Dieter Thomas Heck: "Zigarette und Bierglas, zack. Das war schon heavy"

Bei jedem Lied 'ne Kippe und 'n Bier - so steht man die "Hitparade" durch. Fernsehunterhalter Dieter Thomas Heck erinnert sich im Interview an seine legendäre Show, spricht über sein aufreibendes Leben und seine Vergangenheit als Stotterer.

Dieter Thomas Heck: Mister Schlager Fotos
DPA

SPIEGEL ONLINE: Herr Heck, was macht für Sie einen guten Song aus?

Heck: Der Text muss stimmen, und er muss einen in der richtigen Situation treffen. Fröhlich und ausgelassen kannst du ja eine ganze Menge hören. Nur in anderen Situationen braucht man so etwas nicht.

SPIEGEL ONLINE: In Schlagern geht es doch fast immer um die Liebe. Öde, oder?

Heck: Keineswegs, das ist ja auch etwas sehr Schönes. Man kann im Schlager nicht jedes Thema behandeln. Manche Sachen passen überhaupt nicht dahin, Mauer und Stacheldraht zum Beispiel. Oder vorhin ist mir die Geier-Sturzflug-Nummer "Besuchen Sie Europa, solange es noch steht" eingefallen, wo es um Neutronenwaffen und so weiter geht, da muss man sagen: Das ist indiskutabel, und das darf schon gar nicht in einer Schlagerparade kommen, wo die Leute auch noch mitklatschen! Weil sie gar nicht zuhören, was da gesungen wird!

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht ja doch.

Heck: Nee. Neutronenwaffen? Wie soll man da mitklatschen?

SPIEGEL ONLINE: Eventuell erkennt das Publikum die Ironie in dem Stück, und klatscht darum mit...

Heck: Nee. Nee. So etwas klatscht keiner mit.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch beschreiben Sie kurz, wie die Neue Deutsche Welle (NDW) Einzug in die Hitparadenwelt hielt. Wie war das hinter den Kulissen, gab's Streit zwischen NDW-Künstlern und Schlagersängern?

Heck: Nein. Da herrschte ein gutes Verhältnis. Der eine oder andere hat mal Kritik geäußert, aber das gab es vorher auch. Man kann eine solche Sendung ja nicht für alle gleich machen. Ich habe immer gesagt: Ich bin lediglich Transporteur der Geschichte! Nicht jemand, der entscheidet, wer kommt und wer nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wer war denn dafür verantwortlich, dass die NDW plötzlich in der Hitparade vorkam?

Heck: Es wurde einfach der Jury des ZDF angeboten, und die sagten ja. Viele Freunde kamen damals auf mich zu und meinten: Das ist nicht dein Ernst! Ich sagte: Ihr werdet euch wundern, aber das gefällt mir! Außerdem: Auch vorher hat mir nicht alles gefallen - aber ich habe schließlich jahrelang für den deutschen Schlager gekämpft. Und wenn es plötzlich eine ganze Welle mit neuer deutscher Musik gibt, wäre es doch furchtbar, jetzt nein zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr schlageraffines Publikum goutierte das aber zuerst nicht, oder?

Heck: Am Anfang war es ein bisschen schwierig, sicherlich wussten ältere Menschen mit "Da, da, da" und "Lass mich rein, lass mich raus" von Trio nicht so viel anzufangen. Aber irgendwann erzählten mir Leute, dass sie verstünden, wieso mir das gefällt. Ich war oft ein Gradmesser für die Leute. Die Musik hat mich offener gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Gab es auch Bands, die der Jury vorgeschlagen wurden, aber nicht kommen wollten?

Heck: Bestimmt, aber die wurden dann gar nicht erst genommen. Das wäre ja auch blöd gewesen, denn im Grunde wollten alle Bands dasselbe: Erfolg haben, verkaufen, um das mal ganz hart zu sagen. Dann in einer Sendung nicht singen zu wollen, weil auch Nicole auftritt, das ist Quatsch.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zu Ihrer eigenen Geschichte: Sie haben Ihr frühkindliches Stottern, das durch das Trauma bei einem Bombeneinschlag ausgelöst wurde, mit viel Übung wegtrainiert...

Heck: Ich war fünf, als ich im Keller verschüttet wurde, hatte einen Schock. Daher kam das Ganze. Um es wegzubekommen, habe ich als Kind zum Beispiel immer laut das "Hamburger Abendblatt" gelesen. Später kaufte mein Vater ein Tonband, eigentlich für Musikaufnahmen, aber ich habe meine Sprache aufgenommen, abends im Bett, sogar mit Ansage: "Dies ist die Sendung aus dem Bett. Mit Beiträgen vom: 'Hamburger Abendblatt'. Seite 16. Der Sport...".

SPIEGEL ONLINE: Neben Ihrer Tochter haben Sie auch zwei Söhne, von ihrer ersten, verstorbenen Frau, die Alkoholikerin war. Im Buch gibt es eine berührende Szene, in der ihre Ex-Frau Sie vor den Kindern betrunken in einer Hotellobby anschreit. Für Ihre Söhne war das traumatisch...

Heck: Ja, die wissen das natürlich noch. Meine jetzige Frau hat dann beide Söhne adoptiert, weil sie gesagt hat, wir sind immer zusammen unterwegs, und wenn wir mal einen Unfall haben, dann kriegen die Jungs gar nichts. Das geht nicht. Also hat sie es beiden gesagt, und beide fanden das ganz toll.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer ersten Autogrammpostkarte haben Sie eine Pfeife in der Hand - rauchen Sie noch?

Heck: Nein. Das war in den Sechzigern, ich fand das mit der Pfeife ungeheuer männlich.

SPIEGEL ONLINE: Wann fanden Sie das denn nicht mehr männlich?

Heck: Als ich anfing, richtig Pfeife zu rauchen, hatte ich immer dieses Zeug im Mund, das war so bitter. Dann hab ich Zigaretten geraucht.

SPIEGEL ONLINE: Immer noch?

Heck: Nein, seit acht Jahren nicht mehr. Ich hab aber auch geraucht, meine Güte, bis zu 80 am Tag - jeden Tag!

SPIEGEL ONLINE: Da konnten Sie ja kaum eine Hitparade durchstehen...

Heck: Genau! Meine langjährige Maskenbildnerin stand immer mit einer angezündeten Zigarette und einem Bierglas für mich hinter der Bühne, wusste, wo ich rauskomme, und dann zack - auf der anderen Seite wieder rein. Das war schon heavy.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben nie einen Hehl daraus gemacht, wie Sie politisch stehen, dass Sie ein lupenreiner Konservativer sind. Haben Sie nie überlegt, das zu verbergen, weil Sie als öffentliche Person neutral bleiben möchten?

Heck: Es hat mich in der ganzen Zeit nie jemand wegen meiner Gesinnung beschimpft oder dumm angequatscht. Vielleicht kam mal einer und fragte, ob ich CDU-Mann sei. Ich sagte dann: Ja, ich bin für die CDU, Sie müssen das deswegen ja nicht sein! Was ich schrecklich fand, war, als mein damaliger Ministerpräsident im Saarland, Oskar Lafontaine, der ein relativ dynamischer aufstrebender Politiker war, in der Saarlandhalle stand und sagte: Liebe Genossinnen und Genossen! Dann wird mir schlecht. Das ist wie zu schlimmsten DDR-Zeiten. Genossinnen und Genossen gibt es nur in der roten Ecke.

Das Interview führte Jenni Zylka

Hinweis: In der ersten Version des Interviews konnte eine Formulierung den Eindruck erwecken, Dieter Thomas Heck denke, Oskar Lafontaine sei noch immer Ministerpräsident des Saarlandes. Die entsprechende Passage ist geändert worden, damit kein Missverständnis aufkommt.

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1. falscher film
uwecux 11.12.2011
Zitat von sysopBei jedem Lied 'ne Kippe und 'n Bier - so steht man die "Hitparade" durch. Fernsehunterhalter Dieter Thomas Heck erinnert sich im Interview an seine legendäre Show, spricht über sein aufreibendes Leben und seine Vergangenheit als Stotterer. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,794195,00.html
das ist hier zwar nicht der ganz korrekte thread, aber der herr heck machts möglich. ich frage mich schon seit langem, ob spiegel-online noch etwas mit dem alten print-spiegel zu tun hat. fleischhauer, matussek, broder und die tollen yellow-press interviews. ich komme mir manchmal vor, als wäre ich bei der welt ,der faz oder der gala gelandet. und jetzt wieder ein interview mit dem schmierenkomödianten bzw. fischmarkt-schreier der muschelzeit d.h. heck, das geht wirklich langsam an die toleranzgrenze. oder spielt die quote jetzt hier auch schon eine rolle?
2. Das geht ans Herz
GerdW 11.12.2011
Zitat von sysopBei jedem Lied 'ne Kippe und 'n Bier - so steht man die "Hitparade" durch. Fernsehunterhalter Dieter Thomas Heck erinnert sich im Interview an seine legendäre Show, spricht über sein aufreibendes Leben und seine Vergangenheit als Stotterer. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,794195,00.html
"Sein Ministerpräsident Lafontaine"... das war 85-98. Das spricht doch für eine nachhaltige, nahezu innige Präsenz, wenn nicht mal die jetzige CDU-MP in Erinnerung ist. Davon abgesehen, ist der Mann sicher eine Institution und als Kind fand ich die ZDF-Hitparade auch mal cool. Im übrigen hatte und hat auch der Print-Spiegel schon immer Trivialthemen, deswegen ist er ja lange noch keine Bunte/Focus.
3.
stesoell 11.12.2011
Zitat von uwecuxdas ist hier zwar nicht der ganz korrekte thread, aber der herr heck machts möglich. ich frage mich schon seit langem, ob spiegel-online noch etwas mit dem alten print-spiegel zu tun hat. fleischhauer, matussek, broder und die tollen yellow-press interviews. ich komme mir manchmal vor, als wäre ich bei der welt ,der faz oder der gala gelandet. und jetzt wieder ein interview mit dem schmierenkomödianten bzw. fischmarkt-schreier der muschelzeit d.h. heck, das geht wirklich langsam an die toleranzgrenze. oder spielt die quote jetzt hier auch schon eine rolle?
Die Redaktionen von Spiegel Online und dem gedruckten Spiegel sind räumlich, personell und unternehmerisch getrennt. Sie dürfen also unbesorgt weiterlesen und Traurigkeit äußern.
4. Der Spiegel vs. SPON
biobanane 11.12.2011
Zitat von stesoellDie Redaktionen von Spiegel Online und dem gedruckten Spiegel sind räumlich, personell und unternehmerisch getrennt. Sie dürfen also unbesorgt weiterlesen und Traurigkeit äußern.
Man muss eins bedenken, Der Spiegel ist ein Nachrichtenmagazin mit begrenzten Leserkreis, politische eher nicht CDU, wie wohl auch seine Leser. SPON ist das Internet-Leitmedium im deutschsprachigen Nachrichtenbreich und das noch vor Tagessschau.de. Da ist der Leserkreis etwas größer und es wird daher auch über Sachen geschrieben, die so nie im Spiegel stehen würden. Nimmt ja auch kein Platz weg wie in einer Zeitung, wo man sich eher beschränken muss. Zu DTH fällt mir nichts ein, wirklich gar nix.
5. Wähl´ auch du CDU
Ontologix II 11.12.2011
Zitat von biobananeMan muss eins bedenken, Der Spiegel ist ein Nachrichtenmagazin mit begrenzten Leserkreis, politische eher nicht CDU, wie wohl auch seine Leser. SPON ist das Internet-Leitmedium im deutschsprachigen Nachrichtenbreich und das noch vor Tagessschau.de. Da ist der Leserkreis etwas größer und es wird daher auch über Sachen geschrieben, die so nie im Spiegel stehen würden. Nimmt ja auch kein Platz weg wie in einer Zeitung, wo man sich eher beschränken muss. Zu DTH fällt mir nichts ein, wirklich gar nix.
Mir schon: Wähl auch du CDU. So warb der hochgebildete Star des rechtslastigen ZDF einst für seine ehrenwerte Lieblingspartei. Und er sang das auch noch. Da hätte wohl sogar Kohl noch besser gesungen.
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