Afghanistan-Doku im ZDF: Wenn der Einsatz im Sand verläuft

Von Christoph Sydow

In der Wüste sind alle gleich: Das ist das Fazit der ZDF-Doku "Schulter an Schulter", die zwei Soldaten porträtiert - einen Deutschen und einen Afghanen. Der Film enthält sich jeder Bewertung und gibt gerade deshalb eine neue Sicht auf den Afghanistan-Krieg.

ZDF-Dokumentarfilm: "Schulter an Schulter" im afghanischen Staub
Fotos
ZDF

Afghanistan? Zu dem Thema ist eigentlich alles gesagt. Knapp 5000 Bundeswehrsoldaten sind derzeit am Hindukusch im Einsatz, bis Ende 2014 will die Bundesregierung ihre Truppen abziehen. Niemand glaubt daran, dass bis dahin Stabilität und Demokratie in dem kriegsgebeutelten Land einziehen.

Hat sich der Einsatz der internationalen Schutztruppe in Afghanistan überhaupt gelohnt? War der Tod von 52 Bundeswehrsoldaten umsonst?

Mehrere Fernsehfilme haben in den vergangenen Monaten versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Shaheen Dill-Riaz nähert sich dem Thema in seinem ZDF-Dokumentarfilm "Schulter an Schulter" auf andere Weise. Er porträtiert zwei Soldaten, die im nordafghanischen Kunduz Dienst tun. Den deutschen Hauptmann Daniel S. im Feldlager der Bundeswehr und den drei Kilometer entfernt im afghanischen Militärlager stationierten Leutnant Mehdi M..

"Wir haben die Uhren, die Afghanen haben die Zeit"

Die politische Diskussion in Deutschland spielt in dem Film nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich zeigt Dill-Riaz die Schwierigkeiten bei der Ausbildung der afghanischen Soldaten, die schon mit Stillstehen und Marschieren ihre Probleme haben und deren Disziplin und Pünktlichkeit ein deutscher Kommandeur mit dem Satz beschreibt: "Wir haben die Uhren, die Afghanen haben die Zeit."

Doch die eigentliche Botschaft des Films lautet: In der Staub- und Sandwüste Afghanistans sind alle gleich. Ob Deutscher oder Afghane - beide schlafen in spartanischen Unterkünften, bekommen eintöniges Essen vorgesetzt, haben den gleichen monotonen Tagesablauf und kämpfen mit dem Heimweh. Die Bundeswehrsoldaten verbringen ihre Freizeit in der Muckibude, die Afghanen züchten lieber Rebhühner, mit denen sie über den staubigen Kasernenhof toben.

Trotz aller Widrigkeiten lieben beide ihren Beruf. "Wir sind aus verschiedenen Ländern. Aber wir erfüllen die gleichen Aufgaben", sagt Leutnant Mehdi. Auch wenn Daniels Frau und Kinder Tausende Kilometer entfernt in Deutschland leben und Mehdis Familie im wenige hundert Kilometer entfernten Kabul - auch der Afghane kann nur alle vier bis fünf Monate nach Hause.

Und doch offenbart der Film die unterschiedlichen Lebenswelten aus denen die beiden Soldaten kommen. Zwar muss Daniels Frau Sandra während seines Einsatzes die beiden Kinder allein erziehen - Mehdis Frau Marina hat es ungleich schwerer: In der Abwesenheit ihres Gatten wird für die alleinstehende Afghanin schon das Einkaufen oder der Besuch bei Verwandten zum Spießrutenlauf. "Ohne Mann ist es nicht einfach. Dann reden die Leute", sagt Marina.

"Liebe? So etwas gab es damals nicht"

Die Soldatenfrauen schildern ebenso eindrücklich, wie sie ihre Männer kennenlernten. Für Sandra war es Liebe auf den ersten Blick, als sie Daniel das erste Mal bei McDonald's traf und er 20 Chicken McNuggets mit drei Packungen Barbecue-Soße bestellte. Marina und Mehdi lernten sich auf Familienfeiern kennen, sie sind Cousin und Cousine. Irgendwann beschlossen sie dann zu heiraten, aber "Liebe? So etwas gab es damals nicht", bekennt Marina offen.

Mehdi trägt bis heute die Narben von Tattoos mit seinen Initialen und denen "von einer, die ich geliebt habe. Geheiratet habe ich eine andere, weil in Afghanistan die Traditionen streng sind", sagt er. Trotzdem strahlen Mehdi und seine Frau Vertrautheit und Zuneigung aus, wenn sie in ihrem kargen Kabuler Haus mit ihren Kindern spielen und scherzen, dass sie sich jetzt eigentlich schon wie "Omi und Opi" fühlen.

Die Stärke des Films liegt darin, dass er die Aussagen und das Alltagsleben der beiden Männer und ihrer Frauen unkommentiert gegeneinander schneidet. Dill-Riaz bewertet seine Protagonisten nicht, sondern lässt sie auf den Zuschauer wirken.

Einziges Manko: Die Dokumentation lässt den Zuschauer im Unklaren darüber, ob sich Daniel und Mehdi während ihres Einsatzes überhaupt jemals begegnen. Zwar unterweist der Deutsche afghanische Kameraden beim Schießtraining, ob er jedoch mit Mehdi je ein Wort wechselt, wird nicht deutlich. Dabei wäre es für den Zuschauer schon interessant gewesen zu erfahren, was sich die beiden zu sagen hätten.


"Schulter an Schulter", Montag, 0.15 Uhr, ZDF

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insgesamt 12 Beiträge
der_pirat 26.11.2012
Auch wenn in einem ähnlichen Zelt schlafen, so gibt es doch einen Untetschied: - Der Deutsche möchte, dass seine Tochter das nicht durchmachen muss und schickt daher alle Mittel, die er hat nach Hause, - Der Afgahne würde eine [...]
Auch wenn in einem ähnlichen Zelt schlafen, so gibt es doch einen Untetschied: - Der Deutsche möchte, dass seine Tochter das nicht durchmachen muss und schickt daher alle Mittel, die er hat nach Hause, - Der Afgahne würde eine Tochter am liebsten vergraben. Dass sie die Zukunft der Familie sein könnte, ist unvostellbar. Hier hilft nur Bildung aller Mädchen und Jungen. Sonst nichts.
H-Vollmilch 26.11.2012
Das ist dann am Dienstag! Spiegel-Qualität wie man sie kennt, nech?
Zitat von sysop"Schulter an Schulter", Montag, 0.15 Uhr, ZDF
Das ist dann am Dienstag! Spiegel-Qualität wie man sie kennt, nech?
adazaurak 26.11.2012
zu welch absurder Zeit wird das gezeigt? damit auch ja keiner gutes Fernsehen schauen kann und möglicherweise Leute anfangen nachzudenken. Stattdessen werden wir zur besten Sendezeit mit verdummungstrash bestrahlt. und das ganze [...]
zu welch absurder Zeit wird das gezeigt? damit auch ja keiner gutes Fernsehen schauen kann und möglicherweise Leute anfangen nachzudenken. Stattdessen werden wir zur besten Sendezeit mit verdummungstrash bestrahlt. und das ganze dann noch mit der Zwangsabgabe GEZ von uns selbst bezahlt. Armes Deutschland
lisa_lange 26.11.2012
Kann es sein das die Doku schon jetzt hier zu sehen ist? http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1778636/Schulter-an-Schulter?flash=off ... auf "Abspielen" klicken
Kann es sein das die Doku schon jetzt hier zu sehen ist? http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1778636/Schulter-an-Schulter?flash=off ... auf "Abspielen" klicken
lisa_lange 26.11.2012
Du kannst die Doku sobald sie online ist, jederzeit hier sehen: Schulter an Schulter (ZDF Doku) @dokumonster »» die besten dokus online im stream gucken (http://dokumonster.de/sehen/6935-schulter-an-schulter-zdf-doku/)
Zitat von adazaurakzu welch absurder Zeit wird das gezeigt? damit auch ja keiner gutes Fernsehen schauen kann und möglicherweise Leute anfangen nachzudenken. Stattdessen werden wir zur besten Sendezeit mit verdummungstrash bestrahlt. und das ganze dann noch mit der Zwangsabgabe GEZ von uns selbst bezahlt. Armes Deutschland
Du kannst die Doku sobald sie online ist, jederzeit hier sehen: Schulter an Schulter (ZDF Doku) @dokumonster »» die besten dokus online im stream gucken (http://dokumonster.de/sehen/6935-schulter-an-schulter-zdf-doku/)
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  • Montag, 26.11.2012 – 12:33 Uhr
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Beschlüsse der Kabuler Afghanistan-Konferenz
Die afghanische Regierung will spätestens 2014 die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land von den ausländischen Truppen übernehmen. Mitte 2011 will Deutschland beginnen, seine Truppen abzuziehen. Derzeit sind in Afghanistan unter dem Kommando der Nato rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Ländern stationiert. Um den Abzug zu ermöglichen, werden derzeit afghanische Soldaten und Polizisten ausgebildet. Die internationale Gemeinschaft rechnet damit, dass Afghanistan bis zum Herbst 2011 171.600 Soldaten und 134.000 Polizisten benötigt. Deutschland beteiligt sich an dem Aufbau der afghanischen Armee und bildet zudem mit gut 200 Polizeibeamten die örtlichen Polizisten in bilateralen Programmen aus.

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz
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Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

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