Trauer um Dirk Bach beim Fernsehpreis "Der größte kleine dicke Mann"

Leise Töne statt pompöser Gala: Die Jury des Deutschen Fernsehpreises hat das ZDF-Justizdrama "Das Ende einer Nacht" zum besten Film des Jahres gewählt. Zugleich nutzten viele Prominente die Preisverleihung, um an den plötzlich verstorbenen Entertainer Dirk Bach zu erinnern.

DPA

Köln - Es war eine illustre Zusammenkunft der TV-Prominenz - doch eine Lichtgestalt der Fernsehunterhaltung wurde beim Deutschen Fernsehpreis schmerzlich vermisst: Dirk Bach. Viele Gäste der Gala am Dienstagabend nutzten die Preisverleihung, um an den jüngst verstorbenen Entertainer zu erinnern.

"Mit großer Betroffenheit hat die Jury die Nachricht vom Tode Dirk Bachs aufgenommen", sagte die Juryvorsitzende Christiane Ruff am Rande der Veranstaltung. "Mit ihm verliert das deutsche Fernsehen eine seiner großen und prägenden Persönlichkeiten. Er wird uns allen sehr fehlen. Unsere Anteilnahme gilt seinem Lebensgefährten, seiner Familie und seinen Freunden."

Bach hatte die Preisverleihung 2002 gemeinsam mit Sandra Maischberger moderiert, "und zwar besser angezogen als jeder andere, der es vor oder nach ihm jemals gemacht hat" sagte Moderator Oliver Welke. Bach trug damals das gleiche Kleid wie Maischberger. "Er war ohne Zweifel der größte kleine dicke Mann, den wir hatten in Deutschland", so Welke.

Beim Einlass vor dem Coloneum hatte Schauspieler Heinrich Schafmeister Aufkleber mit den Worten "Danke Dirk" verteilt. Einige Gäste trugen den Sticker an ihrer Abendgarderobe. Bach war am Montag tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden worden. Vermutlich starb er an Herzversagen.

Großer Erfolg für getragene Themen

Die Preisverleihung wurde vor 1200 geladenen Gästen aufgezeichnet, am 4. Oktober wird sie im ZDF ausgestrahlt. Bei den ausgezeichneten Werken standen die schweren Themen im Vordergrund. Das Justizdrama "Das Ende einer Nacht" erhielt den Preis als bester Fernsehfilm, die Darstellerinnen Barbara Auer und Ina Weisse wurden zudem als beste Schauspielerinnen geehrt.

Weisse verkörpert in der ZDF-Produktion die kühle Strafverteidigerin eines mutmaßlichen Vergewaltigers, Auer ihre Gegenspielerin, eine Richterin, die schon einmal einen Unschuldigen ins Gefängnis gebracht hat. "Man kann die eine nicht ohne die andere loben", entschied die Jury.

Die Auszeichnung für den besten Schauspieler ging an Wotan Wilke Möhring, für seine Rolle im ARD-Drama "Der letzte schöne Tag". Darin spielt Möhring den Familienvater Lars, der den Suizid seiner Frau verwinden muss.

Keine Preise für Provokateure

Die Provokateure unter den nominierten gingen weitgehend leer aus: Weder Günter Wallraffs Undercover-Recherche beim Paketzusteller GLS wurde ausgezeichnet, noch das kontrovers diskutierte Putin-Portrait von Hubert Seipel. In der Kategorie "Reportage" erhielt den Preis stattdessen das Unternehmerporträt "Mr. Karstadt" des ZDF.

Auch die beste Dokumentation ist eine ZDF-Produktion: "Nine Eleven - Der Tag, der die Welt veränderte" erhielt den begehrten Preis. In dem Film arbeiten die Autoren Elmar Theveßen und Souad Mekhennet die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York auf.

Die Trophäe für die beste Unterhaltungssendung ging an die Castingshow "The Voice of Germany" (ProSieben/Sat.1), als beste Mehrteiler wurden die ARD-Reihe "Der Mann mit dem Fagott" über Musiker Udo Jürgens und das Magazin "Stern TV" geehrt. Als beste Serie wurde "Der letzte Bulle" (Sat.1) ausgezeichnet.

Den Ehrenpreis für das Lebenswerk erhielt in diesem Jahr Showmaster Frank Elstner. Nach Ansicht der Jury steht der 70-Jährige für eine Ära der großen deutsche Fernseh-Unterhaltung. Der Deutsche Fernsehpreis ist bundesweit eine der wichtigsten TV-Auszeichnungen. Er wird seit 1999 von ARD, RTL, Sat.1 und ZDF vergeben.

usp/dpa/dapd

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