TV-Krimi: Der Münchner "Tatort" im Schnellcheck

"Tatort" aus München: Mach's noch einmal, Menzinger! Fotos
ARD

Münster will immer witziger werden, im "Tatort" aus München herrscht dagegen jetzt Gag-Verbot. Sehr gut, so tritt auch endlich die dunkle Seite von Ex-Sidekick Carlo Menzinger hervor, der hier nach fünf Jahren sein grimmiges Comeback gibt. Ein Pflichttermin.

Zeigen die Kommissare den richtigen Einsatz?

Naja, Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind diesmal relativ zurückhaltend. Sie versuchen, die vernünftige Seite des Gesetzes zu verkörpern - während sie den Suizid eines Streifenpolizisten untersuchen, in dessen Revier offensichtlich der Rechtsstaat aus dem Ruder gelaufen ist. Trotz der bedächtigen Hauptermittler gibt's Körperlichkeit nah an der Schmerzgrenze - vom Machtrausch unter der Männerdusche bis zum Frustvögeln unter Beamten und Beamtinnen.

Wie blutig ist die neue Folge?

Mäßig blutig. Trotzdem brutal und explizit, dieser Cop-Thriller.

Kann man die Geschichte glauben?

Ja. Sehr plausibel; sehr physisch wird nachgezeichnet, wie in einem Münchner Polizeirevier Macht und Ohnmacht zu nackter Gewalt führen. Eine sehr dichte Milieustudie, frei von den didaktischen Zwangsmaßnahmen, wie man sie sonst so oft im "Tatort" findet.

Beste Auftritte?

Der Menzinger, na klar! Nach über fünf Jahren kehrt der ehemalige Sidekick Carlo (Michael Fitz) aus seiner neuen Heimat Thailand zurück in den Münchner Hexenkessel. Das Tolle: Der ehemals so oft für comic relief zuständige Ermittler zeigt sich von seiner grimmigen Seite, die sehr gut in diesen ernsten Krimi passt. Ebenfalls im besten Sinne unkomisch: Die Schauspielerin Sonsee Neu, die man vor allem als Filmpartnerin aus der Comedy-Serie "Pastewka" kennt. Auch sie spielt ihre Streifenpolizistin mit ungebrochener und glaubhafter Härte.

Wie steht's mit der Komik?

Nicht vorhanden. Und das kommt sehr gut in diesem Milieu-Thriller aus München. Gerade vor dem Hintergrund, dass alle andere "Tatorte" immer lustiger werden. Oder es zumindest versuchen.

Lohnt das Einschalten?

Unbedingt.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Macht und Ohnmacht", Ostermontag (!), 20.15 Uhr, ARD

Unser Kollege Arno Frank guckt heute für SPIEGEL ONLINE den "Tatort" und twittert live auf @SPIEGEL_Kultur.

cbu

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1. Gibt es Alternativen
robin-masters 01.04.2013
nein! Da das deutsche Privatfernsehen nicht mal mehr gute US-Serien kauft und auch nur noch selten Filme sondern nur noch ihren eigenen Mist zeigt... (hauptsächlich Show) der teils unterirdisch ist.
2.
Indigo76 01.04.2013
Zitat von sysopMünster will immer witziger werden, im "Tatort" aus München herrscht dagegen jetzt Gag-Verbot. Sehr gut, so tritt auch endlich die dunkle Seite von Ex-Sidekick Carlo Menzinger hervor, der hier nach fünf Jahren sein grimmiges Comeback gibt. Ein Pflichttermin. Der Münchner "Tatort" mit Batic und Leitmayr im Schnellcheck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/der-muenchner-tatort-mit-batic-und-leitmayr-im-schnellcheck-a-890243.html)
Oh verdammt - ein Tatort, der von spon gelobt wird. Ich lese regelmäßig den Tatortverrriss von spon und je schlechter eine Kritik ausfällt, desto besser ist der Tatort. Ich habe mir angewöhnt, dies als umgedsrehtes Barometer zu nutzen. Wenn spon an einem Tatort kein gutes Haar lässt, lohnt er sich zu 100% - auf diese Weise bin ich noch nie enttäuscht worden. Nach dieser Logik, müsste dieser Tatort aus München natürlich das allerletzte sein und es gibt in der Kritik auch schon einige Anzeichen dafür. Da wird davon gesprochen, dass es plausibel erscheint, das in einem deutschen Polizeirevier "nackte Gewalt" eskaliert. Deutsche Polizisten sind Beamte - und einen langweiligeren Menschenschlag gibt es auf der Welt nicht (habe einige davon in meiner Familie - Mitleidsbekundungen dürfen jetzt abgegeben werden). "nackte Gewalt" in einem deutschen Polizeirevier ist in etwa so plausibel wie ein Sandsturm am Yukon.
3. Alternativen
hanswurster 01.04.2013
gibt es schon. 127 Hours ist ein sehr guter Film, der nicht umsonst für Oscars nominiert war. Für die leichtere Abendunterhaltung gibt es dann noch Oben!, sehr erfolgreicher und von der Kritik gelobter Film. so ist es also nicht. Und den Tatort werden ja die meisten der üblichen Foristen nicht sehen wollen, weil nach deren Aussage ja immer das Gegenteil des Schnellchecks zutrifft... Wobei die sich ja im Prinzip als Fans doch in der Regel nur darüber beschweren, dass die Folgen nicht hichgejubelt werden und die immer öfter vorkommenen riesen Logiklöcher und schlechten Schauspielerleistungen auch mal angesprochen werden.
4. Kintopp
reutter 01.04.2013
Der "Tatort" ist mal mehr mal weniger gelungen aber immer Kintopp! Was spricht also gegen einen etwas lockeren "Tatort" oder gegen Humor oder sogar schwarzen Humor? Tierisch ernst ist das tägliche Leben häufig genug, wozu dann noch tierisch ernstes Kintopp? Im übrigen stolpert auch das tierisch ernste Leben hin und wieder über unfreiwillige Komik.
5. Anbiederung ist eine deutsche Tugend
nikolaus05 01.04.2013
Zitat von sysopMünster will immer witziger werden, im "Tatort" aus München herrscht dagegen jetzt Gag-Verbot. Sehr gut, so tritt auch endlich die dunkle Seite von Ex-Sidekick Carlo Menzinger hervor, der hier nach fünf Jahren sein grimmiges Comeback gibt. Ein Pflichttermin. Der Münchner "Tatort" mit Batic und Leitmayr im Schnellcheck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/der-muenchner-tatort-mit-batic-und-leitmayr-im-schnellcheck-a-890243.html)
Die deutschen Serien sind so bieder, wie das Land selbst. Kalt und seelenlos, vollständig steril. Was mir am meisten auf den Senkel geht ist das unausstehliche Herumgesieze. Selbst Hunde und Katzen werden gesiezt. Auch die Ehepartner siezen sich gegenseitig. „Schatz, haben Sie meine Brille gesehen“. Und auch jahrelange Freunde siezen sich. Überkorrekte deutsche Formalitätsversessenheit würgt jedes bisschen Normalität im Keim ab. Deutsche Serien sind dermaßen kleinbürgerlich und pedantisch inszeniert, dass ich mir so einen Schwachsinn nicht antun möchte. „Familie Dr. Kleist“. Der Name sagt schon alles. Selbst eine Familie wird mit dem Dr. Titel versehen. Typisch deutsche Sehnsucht nach Titeln und Obrigkeit, um so seinem mittelmäßigen Leben etwas Glanz zu verleihen.
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