Im Film mündet Drexels Geschichte im Verrat: Er hat Donnersberg bei seinem Weg nach oben geholfen. Er ist es, der die Plagiatsjäger auf seine Spur bringt. Dann aber schreibt er ihm doch noch die Rücktrittsrede - inspiriert von einer "Star Trek"-Folge, die beim Tippen im Hintergrund läuft.
Das allerdings ist eine Pointe, die des echten Guttenberg würdig gewesen wäre. Schließlich erinnerte auch seine Karriere an einen billigen Science-Fiction-Film: Angetreten als Galaktischer, als Supernova verglüht - und zuletzt blieb nur "Smoke On The Water."
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