Sat.1-Satire über Uli Hoeneß Durch den Fleischwolf gedreht

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"Die Udo-Honig-Story" malt aus, wie es dem Fußballmanager und Steuersünder Uli Hoeneß im Gefängnis geht. Eine grobe, aber nicht unsympathische Verwurstung des Wurstfabrikanten.

Der Mundkniff, das ist das Entscheidende. Wer Uli Hoeneß spielen will, muss diese leicht eingesogenen, zusammengepressten Lippen hinbekommen, sein umgedrehtes, breites Mund-U. Dazu noch den richtigen bairisch-schwäbisch-Hochdeutsch-Mix, das ist dann schon der halbe Wurstfabrikant, so grausam funktioniert nun mal das Parodistenbrennglas. Uwe Ochsenknecht meistert diese beiden Hoeneß-Disziplinen in "Die Udo-Honig-Story" ziemlich gut, nicht als naturalistisch gemeinte Studie, sondern mild-satirisch. Wie überhaupt auch die ganze Produktion die Realität in ihren Grundzügen nur sanft überdreht.

Die Ufa-Fiction-Produktion erzählt die Geschichte des Udo Honig, Fußballmanager des FC Rot-Weiß Oberbayern, der nach gewaltiger Steuerhinterziehung im Gefängnis landet. "Wir haben einen neuen Spielstand: Honig: 28 Millionen - Deutschland: 0" brüllen die Mithäftlinge, als der Gefallene ins Gefängnis einzieht.

Sie tragen Nummern auf dem Rücken ihrer verwaschen-blauen Gefängniskluft, ein nicht näher erklärter Klamauk, wie sich auch nicht weiter erschließt, warum die Gefängniswärter operettenhafte Fantasie-Uniformen tragen, als gehörten sie zur Leibgarde eines wahnwitzig überkandidelten Multimillionärs.

Seehofer und Markwort lassen grüßen

Nach einigen Akklimatisierungsbeschwerden gelingt es Honig, die marode Knastwursterei zu drehen und zum hochprofitablen Betrieb umzustrukturieren. Dem Knastdirektor gibt er obendrein Börsentipps und steigt so zum Edel-Insassen auf.

Mit Ochsenknecht spielen unter anderem Hannes Jaenicke als "Franz Kaiser", eine gesichtsüberbräunte Beckenbauer-Parodie an der Grenze zum Blackfacing, Heiner Lauterbach als Anstaltsdirektor wie aus dem königlich-bayerischen Amtsgericht entsprungen - und Wilson Gonzales Ochsenknecht als junger Honig, der in diesem Part allerdings im direkten Vergleich gegen Robert Stadlober verliert, der in der jüngst gesendeten ZDF-Produktion "Uli Hoeneß - Der Patriarch" ebenfalls den jungen Hoeneß verkörperte. Falls es allerdings einmal Bedarf an einer Manuel-Neuer-Filmbiografie geben sollte, wäre der junge Ochsenknecht rein physiognomisch eine formidable Besetzung.

Wie lustig ist die Hoeneß-Verwurstung nun geraten? Zuschauer mit Pennäler-Humor dürfen sich an zahlreichen Personal-Verballhornungen erfreuen: Außer den Ex-Fußballprofis Paul Greitner und Gerd Bomber tritt auch Ministerpräsident Horst Hofersee auf, von Chefredakteur Helmut Mehrwert vom Magazin "Locus" und vom "verschnupften" Konkurrenztrainer Christoph Schaum ist die Rede, und Udo Honig beschenkt seine Mitknastler mit Unterhosen der Firma Scheiser. Ja, mei.

Manchmal wirkt die Arbeit von Regisseur Uwe Janson und Autor David Ungureit sonderbar inkonsistent, etwa wenn die Klamottenhandlung mit Psycho-Einsprengseln versehen wird: Die Gefängnispsychologin (Shadi Hedayati), die von Honigs Zellengenosse selbstverständlich als "beinharte Emanzenlesbe" bezeichnet wird, will in die tiefste Psyche des Steuerhinterziehers eindringen und stochert in seiner Kindheit - ganz so, als wolle die Komödie den real existierenden Hoeneß nicht nur verulken, sondern gleichzeitig auch psychologisch ausleuchten.

Das führt zu so unbehaglichen Momenten binsenweiser Lebenstipps: "Geh in dich und leuchte", rät Honig einmal seinem Zellenkumpel. Man müsse im Leben einfach nur wissen, was man will. Zusätzlich sonderbar wirken einzelne Szenen aus dem realen Hoeneß-Leben, etwa sein fast wortgetreu nachgespielter legendärer Jahreshauptkonferenz-Ausraster ("Für die Scheißstimmung seid ihr doch selbst verantwortlich").

Ein paar Umdrehungen mehr an der Vermampfungsmaschine, die Realität und Fantasie zu feinem, geschmackigem Brät vermengt, hätten der "Udo-Honig-Story" nicht geschadet.

Echte Hoeneß-Kenner können sich zumindest über ein Detail freuen: Sein geliebter Hund, der während des Gefängnisaufenthalt seines Herrchens starb, wird ausgiebig gewürdigt - auch wenn man hier schändlicherweise keinen Wert auf ähnlichkeitsbasierte Besetzung legte. Der blonde Labrador wird von einem schwarzen Spitzohr gespielt.


"Die Udo-Honig-Story", Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.



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spon-facebook-10000015195 08.09.2015
Stäffelesrutscher 08.09.2015
Pandora0611 08.09.2015
g-meckeler 08.09.2015
g-meckeler 08.09.2015
tigranes 08.09.2015
herbert 09.09.2015
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alexandra_von_plotho 09.09.2015
shalom-71 09.09.2015

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