Neues RTL-Dschungelcamp: Unser Heil- und Kostenplan

Von

Berufsblondinen, traumatisierte Promi-Kinder, Ex-Kriminelle: RTL gibt jedem eine zweite Chance. Am Freitag startet das Dschungelcamp, die größte Wiedereingliederungsmaßnahme im deutschen TV. Wir legen die Therapieziele der Insassen fest - und wagen für jeden eine Sozialprognose.

"Ich bin Star": Wo geht es zur nächsten Kamera? Fotos
RTL/ Stefan Gregorowius

Georgina Fleur, 22, ehemalige "Bachelor"-Kandidatin

Auffällig geworden durch:

Stellt notorisch Männern nach, die über ein höheres Einkommen verfügen (oder so tun als ob). Zuerst auffällig geworden durch die Kuppelshow "Der Bachelor", später durch die über die "Bild"-Zeitung lancierte Beziehung zu Millionärs-Sohn "Andy". Fleurs nüchterne Bilanz: War gar kein Prinz, sondern nur ein Frosch.

Georgina Fleur: Nicht ohne meine beiden "Freunde" Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Georgina Fleur: Nicht ohne meine beiden "Freunde"

Therapieziel:

Nach der ausgiebigen Konfrontationstherapie mit Fröschen im australischen Dschungel wird Georgina endgültig von der Zwangsvorstellung geheilt sein, durchs Küssen schleimiger Amphibien einen Ernährer zu finden. Verlässt kurz nach der Halbzeit das Camp mit dem Spruch, dass sie sich ab jetzt nur noch auf ihre beiden Freunde verlassen werde. Gemeint sind ihre angeblich mit 600 Gramm Silikon aufgerüsteten Brüste.

Sozialprognose:

Gut. Macht zukünftig Fotos für zweitklassige Männermagazine, die Gage bewegt sich im soliden unteren vierstelligen Bereich. Es gibt aber auch längerfristige Verpflichtungen. Wird 2014 das "Gesicht" der Erotikmesse "Venus".


Iris Klein, 45, Mutter von Daniela Katzenberger

Auffällig geworden durch:

Hat eine Tochter geboren, die nach einigen Umbauarbeiten zur Trash-Diva des deutschen Fernsehens avancierte. Mama versucht seitdem im martialischen Mannheimerisch ein wenig Aufmerksamkeit für sich abzuzweigen. Erfolglos, bislang reichte es nicht mal für eine Diät-Soap bei RTL II.

Iris Klein: Mama Katzenberger will auch ein bisschen Aufmerksamkeit Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Iris Klein: Mama Katzenberger will auch ein bisschen Aufmerksamkeit

Therapieziel:

Nach eigener Aussage will sie die angespannte Versorgungslage im Camp für eine Diät nutzen. Die Folgen für die anderen Lagerinsassen sind gravierend: Mit Verweis auf den Kalorienwert verweigert Klein die Nahrungsaufnahme am Maden-Buffet und verspielt Essensration um Essensration für die Dschungel-Mitbewohner. Die hassen sie dafür, aber die Zuschauer wählen sie einfach nicht raus.

Sozialprognose:

Schlecht. Zwar hat Mama Katzenberger ihre Popularitätswerte gesteigert, aber nachdem Super-RTL, die allerletzte Instanz bei RTL vor dem Fernsehtod, zwischenzeitlich über eine Abspeck-Show nachgedacht hat, muss der Sender eingestehen: Die Frau ist durch die Dschungel-Diät zu dünn. Schmarotzt seitdem wieder bei der Tochter.


Silva Gonzales, 33, Sänger der Hot Banditoz

Auffällig geworden durch:

Verkaufte dem deutschen Publikum spanische Kinderlieder als Beischlafmusik. "Veo Veo", der Hit seiner Band Hot Banditoz aus dem Jahr 2004, fußt auf einem Lied, mit dem im iberischen Raum Fünfjährige für die dort beliebten Mini-Discos angeheizt werden. Bei Auftritten vor stark alkoholisierten Großraumdiscos interpretiert Gonzales den Klassiker als amtliche Anfass-Animation.

Silva Gonzales: Zade, du bist bald raus! Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Silva Gonzales: Zade, du bist bald raus!

Therapieziel:

Will sich nach eigenen Angaben im Camp verlieben. Außerdem sucht er Anerkennung als ernsthafter Künstler und singt selbst komponierte Flamenco-Nummern. Kriegt so fast alle weiblichen Lagerinsassen in den Dschungelcamp-Tümpel. Muss trotzdem zur Staffelmitte gehen, weil keiner mehr seine penetrant gelispelten S-Laute erträgt.

Sozialprognose:

Mäßig. Nach den Flamenco-Ausflügen geht es zurück ins Ballerballer-Reich. Endstation Möbelhauseröffnung.


Helmut Berger, 68, Ex-Ikone des Europäischen Kunstkinos

Auffällig geworden als:

Schönster Mann Europas. Drehte in den siebziger Jahren Klassiker wie "Ludwig II" oder die Oscar-Wilde-Verfilmung "Dorian Gray". Anders als der Held im Roman alterte für ihn aber leider nicht stellvertretend sein Porträt. Gier, Suff, Größenwahn haben sich in sein Gesicht eingeschrieben. Heute die schönste Ruine des Europäischen Kunstkinos.

Helmut Berger: Die schönste Ruine des Europäischen Kinos Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Helmut Berger: Die schönste Ruine des Europäischen Kinos

Therapieziel:

Wird zwangsweise trocken gelegt. Ein Zustand, in dem Berger vermutlich nicht funktioniert. Mit dem richtigen Pegel ist er immer noch ein großer Illusionierungskünstler, rezitiert in der Wohnung seiner toten Mutter ganze Drehbücher auf Italienisch, als stünde er wieder am Set von "Ludwig II". Solche Vorstellungen hat er auch für den Busch angekündigt. Wird dort aber eher - wenn es gut für ihn läuft - dahindämmern. Bleibt bis zum Ende, falls ihn keiner vorher rausschiebt.

Sozialprognose:

Unangemessen bei einem Künstler wie ihm. Helmut Berger bleibt das Gesamtkunstwerk, das er vorher war.


Claudelle Deckert, 36, TV-Biest

Auffällig geworden durch:

Intrigen. Spielt die Böse vom Dienst, etwa in "Unter uns", "Rote Rosen" und in letzter Zeit vor allem in der Inga-Lindström-Reihe des ZDF.

Claudelle Deckert: Wo bleiben da die inneren Werte? Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Claudelle Deckert: Wo bleiben da die inneren Werte?

Therapieziel:

Endlich mal der Welt zeigen, dass bei ihr die inneren Werte zählen. Erzählt beim gemeinsamen Nacktbaden im Dschungelcamp-Tümpel dem Hot Bandito Gonzales, dass keiner weiß, wie sensibel sie eigentlich ist. Fliegt nach drei Folgen trotzdem raus, weil sie wirklich jeden nervt.

Sozialprognose:

Ungünstig. Den Mini-Ruhm durch die Dschungelcamp-Teilnahme hat Deckert, wie sie selbst bekanntgab, vorab genutzt, um den Deal für ein "Playboy"-Shooting auszuhandeln. Die Bilder erscheinen nach Ausstrahlung der "Ich bin ein Star"-Staffel. Aber dann sind die Brüste Deckerts bereits bundesweit bekannt, der "Playboy" bleibt im Regal liegen. Und, blöd gelaufen, die Macher der Familien-Soap "Inga Lindström" wollen nicht mit einer Masturbationshilfe zusammenarbeiten.


Arno Funke alias "Dagobert", 62, ehemaliger Erpresser

Auffällig geworden durch:

Erpresste zwischen 1988 und 1994 - meist erfolgreich - Kaufhäuser. Machte dafür zahlreiche Erfindungen. Spektakulär das selbstgebastelte Schienenfahrzeug, mit dem er sich - erfolglos - 1,4 Millionen D-Mark Lösegeld abholen wollte. Verprasste die Beute, kam ins Gefängnis, malt heute Karikaturen.

Arno Funke alias "Dagobert": Basteln für die Camp-Kumpels Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Arno Funke alias "Dagobert": Basteln für die Camp-Kumpels

Therapieziel:

Basteln, basteln, basteln. Diesmal nicht zur persönlichen Bereicherung, sondern für die Kumpels im Camp. 'Ne Bahre mit Kokosnussrollen für den siechen Berger, 'ne Dusche aus Bambusrohren für Mama Katzenberger. Alle mögen den kompetenten Ex-Knacki, auch die Zuschauer. Schafft es unter die letzten Drei.

Sozialprognose:

Trotz des tollen Zuspruchs bescheiden. Selbst wenn Arno Funke aus dem Dschungelcamp summa summarum einen niedrigen sechsstelligen Betrag mitnimmt - an die Millionen seiner Erpresserkarriere reicht das nicht heran. Leidet am Ende unter der Erkenntnis: Früher habe ich die Leute verarscht, heute verarschen sie mich. Rückfall nicht ausgeschlossen.


Patrick Nuo, 30, Künstlerdarsteller

Auffällig geworden durch:

Schwer zu sagen, macht alles. Von Telenovelas wie "Lotta in Love" bis zum Arschbombenspektakel "TV total Turmspringen". Sieht sich selbst wohl als Sänger.

Patrick Nuo: Ich bin ein Sänger, bringt mich da rein! Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Patrick Nuo: Ich bin ein Sänger, bringt mich da rein!

Therapieziel:

Die Leute sollen sehen, dass hinter seinem gelackten Äußeren eine verletzliche Seele steckt. Kann irgendwann sein reines Herz nicht mehr zurückhalten und singt ein neu komponiertes Lied. Verwirrte Zuschauer, die denken, sie hätten "Deutschland sucht den Superstar" eingeschaltet, voten für ihn und halten ihn so im Camp.

Sozialprognose:

Stabil. Findet mit beängstigender Sicherheit die nächste Kamera, vor der er sich produzieren kann. Als was auch immer.


Allegra Curtis, 46, Promi-Tochter

Auffällig geworden durch:

Psycho-Murks verbreiten über ihren berühmten toten Vater Tony Curtis. Sagt in Interviews, dass sie nicht so gerne über ihn spricht - um dann sämtliche Drogensünden und Altersneurosen auszubreiten. Über Mutter Christine Kaufmann sagt sie nur Nettes. War schon beim "Promi-Dinner".

Allegra Curtis: Plappert gerne über Papa Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Allegra Curtis: Plappert gerne über Papa

Therapieziel:

Endlich mal in einer hochwertigen Fernsehproduktion mitwirken, das ist gut für das geknickte Promikind-Ego. Wird ein kurzes Vergnügen: Bald kann im RTL-Camp niemand mehr die Geschichten hören über den berühmten Vater und den Schatten, den er über die kleine Allegra warf.

Sozialprognose:

Schlecht. Nach der Dschungel-Therapie geht es direkt zurück auf die Couch des Promi-Psychotherapeuten. Das wird richtig teuer.


Fiona Erdmann, 24, Model oder Sängerin oder so

Auffällig geworden durch:

Schwere Castingshow-Abhängigkeit und Kamera-Sucht. Ließ sich erst von den "Popstars"-Juroren zusammenfalten und später von Heidi Klum bei "Germany's Next Topmodel".

Fiona Erdmann: Wiedereingliederung fraglich Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Fiona Erdmann: Wiedereingliederung fraglich

Therapieziel:

Therapie? Braucht sie nicht! Wo ist noch mal die Kamera? Sitzt trotzig und halbnackt im kalten Dschungel-Tümpel, bis die Lippen blau anlaufen. Hilft nichts: Soll nach fünf Folgen gehen. Stellt sich aber stur und bleibt im trüben Wasser hocken.

Sozialprognose:

Mies. Hat sich schon nach dem "Topmodel"-Rauswurf für den "Playboy" ausgezogen. Von dieser Seite ist also nicht mit weiterem Blitzlichtgewitter zu rechnen. Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt fraglich.


Olivia Jones, 43, Drag Queen und Reeperbahn-Raubritter

Auffällig geworden durch:

Fällt auf Hamburg-St.-Pauli mit 20-Zentimeter-Highheels und blitzendem Blechkleidchen über Busladungen von Sauerländer Touristen her, die er/sie dann in Kaschemmen abschleppt, die angeblich den wahren Kiez verkörpern. Meist enden die Touren in der eigenen Bar, wo die Herrschaften dann ganz authentisch zur Kasse gebeten werden.

Olivia Jones: Und immer schön die Touris ausnehmen Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Olivia Jones: Und immer schön die Touris ausnehmen

Therapieziel:

Dem normalen RTL-Zuschauer zeigen, dass Männer auch nur Mädchen sind. Schwierig: Highheels und Fummel sind im Busch wohl nicht dabei. Und diesem kräftigen Kerl namens Oliver Knöbel, der da mit selbstgebastelter Palmen-Perücke im Unterholz hockt, will niemand seine feminine Seite abkaufen.

Sozialprognose

Stabil. Gibt nach dem Dschungelcamp einfach weiter das schrille Reeperbahn-Faktotum.


Joey Heindle (19), Ex-Kandidat von "Deutschland sucht den Superstar"

Auffällig geworden durch:

Vorzeitiges Altern. Ist mit seinen 19 Jahren schon an dem Karrierepunkt angelangt, wo andere mit 39 oder 49 stehen. Der Münchner Junge, der Anfang des Jahres den fünften Platz bei der neunten "Deutschland sucht den Superstar"-Staffel machte, ist so verzweifelt, dass er am Freitag parallel zum Dschungelcamp-Start die Single "Hol mich raus!" auf den Markt schmeißt.

Joey Heindle: So ein niedlicher Bub, so eine finstre Seele Zur Großansicht
RTL/ Stefan Gregorowius

Joey Heindle: So ein niedlicher Bub, so eine finstre Seele

Therapieziel:

Will im Busch endlich zu sich selbst finden. Hat überraschenderweise eine Kopie von Joseph Conrads düsterem Kolonial-Roman "Das Herz der Finsternis" ins Camp geschmuggelt, aus dem er dem siechen Helmut Berger vorliest. Der Gänsehautmoment der diesjährigen "Ich bin ein Star"-Staffel. So ein niedlicher Bub, so eine finstre Seele.

Sozialprognose:

Ausgezeichnet. Checkt nach der Heimkehr aus dem Urwald die Single-Verkäufe und holt dann ernüchtert das Abitur nach, um Literaturwissenschaften studieren zu können.


Fotostrecke

13  Bilder
"Ich bin ein Star": Die den RTL-Dschungel überlebten

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 111 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Sarah Dingens
Peter-Lublewski 08.01.2013
Eine erlesene Ansammlung gescheiterter Existenzen und anderer Möchtegernkünstler. Ich hoffe, die Staffel wird so gut wie die mit Mathieu Carrière und Sarah Dingerns :-)
2.
hasenfuss27 08.01.2013
Spannend - ich kenne von den "Insassen" dies Jahr nur noch eine(n) - Olivia Jones... Entweder werde ich alt oder aber selbst D-Promis sind sich mittlerweile zu schade für diesen - äh - kulturellen Hochgenuss...
3. Bravo!
Eylin Pauli 08.01.2013
Glückwunsch zu dieser erstklassigen Analyse! Selten so gelacht.
4. Ungenannt
noalk 08.01.2013
Warum kein Wort zu Frau Zietlow? Ach ja, die kann ja nicht rausgwählt werden.
5. mal wieder ein Tiefpunkt...
gannicus 08.01.2013
aber trotzdem werden wir es gucken. :)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Dschungelcamp
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 111 Kommentare

Fotostrecke
"Ich bin ein Star": Die den RTL-Dschungel überlebten