Deutscher Fernsehpreis SPIEGEL-TV-Dokumentation nominiert

Im Jahr zwei nach dem Eklat um Marcel Reich-Ranicki präsentiert sich der Deutsche Fernsehpreis mit runderneuerten Kategorien - was aber auch schon wieder für Kritik sorgte. Jetzt wurden die Nominierungen bekannt gegeben. Mit dabei: Eine Produktion von SPIEGEL TV.

Eva Neumann

Berlin/Hamburg - Bei einer Pressekonferenz in Berlin wurden am Mittwochabend die Nominierten zum 12. Deutschen Fernsehpreis bekanntgegeben, der am 9. Oktober bei einer Gala im Kölner Coloneum vergeben wird. In der Kategorie "Dokumentation" ist eine Produktion von SPIEGEL TV nominiert: "Eingesperrt, um frei zu sein - das geheime Frauengefängnis der DDR".

Der Film von Susanne Gerecke und Kay Siering, der am 14.11. 2009 bei Vox ausgestrahlt wurde, erzählt die Geschichte des Frauengefängnisses Hoheneck im Erzgebirge - einem der dunklen Geheimnisse der DDR. In der 700 Jahre alten Burg verbüßten kriminelle Straftäterinnen, aber auch politische Gefangene langjährige Strafen. Die Haftbedingungen waren katastrophal, zahlreiche Insassinnen begingen Selbstmord.

Die SPIEGEL-TV-Autoren recherchierten monatelang, um die Wahrheit über Hoheneck herauszufinden; exklusive Interviews mit ehemaligen Häftlingen, aber erstmals auch mit früheren Aufseherinnen, sowie bisher unveröffentlichte Archivbilder ergeben einen genauen Blick auf die Zustände in dem Gefängnis, die seinerzeit ausschließlich in geheimen Akten festgehalten wurden.

"Eingesperrt, um frei zu sein" konkurriert um den Deutschen Fernsehpreis für die beste Dokumentation mit "Aghet - Ein Völkermord" (ARD), " Henners Traum - Das größte Tourismusprojekt Europas"(ZDF), "die story: Karstadt - Der große Schlussverkauf" (ARD) und "Überall, nur nicht hier" (ZDF)

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SPIEGEL-TV-Dokumentation: Die geheimen Schicksale der DDR-Frauen
Als beste Schauspielerinnen wurden Ulrike Kriener ("Klimawechsel", ZDF), Rosalie Thomass ("Die letzten 30 Jahre", ARD), Nadja Uhl ("Der Tote im Spreewald", ZDF), Ulrike Krumbiegel ("Der verlorene Vater", ARD) und Jessica Schwarz ("Romy", ARD) nominiert. In der Kategorie bester Schauspieler konkurrieren Christoph Bach ("Dutschke", ZDF), Martin Brambach ("Barfuß bis zum Hals", Sat.1), Hinnerk Schönemann ("Mörder auf Amrum", ZDF), Thomas Kretschmann ("Romy", ARD) und Lars Eidinger ("Verhältnisse", ARD) miteinander.

In der Kategorie "Bester Fernsehfilm" wurden nominiert: " Barfuß bis zum Hals" (Sat.1), "Die letzten 30 Jahre" (ARD), " Mörder auf Amrum" (ZDF), der HR-Tatort "Weil sie böse sind" (ARD) und " Zivilcourage (ARD). Als beste Mehrteiler konkurrieren " Im Angesicht des Verbrechens" (ARD), " Die Grenze" (Sat.1) und " Vulkan" (RTL) miteinander. Die beste Serie machen "Allein gegen die Zeit" (NDR/WDR/MDR/Ki.Ka), " Danni Lowinski" (Sat.1) und "Klimawechsel" (ZDF)unter sich aus.

Im Sport konkurrieren die WM-Sendungen

Als beste Show im deutschen Fernsehen muss sich die Jury zwischen "X Factor" (Vox und RTL), "Willkommen bei Mario Barth" (RTL) und "Unser Star für Oslo" (ARD) entscheiden. Im Sport steht nur die Fußball-WM-Berichterstattung im Fokus: Hier fällt die Wahl auf ARD, ZDF, RTL oder Sky, die alle nominiert sind. Als beste Informationssendungen treten das "auslandsjournal" sowie "auslandsjournal XXL" (ZDF), die "Iranberichterstattung von Peter Mezger" (ARD) und "logo! Die Welt und ich" (Ki.Ka) gegeneinander an.

Eigene Kategorien bilden auch die Comedy - nominiert sind "Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich" (ARD), "Cindy und die jungen Wilden" (RTL) und die "heute-show" (ZDF) - sowie das Dokutainment mit den Formaten "Rach, der Restauranttester" und "Rachs Restaurantschule" (RTL), "Raus aus den Schulden" (RTL) und "Sido geht wählen" (ProSieben).

Der Deutsche Fernsehpreis wurde erstmals 1999 ausgelobt und wird gemeinsam von den öffentlichen-rechtlichen Sendern ARD und ZDF und den Privatsendern RTL und SAT.1 gestiftet. 2008 sorgte Marcel Reich-Ranicki für einen Eklat, als er vor laufenden Kameras die Ehrung für sein Lebenswerk ablehnte. Die Ausrichtung der Gala wechselt im Jahresturnus, 2010 ist die ARD an der Reihe.

Die Geschäftsführer und Intendanten der Sender haben die Preiskategorien überarbeitet. So gibt es 2010 erstmals einen Publikumspreis für die beste Daily-Soap. Zudem werden Preise für "besondere Leistungen" in den Bereichen Fiktion, Information und Unterhaltung vergeben.

Dafür wurden allerdings zahlreiche Kategorien gestrichen, darunter die Film-Auszeichnungen für die besten Nebendarsteller, beste Regie, den besten Schnitt, die beste Kamera, die beste Musik und die beste Ausstattung. Dies ist auf herbe Kritik gestoßen. Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) schreibt in einem offenen Brief an die Stifter, "dass die Quote bei der Verleihung der wichtigsten Auszeichnung im deutschen Fernsehen nicht das Hauptkriterium sein kann, denn: So können keine Qualitätsmaßstäbe entstehen, die für die Filmschaffenden in irgendeiner Weise relevant sind."

feb/dpa

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