"Die Bachelorette" auf RTL "Ich bin in meinem Charakter sehr gut, in meinem Aussehen auch"

Ein ungeheuerlicher Verdacht, Sie lesen ihn hier zuerst: Sind die 20 Kandidaten für die "Bachelorette" in Wahrheit nur fünf verschiedene Personen samt Spiegeltricks? Ja Leckofant!

MG RTL D

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Wie schön wäre es, wenn man all diese Dumpfgockel einfach einbetonieren könnte. Jetzt nicht, um sie umzubringen oder ihnen sonst wie Schaden zuzufügen, man würde die Kandidaten der diesjährigen "Bachelorette"-Auflage einfach gerne in einer konservierenden Zeitkapsel vergraben, um für die Nachwelt festzuhalten, mit welchen kleineren Katastrophen wir uns zu unseren Lebzeiten neben den offensichtlichen großen Debakeln so herumschlagen mussten.

Die Altertumsforscher werden vielleicht zuerst Probleme haben, die Trottel aus der Kapsel exakt datieren zu können. Bis eine Gruppe extrem smarter Hosenbeinforscher auf die Idee kommt, mal im Knöchelverzeichnis nachzusehen und schließlich zweifelsfrei feststellt: Sie müssen aus dem Sommer 2017 stammen, als alle Hosen so aussahen, als müsste man die alten Buxen vom etwas kleiner gewachsenen älteren Bruder auftragen, den die Eltern mehr liebten als einen selbst.

Außer den trendgemäß zu kurzen Hosen gibt es tatsächlich wenig, was die neue "Bachelorette"-Staffel im hier und jetzt verortet. Die sie umschließende Blase der Blödheit ist zeitlos wie schon seit Jahren, es sind dieselben peinvoll vertrottelten Dialoge und vakuumierten Konversationen, redundant wie die Eigen-Vorstellung eines Kandidaten, Name vergessen weil egal: "Ich bin Kundenberater, und ich berate Kunden." Oder mal der Versuch beidseitiger Schwundkommunikation: "Ich freu mich, dich kennenzulernen." - "Ich freu mich natürlich auch, dass du dich freust."

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"Bachelorette" mit Jessica Paszka: Ach, die kennt man?

Selbst die Bachelorette überraschen Akademikerambitionen

Der Eindruck einer komplett sinnleeren Dauerschleife, in der man beim Zuschauen gefangen ist, wird noch durch den verwirrenden Umstand verstärkt, dass quasi alle männlichen Beteiligten gleich aussehen. Sind das in Wirklichkeit vielleicht einfach nur fünf verschiedene Brunftwachteln und ein paar raffiniert gestellte Spiegel plus geschickte Tapetentür-Manöver?

Mit viel gutem Willen kann man zumindest ein paar Kandidaten aufgrund kleiner Eigenheiten voneinander unterscheiden. Julian zum Beispiel behauptet, er studiere Sport und Philosophie. Sicher, dass er sich nicht in der Eile verhaspelte und in Wahrheit "Pomadologie" meinte, die Wissenschaft vom sachgerechten Frittieren der Schlonzhaare? Auch die Bachelorette - ja, die macht auch wieder mit - ist irritiert von den überraschenden Akademikerambitionen: "Sehr schön, sehr schön. Sehr schöne Augen auch."

Dann gibt es Fitnesstrainer Sebastian, dessen Adlertattoo auf dem Rücken einen wehmütig auf die Vogelprägung auf dem guten alten Markstück denken lässt. Michi, angeblich Model, ist der Typ, der jede dümmliche Aussage ("Leider bin ich ziemlich oberflächlich") mit noch dümmlicherer Pistol-Hands-Geste unterstreicht. Michael heißt der Simpel, der der Bachelorette als Kennenlerngeschenk einen Fanschal des 1. FC Köln überreicht (sie so: "Das… das ist sehr lieb von dir."). Dann gibt es noch den Schlagzeuger einer Band namens Eskimo Callboy, die ihren Namen vermutlich per Losverfahren aus den Töpfen "diskriminierende Volksgruppenbezeichnung" und "Job mit Schmuddelimage" zusammenpuzzelte und "Zigeuner Stripper" dann doch zu kontrovers fand. Er will mit der Bachelorette im Idealfall "zwei Kinder machen und vielleicht noch einen Hund dazu", und zum Glück ist die Wissenschaft noch nicht so weit, dass so etwas möglich ist.

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Ein eingeschweißtes Team

Mindestens zwei Teilnehmer bleiben besonders im Gedächtnis. Da ist einmal Niklas, der bis vor Kurzem offenbar Kimmy-Schmidt-mäßig in irgendeinem Bunker weggesperrt war, weil er alles penetrant offenmäulig bestaunt. Das erste Treffen mit der Bachelorette ist für ihn "größer als die Geburt von meiner Nichte", die Rosenverteilung "gehört zu den Top drei der härtesten Momente meines Lebens." Und da ist zweitens Marko, designierter Staffelarsch, der über sich selbst sagt: "Ich bin in meinem Charakter sehr gut, in meinem Aussehen auch". Und wie soll seine Traumfrau sein? "Ich sag immer: Optisch wie ein Model, Charakter von 'ner Dicken."

Wobei wir dann auch bei der amtierenden Bachelorette wären, bislang das langweiligste Element dieser Staffel, denn Jessica Paszka kennt man als Trash-TV-Kunde schon zur Genüge: Sie wurde schon 2014 vom Fummel-Grabbeltisch aussortiert, als sie als Kandidatin vergeblich um den so genannten Glatzenbachelor kämpfte, später sah man sie bei öffentlicher Po-Vergrößerung und ausführlicher Lüftung eben desselben im Promi-Big-Brother-Haus. Mehr als Verslein wie "Eine Partnerschaft, die ewig hält, das wär halt so mein Herzenswunsch" sind von ihr eher nicht zu erwarten. "Ich bin ein bekannter Mensch", glaubt sie putzigerweise - und wird nur von einem einzigen Kandidaten tatsächlich identifiziert.

Ja Leckofant, will man da mit den Worten eines der Balzstelzen sagen, das klingt ja alles eher mittelprächtig. Wenn man so was mag, sind für die kommenden Wochen zumindest einige Prolligkeiten aus dem Bückwarenbereich zu erwarten - "'Kurven' sind doch nur der moderne Begriff für 'fett'", ließ ein sichtlich angesoffener Kandidat bereits ungebeten wissen. Die Erleuchtung, woran einen all diese Figuren die ganze Zeit erinnerten, kommt schließlich bei der obligatorischen "Nacht der Rosen", als (eventuell) Julian um das Weiterkommen seines Kumpels bangte: "Domenico und ich sind hier zu einem eingeschweißten Team geworden." Eingeschweißt, na klar: alles Würstchen.



insgesamt 100 Beiträge
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bausa 15.06.2017
1. Völlig hirnlos
die Sendung,aber wenn gewisse Bevölkerungsschichten solche Sendungen wünschen!Bitte schön.Übrigens hat einer der Kandidaten gesagt,die Bachelorette wäre ziemlicg ungeil.Finde ich auch.Völlig blass und null Niveau.Ich habs nur gelesen und das tut schon weh.
brehn 15.06.2017
2. herrlich
" sind hier zu einem eingeschweißten Team geworden." echt genial, immer wenn man glaubt, dümmer gehts nicht, kommen dann noch solche Exemplare. Glücklicherweise gibts ja Frau Rützel als Puffer, welche die unbeschrieblichen Qualen auf sich nimmt, um uns aus solchen Krisengebieten des Niveaus und der Intelligenz zu berichten, vielen für ihren unerschrockenen Einsatz im Angesicht der kompletten Blödheit.
liquimoly 15.06.2017
3. herrlich 2
Frau Rützel, ich hab sie gerade geliket. Wie oft meine Frau bereits aus ihren brillanten Kommentaren zum aktuellen Trashgeschehen zitiert hat, stets unter Verweis auf die Quelle:' Das hat die Anja Rützel von SPIEGEL ONLINE geschrieben.' Nun hab ich selbst mal nachgelesen und so herzlich gelacht, dass ich nie wieder einen ihrer Artikel verpassen will. Ich muß jetzt aber zum Ende kommen, da sind noch viele Artikel von Ihnen im SPON-Archiv, die ich heute lesen will ;-)
susuki 15.06.2017
4.
Verflucht! Jetzt will ich eine Folge sehen. Verdammter Autor!
merisidecaravaggio 15.06.2017
5. Brunftwachtel an Tapetentür
Anja Rützel for President!!!!! Dadaistische Wortakrobatik auf dem Trash-Trapez. So wird aus völliger Entleerung Lyrik.
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