Sat.1-Klamotte "Der Weihnachtskrieg" Wenn Sado-Santa Pocher den Kita-Gutschein bringt

Hätte was werden können: Zwei Familien kloppen sich auf groteske Weise um den letzten Kita-Platz. Wenn nur der Pocher nicht wäre. Der Nicht-Schauspieler hält als sadistischer Leiter der Einrichtung den Sat.1-Klamauk "Der Weihnachtskrieg" auf Mittelmaß.

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Okay, hier ist der Plot: Zwei Familien hoffen auf den letzten verbliebenen Platz für unter Dreijährige in der Kita. Doch deren neuer Leiter spielt die ohnehin verfeindeten Nachbarn mit immer unverschämteren Wünschen und Prüfungen gegeneinander aus. Das war's schon. Und könnte eigentlich auch genügen. Anderswo, in England beispielsweise, würde aus dieser Konstellation wahrscheinlich eine ganze Serie entstehen. Wer aus dieser simplen Idee nicht eine wenigstens halbwegs lustige Komödie entwickeln kann, sollte vielleicht eher Strafzettel als Drehbücher schreiben.

Tatsächlich ist "Der Weihnachtskrieg" in den Händen von Sat.1 genau das geworden: eine halbwegs lustige Komödie. Dass es nicht zu einer richtig lustigen Komödie mit vielleicht sogar sozialsatirischem Drall reichte, kann nicht am bewährten Autorenteam aus Mathias Dinter und Martin Ritzenhoff ("Was nicht passt, wird passend gemacht") gelegen haben.

Den beiden Kriegsparteien, den erfolgsverwöhnten Aschenbachs genauso wie den abstiegsbedrohten Wielands, geht es um "das Beste für ihr Kind", also "soziale Kontakte und Keime, die härten ab". Auch aus dem handelsüblichen Konsumzwang und der erzwungenen Besinnlichkeit zum Fest lassen sich die einen oder anderen humoristischen Funken schlagen.

"Aber was erklär ich Ihnen das?"

Oliver Pocher als angeblichem Kita-Leiter ("Ich bin der Johannes, aber nennen Sie mich ruhig Herr Herder") und dubiosem Psychopathen in Sandalen und Socken haben sie eine vielversprechende Rolle geschrieben. Nur leider bleibt Pocher eben in jeder Sekunde genau der Pocher, den man ständig im Fernsehen ("Alle auf den Kleinen") oder der Boulevardpresse (Sabine Lisicki? Sabine Lisicki!) sieht. Sein Talent besteht halt darin, dass man ihn kennt (und dass er schmerzbefreit ist). Das ist schade, denn dieser Film steht und fällt mit der Rolle des Johannes Herder. Also fällt er.

Erliegt hier ein Erzieher, der seine Diplomarbeit über "Gewalt als Lösung" geschrieben hat, den Versuchungen der Macht? Ist er perfide? Ist er irre? Kriminell? Komisch ist er jedenfalls nicht. Pocher, eingesperrt in seiner milchbübischen Maskenhaftigkeit, ist nicht einmal ansatzweise plausibel, was die Voraussetzung für Komik wäre.

Seinen Opfern erklärt er stammelnd: "Die besten Eltern sorgen für die beste Versorgung und damit für das Überleben ihrer Kinder. Und die andern sterben einfach früher oder später aus. Das ist ein sehr moderner Ansatz. So'n bisschen Maria Montessori, aber auch Jesper Juul, der da mit reinspielt. Es geht 'n bisschen um den darwinistischen Gedanken, der hier noch mal umgekehrt wird und einen antisozialen Habitus von sich lässt, der letztendlich, wenn er, gepaart mit 'ner gewissen Emotion - aber was erklär ich Ihnen das?"

Die Eltern immerhin werden von Schauspielern dargestellt. Von Leuten, die das können. Und deshalb zeitigt deren Versuch, durch gegenseitige Übertrumpfung die Gunst des Pädagogen zu gewinnen, tatsächlich den einen oder anderen Lacher. Sie schenken dem Herrn Herder eine neue Lichtmaschine fürs Auto oder überlassen ihm gleich einen Vorführwagen, wenn nicht sogar die Ehefrau - und quittieren die immer neuen Zumutungen mit augenrollendem Fatalismus. Die nette Mutter muss die Ellbogen ausfahren, das Luxusweibchen Second-Hand-Klamotten tragen. Wortwitz hält sich in engen Grenzen, Freunde von Bud Spencer und Terence Hill können sich immerhin an einer wirklich sehr nett choreografierten Slapstick-Schlägerei erfreuen.

Für weihnachtliches Wohlgefallen sorgt schließlich eine kleine "Romeo und Julia"-Romanze zwischen den geschlechtsreifen Sprösslingen der verfeindeten Familien. Das hätte die Geschichte nicht gebraucht, hilft aber, den Pocher zu vergessen. Aber was erklär ich Ihnen das?


"Der Weihnachtskrieg", Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1



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