ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" im Schnellcheck

Die Generation Praktikum im Energydrink-Rausch: Mit dem neuen Erfurter "Tatort" will der MDR einen extrem jungen Krimi an den Start bringen - und liefert einen verworrenen Highspeed-Studentenkrimi. Liebe Leute, Finger weg von den Drogen!

ARD

Was ist das Thema?

Die Generation Praktikum zwischen Mord und Ohnmacht. Die Verantwortlichen vom MDR preisen das neue Team aus Erfurt als das jüngste im "Tatort" überhaupt an, verhandelt werden die Probleme von Twentysomethings beim Studieren und Berufseinstieg. Im Kommissariat ist auch eine Praktikantin mit Jura-Abschluss dabei.

Wie blutig ist die neue Folge?

Mäßig blutig. Es geht um einen Frauenmörder. An der Wand des Kommissariats hängen Bilder von entstellten Leichen, die sind aber nur wenige Sekunden zu sehen. Statt auf Splatter wird beim Erfurter "Tatort" eher auf Sport gesetzt: Beim Ermitteln stratzen die Bubi-Kommissare immer etwas zu umständlich durch die Stadt.

Gibt's einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Ja. Es geht insgesamt um den Druck junger Menschen, die sich zwischen Praktika, prekären Arbeitsverhältnissen und Lerndruck durchschlagen müssen. Aufputschmittel sind erlaubt. Die ganze Zeit werden Energydrinks runtergespült. Ein verhörter Student sagt: "Wir sind die erste Generation, die Drogen nimmt, um ihre Arbeit zu erfüllen." Voll druff, die Generation Praktikum.

Wie steht's mit der Komik?

Nicht vorhanden - oder haben wir da etwas überhört?

Und: Können wir das alles glauben?

Nein, gar nicht. Der übertrieben auf Action gedrehte und mit Energy-Drinks aufgeputschte Plot ist vollkommen unplausibel. Liebe Leute, Finger weg von den Drogen!

Lohnt das Einschalten?

Noch mal: Nein, gar nicht.

Wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Kalter Engel", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Kristin Haug kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag live auf Twitter.

cbu

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insgesamt 55 Beiträge
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pr8kerl 03.11.2013
1. Ein Tatort ohne Tote, wo ist der?
Es ist gefühlte 20 Jahre her dass ein Tatort mal fast ohne Gewalt auskam. Und ohne Tote. Dabei geht das doch locker. Wie wärs mit dem Thema Zocken mit Sportwetten? Oder mit Zinsmanipulationen auf Kosten anständiger Anleger? Ein Tatort über Erpressung? Abgrundtiefe Machenschaften beim Flughafenbau? Es gibt Themen ohne Ende ohne Blut und Tote, aber im deutschen Fernsehen scheint es nicht mehr ohne das zu gehen.
BlakesWort 03.11.2013
2.
So wie der Tatort in der Vorankündigung aussah, dachte ich sofort an die "Heiter bis tödlich"-Reihe. Junge Ermittler sind keine schlechte Idee, aber dann bitte mit Profil und nicht aufgehängt an Versatzstücken, die gerade angesagt sind.
brillmann 03.11.2013
3. optional
Hoffentlich ist der Ton diesmal besser. Besonders die Hamburger und Münchner Tatorte sind in dieser Hinsicht eine Qual. Auch der immer schnellere Schnitt und die Wackelkamera haben irgendwo ihre Grenzen. Die Macher sollten sich klar darüber sein, dass man spannende Unterhaltung von ihnen erwartet und keine Experimentalfilme.
Paul Panda 03.11.2013
4. und nicht zu vergessen...
Zitat von brillmannHoffentlich ist der Ton diesmal besser. Besonders die Hamburger und Münchner Tatorte sind in dieser Hinsicht eine Qual. Auch der immer schnellere Schnitt und die Wackelkamera haben irgendwo ihre Grenzen. Die Macher sollten sich klar darüber sein, dass man spannende Unterhaltung von ihnen erwartet und keine Experimentalfilme.
Ja, das alles ist ziemlich lästig. Durch die schnellen Schnitte kriege ich nicht mit, dass unten im Bild eine Pistole liegt, weil meine Augen noch den oberen Bildrand abscannen. Und bei dem Genuschele der Schauspieler und dem Nachhall verstehe ich oft auch die Worte in den Dialogen nicht, auf die es für das Verständnis der Handlung ankommt. Bleibt noch zu hoffen, dass wir diesmal nicht wieder mit der privaten "Psychokacke" (Verzeihung, aber ich kann es nicht anders formulieren) der Ermittelnden konfrontiert werden. Das nervt nämlich besonders.
haraldstrauß 03.11.2013
5. Gewarnt
hatte mich bereits meine englischer Frau vor dem deutschen "Tatort". Der ja, wie bekannt, in den meisten Fällen nur Mist ist. Weil die deutschen Fernsehmacher einfach kein Händchen für gute Krimis haben. Und Recht sollte sie mal wieder behalten: Nach, immerhin, fast vierzig kaum zu ertragenene Minuten habe ich das Handtuch geworfen. Um wieder einmal festzustellen: Sie, die Deutschen, können es einfach nicht!
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