Kultur

Anzeige

Neue Staffel "Die Höhle der Löwen"

First-World-Problems - das Musical

Die "Höhle der Löwen" ist zurück. Die Investoren bestaunen nicht ganz brandneue Ideen - und balgen sich um Haarschneide-Klingen. Unverzeihliches lieferte Carsten Maschmeyer.

Von

Mittwoch, 05.09.2018   06:57 Uhr

Anzeige

Dieses grundglückliche Gesicht von Ralf Dümmel, wenn er nach seinem Notizbuch greift, um mal eben händisch ein paar Zahlen durchzurechnen und er dabei ölig-wohlig strahlt, als tanzte ein Grüppchen Eichhörnchen in seinem Kopf gerade Ringelreihen und sänge dazu mit hellen Stimmchen "Geld! Geld! Geld!"

Frank Thelens aufrichtig-offenmündiger Ekel bei der Vorstellung, dass es Leute gibt, die tatsächlich selbst ihre Wohnung staubsaugen.

Anzeige

Der wohlig-volkstümliche Zug um Dagmar Wöhrls Mund, bevor sie eine Information aus Kandidatenmund unverdrossen zu einem hart holpernden Schlenker zum eigenen Familienunternehmen nutzt.

Sie kriegen einen dann einfach doch ganz schnell wieder, auch im fünften Jahr, und obwohl einem in der Zwischenzeit diverse grunddämliche Gründershow-Epigonen das Thema eigentlich grundsätzlich verleidet hatten - und dann am Ende doch nur unterstrichen, dass "Die Höhle der Löwen" einfach ein gut gemachtes Format ist. Man sieht es sich gern an und schaut dabei auch in seltener Großzügigkeit über gelegentliche Hanebüchenheiten hinweg.

Anzeige

Das ist gut und schön (und natürlich ein Investitionsfall für Dümmel), aber viel interessanter findet man dann doch die Einlassung von Löwe Thelen, er habe noch nie in seinem Leben gestaubsaugt. Auch Cheerleading hat er nach eigener Aussage noch nie betrieben, weswegen die Erfinder von noppigen, grifffesten Hosen und Oberteilen, in denen ihre Trägerinnen den dazugehörigen Fängern auch nach komplexesten Jubelkunststücken verlässlich nicht aus den Händen flutschen, leider nicht für einen Deal infrage kommt.

Wobei es ohnehin auch in dieser Staffel keine Garantie gibt, dass ein in der Sendung zugesichertes Investment dann auch tatsächlich zustande kommt: Maschmeyers Deal mit dem Erfinder einer programmierbaren LED-Wand - bizarr hochpreisiges Protzreichenzubehör - platzte außerhalb des Studios dann doch.

Störend wirkte in der Auftaktsendung der neuen Höhlenstaffel, dass mindestens zwei der vorgestellten fünf Produktideen so neu dann leider doch nicht sind: Die eingedoste Jackfruit, ein veganer, fleischfaserartiger Sri-Lanka-Import, findet sich längst von diversen Anbietern im Bio- und Supermarkt. Und die Scheren-Alternative "Calligraph", eine Friseursklinge, stellte ihr Erfinder Frank Brormann schon vor fünf Jahren im Frühstücksfernsehen vor - mit denselben illustrierenden Schnittblumen-Schnitzereien, mit denen er die Klinge nun auch bei den Löwen pitchte.

Aber klar, man konnte keinesfalls auf einen Kandidaten verzichten, der glaubhaft mild-creepige Sätze wie "Haare zu berühren ist das größte Glück auf Erden" zum Besten gibt und hofft, dank seines Klingen-Vermächtnisses "Fußstapfen auf diesem Planeten" zu hinterlassen. Sein "Calligraph" soll die Haarspitzen abgeschrägt kürzen und damit weicher und fülliger machen, verspricht er, säbelt bedeutungsvoll an einer Mini-Strähne von Judith Williams herum - und die Löwen balgen sich derart theatralisch um sein Produkt, dass man sich plötzlich in einer Aufführung von "First World Problems - das Musical" wähnt und auf die nächste turbulente Gruppen-Tanzszene wartet.

"Du flashst mich hier gerade wirklich als Typ"

Eine Million Euro bieten gleich zwei Löwen-Teams dem Klingenmann für 25 Prozent seines Unternehmens, die Hälfte in bar, den Rest als Werbebudget. Wöhrl und Maschmeyer klimpern auf dem Höhepunkt des Buhlens mit dem Kleingeld, so ein halbes Milliönchen rauf oder runter sei als Anschubfinanzierung auch kein Problem. Thelen probiert es auf der persönlichen Ebene: "Du flashst mich hier gerade wirklich als Typ." Seine Dealpartnerin Williams stellt in Aussicht, in ihren Beautylabors gleich noch ein versiegelndes Spitzenfluid zu entwickeln, das man dann den calligrafiegecutteten Menschen zusätzlich verkaufen könnte - und die beiden bekommen den Zuschlag.

Sie wollen also tatsächlich eine Million Euro investieren, ohne überhaupt eine Frisur gesehen zu haben, die mit der Wunderklinge geschnitten wurde. Die Verhökerbarkeit toppt den tatsächlichen Nutzen, aber das schockt dann ja auch wirklich niemanden mehr. Unverzeihlich dagegen, dass Maschmeyer in der ersten Folge komplett ohne Anekdote aus seinem Vroni-Alltag auskam - und dass er den doch wunderbar auswendig zu lernenden Witz liegenließ, der Deal mit der Schnippelklinge sei keineswegs haarsträubend, sondern ein Spitzengeschäft.

Im Video: Deutsche Erfinder und ihre Ideen

Weitere Artikel

Forum

Forumskommentare zu diesem Artikel lesen
Anzeige
© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH