Afghanistan-Doku im ZDF Wenn der Einsatz im Sand verläuft

In der Wüste sind alle gleich: Das ist das Fazit der ZDF-Doku "Schulter an Schulter", die zwei Soldaten porträtiert - einen Deutschen und einen Afghanen. Der Film enthält sich jeder Bewertung und gibt gerade deshalb eine neue Sicht auf den Afghanistan-Krieg.

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Afghanistan? Zu dem Thema ist eigentlich alles gesagt. Knapp 5000 Bundeswehrsoldaten sind derzeit am Hindukusch im Einsatz, bis Ende 2014 will die Bundesregierung ihre Truppen abziehen. Niemand glaubt daran, dass bis dahin Stabilität und Demokratie in dem kriegsgebeutelten Land einziehen.

Hat sich der Einsatz der internationalen Schutztruppe in Afghanistan überhaupt gelohnt? War der Tod von 52 Bundeswehrsoldaten umsonst?

Mehrere Fernsehfilme haben in den vergangenen Monaten versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Shaheen Dill-Riaz nähert sich dem Thema in seinem ZDF-Dokumentarfilm "Schulter an Schulter" auf andere Weise. Er porträtiert zwei Soldaten, die im nordafghanischen Kunduz Dienst tun. Den deutschen Hauptmann Daniel S. im Feldlager der Bundeswehr und den drei Kilometer entfernt im afghanischen Militärlager stationierten Leutnant Mehdi M..

"Wir haben die Uhren, die Afghanen haben die Zeit"

Die politische Diskussion in Deutschland spielt in dem Film nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich zeigt Dill-Riaz die Schwierigkeiten bei der Ausbildung der afghanischen Soldaten, die schon mit Stillstehen und Marschieren ihre Probleme haben und deren Disziplin und Pünktlichkeit ein deutscher Kommandeur mit dem Satz beschreibt: "Wir haben die Uhren, die Afghanen haben die Zeit."

Doch die eigentliche Botschaft des Films lautet: In der Staub- und Sandwüste Afghanistans sind alle gleich. Ob Deutscher oder Afghane - beide schlafen in spartanischen Unterkünften, bekommen eintöniges Essen vorgesetzt, haben den gleichen monotonen Tagesablauf und kämpfen mit dem Heimweh. Die Bundeswehrsoldaten verbringen ihre Freizeit in der Muckibude, die Afghanen züchten lieber Rebhühner, mit denen sie über den staubigen Kasernenhof toben.

Trotz aller Widrigkeiten lieben beide ihren Beruf. "Wir sind aus verschiedenen Ländern. Aber wir erfüllen die gleichen Aufgaben", sagt Leutnant Mehdi. Auch wenn Daniels Frau und Kinder Tausende Kilometer entfernt in Deutschland leben und Mehdis Familie im wenige hundert Kilometer entfernten Kabul - auch der Afghane kann nur alle vier bis fünf Monate nach Hause.

Und doch offenbart der Film die unterschiedlichen Lebenswelten aus denen die beiden Soldaten kommen. Zwar muss Daniels Frau Sandra während seines Einsatzes die beiden Kinder allein erziehen - Mehdis Frau Marina hat es ungleich schwerer: In der Abwesenheit ihres Gatten wird für die alleinstehende Afghanin schon das Einkaufen oder der Besuch bei Verwandten zum Spießrutenlauf. "Ohne Mann ist es nicht einfach. Dann reden die Leute", sagt Marina.

"Liebe? So etwas gab es damals nicht"

Die Soldatenfrauen schildern ebenso eindrücklich, wie sie ihre Männer kennenlernten. Für Sandra war es Liebe auf den ersten Blick, als sie Daniel das erste Mal bei McDonald's traf und er 20 Chicken McNuggets mit drei Packungen Barbecue-Soße bestellte. Marina und Mehdi lernten sich auf Familienfeiern kennen, sie sind Cousin und Cousine. Irgendwann beschlossen sie dann zu heiraten, aber "Liebe? So etwas gab es damals nicht", bekennt Marina offen.

Mehdi trägt bis heute die Narben von Tattoos mit seinen Initialen und denen "von einer, die ich geliebt habe. Geheiratet habe ich eine andere, weil in Afghanistan die Traditionen streng sind", sagt er. Trotzdem strahlen Mehdi und seine Frau Vertrautheit und Zuneigung aus, wenn sie in ihrem kargen Kabuler Haus mit ihren Kindern spielen und scherzen, dass sie sich jetzt eigentlich schon wie "Omi und Opi" fühlen.

Die Stärke des Films liegt darin, dass er die Aussagen und das Alltagsleben der beiden Männer und ihrer Frauen unkommentiert gegeneinander schneidet. Dill-Riaz bewertet seine Protagonisten nicht, sondern lässt sie auf den Zuschauer wirken.

Einziges Manko: Die Dokumentation lässt den Zuschauer im Unklaren darüber, ob sich Daniel und Mehdi während ihres Einsatzes überhaupt jemals begegnen. Zwar unterweist der Deutsche afghanische Kameraden beim Schießtraining, ob er jedoch mit Mehdi je ein Wort wechselt, wird nicht deutlich. Dabei wäre es für den Zuschauer schon interessant gewesen zu erfahren, was sich die beiden zu sagen hätten.


"Schulter an Schulter", Montag, 0.15 Uhr, ZDF



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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
der_pirat 26.11.2012
1. Gleich
Auch wenn in einem ähnlichen Zelt schlafen, so gibt es doch einen Untetschied: - Der Deutsche möchte, dass seine Tochter das nicht durchmachen muss und schickt daher alle Mittel, die er hat nach Hause, - Der Afgahne würde eine Tochter am liebsten vergraben. Dass sie die Zukunft der Familie sein könnte, ist unvostellbar. Hier hilft nur Bildung aller Mädchen und Jungen. Sonst nichts.
H-Vollmilch 26.11.2012
2. Für den Uhrzeit-Legastheniker
Zitat von sysopZDFIn der Wüste sind alle gleich: Das ist das Fazit der ZDF-Doku "Schulter an Schulter", die zwei Soldaten porträtiert - einen Deutschen und einen Afghanen. Der Film enthält sich jeder Bewertung und gibt gerade deshalb eine neue Sicht auf den Afghanistankrieg. http://www.spiegel.de/kultur/tv/die-zdf-doku-schulter-an-schulter-zeigt-soldaten-in-afghanistan-a-868799.html
Das ist dann am Dienstag! Spiegel-Qualität wie man sie kennt, nech?
adazaurak 26.11.2012
3. welch absurde Zeit
zu welch absurder Zeit wird das gezeigt? damit auch ja keiner gutes Fernsehen schauen kann und möglicherweise Leute anfangen nachzudenken. Stattdessen werden wir zur besten Sendezeit mit verdummungstrash bestrahlt. und das ganze dann noch mit der Zwangsabgabe GEZ von uns selbst bezahlt. Armes Deutschland
lisa_lange 26.11.2012
4. schon jetzt sehen?
Kann es sein das die Doku schon jetzt hier zu sehen ist? http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1778636/Schulter-an-Schulter?flash=off ... auf "Abspielen" klicken
lisa_lange 26.11.2012
5.
Zitat von adazaurakzu welch absurder Zeit wird das gezeigt? damit auch ja keiner gutes Fernsehen schauen kann und möglicherweise Leute anfangen nachzudenken. Stattdessen werden wir zur besten Sendezeit mit verdummungstrash bestrahlt. und das ganze dann noch mit der Zwangsabgabe GEZ von uns selbst bezahlt. Armes Deutschland
Du kannst die Doku sobald sie online ist, jederzeit hier sehen: Schulter an Schulter (ZDF Doku) @dokumonster »» die besten dokus online im stream gucken (http://dokumonster.de/sehen/6935-schulter-an-schulter-zdf-doku/)
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