ARD-Sonntagskrimi: Der neue Wiener "Tatort" im Schnellcheck

"Tatort" aus Österreich: Auf einen Kakao mit einem Mörder Fotos
ARD

Boxkämpfe mit bulgarischen Zuhältern, Brandanschläge auf Prostituierte: Im neuen Ösi-"Tatort" steigen Eisner und Fellner tief in die finstere Wiener Sexindustrie hinab. Tut weh.

Was ist das Thema?

Es geht um die Elendszonen der Wiener Sexindustrie. Die Ermittler Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) untersuchen den Mord an einer Ex-Prostituierten und ziehen durch die sogenannten Tischmädchenlokale, in denen Bulgarinnen unter Zwang ihre Dienste anbieten.

Wie blutig ist die neue Folge?

Sehr blutig, sehr brutal. Am Anfang sehen wir, wie ein Junge mit dem Fahrrad auf eine rauchende junge Frau zufährt und sie aus einer Wasserpistole mit Benzin bespritzt. Die Frau geht in Flammen auf. Ermittlerin Fellner wird hier brutal von einem Luden geschlagen, getreten, gewürgt. Irgendwann soll ihr nahezu lebloser Körper vom Balkon geworfen werden.

Gibt's einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Natürlich. Wie muss eine Gesellschaft beschaffen sein, in der immer mehr Migranten ohne Papiere für immer weniger Geld Triebabfuhrhilfe erledigen? Wien ist in diesem "Tatort" ein einziger großer Sex-Discounter.

Wie steht's mit der Komik?

In einer Szene lässt sich Bibi Fellner von einem Freier betatschen und verhandelt mit ihm über Preise für Geschlechtsverkehr. Schließlich legt sie ihn in Handschellen und staucht ihn zusammen. Ja, das ist irgendwie schon komisch. Tut aber auch weh.

Der beste Auftritt?

Definitiv Adele Neuhauser in der Rolle der Bibi Fellner, wieder mal. Schlägt sich mit Zuhältern, kämpft mit der eigenen Vergangenheit beim Psychiater, verpasst feigen Freiern Einläufe. Dann dieser Satz aus ihrem Mund, der noch einmal klarstellt, dass die gezeigte Art der Sexarbeit in keiner Weise legitimiert werden darf: "So was nenne ich nicht Prostituierte, sowas nenne ich Sklavin."

Und: Können wir das alles glauben?

Ja. Regisseurin Sabine Derflinger hatte sich schon vor drei Jahren mit ihrem Hurendrama "Tag und Nacht" mit Österreichs Sexindustrie auseinandergesetzt und ist am Thema geblieben, Autor Martin Ambrosch recherchierte monatelang unter den rund 6000 papierlosen Migrantinnen, die zum Großteil unter Zwang in Wien anschaffen.

Lohnt das Einschalten?

Auf jeden Fall. Ein gut recherchierter, furios gespielter Milieuthriller.

Wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Angezählt", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Arno Frank kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag live auf Twitter.

cbu

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1. Mehr als gut
spon-facebook-10000172069 15.09.2013
Bevor das unsägliche "Spiegel gut" - "Tatort schlecht" - Gerede anfängt: Was gibt es hier zu zweifeln? Eine Geschichte von ganz unten, eines der besseren Ermittler-Teams, Regie von einer erfahrenen Frau. Ja, ich glaube dem Autor. Wenn man es also nicht selber schafft, dann ab in die Mediathek / fernsehstrom.de und selber gucken. Danach kann hier dann alles mit Schmährufen vollgeschrieben werden.
2. Ösi
sam 15.09.2013
Die "Bild" wirft ihre ersten Schatten voraus. Die despektierliche Abkürzung "Ösi" bitte unterlassen.
3. Ösi-
Hundefuerst 15.09.2013
Bitte lasst doch das dämliche "Ösi" weg! Wer in so alberner Weise schreibt und spricht, macht sich selbst lächerlich.
4. Wirklich glaubhaft???
xvulkanx 15.09.2013
Habe noch nie davon gehört, dass ein Kind mit einer mit Benzin gefüllten Wasserpistole einen rauchenden Menschen anzündet. Bitte wo gab es jemals einen derartigen Fall? Scheint mir eher eine Ausgeburt der abgedrehten Phantasie von sensationsheischenden Drehbuchautoren zu sein. Wirklich gefährlich daran ist, dass so etwas zur besten Sendezeit zu zeigen, erst Leute auf die Idee bringen kann derartiges tatsächlich real umzusetzen. Hoffe nicht, dass es dazu kommt, dass es wirklich zu Nachahmern dieser Mordmethoder kommt. In jedem Fall absolut unverantwortliches Fernsehen. Angeblich geht es um Gesellschaftskritk. In Wirklichkeit spielt man mit dem maximalen Entsetzen der Zuschauer, nur um hohe Einschaltquoten zu bekommen. Vielleicht lebt da auch ein fanatischer Nichtraucher als Drehbuchautor seine abgedrehten Mordgelüste gegenüber Rauchern aus.
5. Supi...
frl_klara 15.09.2013
...wieder einmal ein 08/15 Tatort Handlungskonzept. Zwei, mit sich selbst hadernde, Ermittler, viiiel Sozialkritik (das ist voll echt so!) und das ganze in "angesagter" Kammerspieloptik. Was hilft es, die handwerklichen Fähigkeiten der beteiligten Kunstschaffenden zu loben, wenn's dasselbe abgenudelte Konzept bleibt. (ich habe eine Idee, lasst uns einen Tatort auf Malle machen und der Protagonist hat 'ne Allergie gegen Paella).
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