Nach Zuschauerkritik Aus für den Deutschen Fernsehpreis

Zu wenig Interesse beim Zuschauer: Noch einmal wird der Deutsche Fernsehpreis verliehen, dann ist Schluss. Nach SPIEGEL-Informationen haben ARD, ZDF, RTL und Sat.1 das Aus für die Veranstaltung gemeinsam beschlossen. Eine Nachfolgesendung ist aber bereits im Gespräch.

Verleihung des Deutschen Fernsehpreises (Archivbild 2010): Im Oktober ist Schluss
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Verleihung des Deutschen Fernsehpreises (Archivbild 2010): Im Oktober ist Schluss


Hamburg - Die vier Ausrichter ARD, ZDF, RTL und Sat.1 haben das Ende des Deutschen Fernsehpreises beschlossen. Nach SPIEGEL-Informationen wird die 16. Verleihung am 3. Oktober die letzte sein. Noch vor Weihnachten kündigten RTL und Sat.1 den Gesellschaftsvertrag, Anfang Februar schloss sich das ZDF an. Mitte Februar schließlich folgte der WDR, der in der Runde für die ARD spricht.

In den vergangenen Jahren hatte die Verleihung in der Fernsehbranche und bei den Zuschauern zunehmend an Akzeptanz verloren. Auch wurde die Preisgala zuletzt einen Tag zeitversetzt ausgestrahlt, was zu etlichen Kommunikationspannen führte. Zudem wurde die Aufzeichnung problematisch geschnitten (Lesen Sie hier einen SPIEGEL-ONLINE-Kommentar, der die Abschaffung des Preises fordert). Bis zur Preisverleihung im Oktober wollen die Sender nun darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Man sei sich einig, heißt es in einer "internen Sprachregelung", die nach einer Krisensitzung Ende November verabschiedet wurde, "dass es weiterhin eine Form geben muss, in der die hervorragenden Leistungen für das Fernsehen gewürdigt werden" können.

"Es macht keinen Sinn, dass jetzt etwa die öffentlich-rechtlichen Sender allein einen eigenen Preis ausrichten", sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut, "es muss eine Veranstaltung der gesamten Branche sein."

"Ich nehme diesen Preis nicht an"

Die Preisverleihung findet jedes Jahr im Herbst statt. Im vergangenen Jahr wurde "Operation Zucker" (ARD) als bester Fernsehfilm ausgezeichnet. In der Kategorie bester Mehrteiler entschied sich die Jury für "Unsere Mütter, unsere Väter" (ZDF). Eine Übersicht über alle Gewinner 2013 finden Sie hier.

Selbst die Preisträger hatten die Veranstaltung in der Vergangenheit heftig kritisiert: Legendär ist inzwischen der Wutausbruch des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, der 2008 für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte. "Bei dem vielen Blödsinn, den ich heute Abend gesehen habe, glaube ich nicht, dass ich dazugehöre", sagte er auf der Bühne. "Ich nehme diesen Preis nicht an."

Wenig später legte Elke Heidenreich noch einen drauf. Die Preisverleihung 2008 sei eine "armselige, grottendumme Veranstaltung" gewesen, sagte die Literaturkritikerin. Es habe sich um "stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse" gehandelt und überhaupt um "hirnlose Scheiße".

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insgesamt 88 Beiträge
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redbayer 22.02.2014
1. Gratulation dem RTL
als Initiator für den Ausstieg aus dieser deutschen Medien Selbst-Beweiräucherung. Aber auch hier merken offenbar die Medien immer erst zuletzt, was sie für einen Mist verzapfen. Das Publikum ist jedenfalls rechtzeitig ausgestiegen.
kobalt55 22.02.2014
2. optional
Mehr als Tatort,Polizeiruf oder irgendeine SOKO ist doch nicht mehr im Angebot.Für solche Einöde braucht man keinen Preis.
Nilsemann 22.02.2014
3. Hartz IV TV
Treffender als es Elke Heidenreich in 2008 ausdrueckte, kann man das deutsche Fernsehen inklusive der Oeffentlich-rechtlichen Sender nicht beschreiben. Gesellschaftlich Volksverdummung in Perfektion, grundgesetzlich zugesichert. Persoenlich komplett zum fremd schaemen.
jjcamera 22.02.2014
4. Hämoriden
Zitat von sysopDPAZu wenig Interesse beim Zuschauer: Noch einmal wird der Deutsche Fernsehpreis verliehen, dann ist Schluss. Nach SPIEGEL-Informationen haben ARD, ZDF, RTL und Sat.1 das Aus für die Veranstaltung gemeinsam beschlossen. Eine Nachfolge-Sendung ist aber bereits im Gespräch. http://www.spiegel.de/kultur/tv/deutscher-fernsehpreis-aus-fuer-die-tv-veranstaltung-a-955014.html
Preisverleihungen sind eine Methode, für wenig Geld viele (für das deutsche Fernsehen teilweise unbezahlbare) Stars vor die Kamera zu bekommen. Die Herstellung des Programms ist dagegen vergleichsweise billig. Ansonsten gilt, was Billy Wilder sagte: "Preise sind wie Hämoriden - jedes A-loch bekommt früher oder später sowas".
kernbeißer 22.02.2014
5. Wozu?
Warum müssen immer dämliche Preise verliehen werden? Otto Normalbürger macht jeden Tag seinen Job und bekommt dafür keinen Preis. Also was soll dieser Schwachsinn?
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