Saarländischer Rundfunk Intendant sieht "Verdichtung von Hinweisen" gegen Dieter Wedel

Ein Arztbericht erhärtet die Vorwürfe von Schauspielerinnen gegen Dieter Wedel: Das Dokument ist laut internen Recherchen des Saarländischen Rundfunks ein Beleg für sexuelle Übergriffe.

Dieter Wedel
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Dieter Wedel


Ein Arztbericht untermauert den Vorwurf sexueller Übergriffe gegen Dieter Wedel. Das Dokument wurde im Zuge der internen Untersuchung des Saarländischen Rundfunks (SR) zu dem Fall bekannt. SR-Intendant Thomas Kleist sagte in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", man habe einen Arztbericht gefunden, "der bestätigt, was die Frauen vorgetragen haben".

Mehrere Schauspielerinnen hatten Wedel sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung vorgeworfen. Der Regisseur wies das zurück. Intendant Kleist betonte, es gebe eine "Verdichtung von Hinweisen, noch keine Beweise" gegen Wedel, für den zunächst die Unschuldsvermutung gelte. Der Sender hat eine Taskforce eingerichtet, um die Vorwürfe gegen den Regisseur zu untersuchen.

Nachdem zwei Schauspielerinnen dem heute 75 Jahre alten Regisseur sexuelle und gewalttätige Übergriffe am Set der 1980 gedrehten SR-Vorabendserie "Bretter, die die Welt bedeuten" vorgeworfen haben, sollen auch SR-Journalisten die Vorgänge recherchieren: "Wir müssen viele Mosaiksteine zusammensetzen. Das Ganze liegt fast vierzig Jahre zurück", sagte der Senderchef.

Der Vorgang ist für den SR - und mittelbar auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt - heikel: Der Sender soll damals bereits von Wedels Übergriffen gewusst haben; das geht aus Akten hervor, die der SR der Wochenzeitung "Die Zeit" zur Verfügung gestellt hatte. (Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema.) Das Blatt hatte in mehreren großen Artikeln die Vorwürfe gegen Wedel öffentlich gemacht.

Wedel soll versucht haben, Schauspielerin zu vergewaltigen

Die damals für die SR-Serie engagierte Schauspielerin Esther Gemsch hatte in der "Zeit" einen mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch geschildert, bei dem Wedel sie 1980 gewürgt haben soll. Sie habe Verletzungen erlitten, weshalb sie die Rolle nicht habe weiterspielen können. Ihre Vorwürfe waren auch in einem internen SR-Bericht festgehalten worden.

Dem "Zeit"-Bericht zufolge hatte Wedels damaliger Anwalt die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Dreharbeiten gingen mit Schauspielerin Ute Christensen weiter, die nach eigener Aussage von Wedel sexuell belästigt, schikaniert und gedemütigt worden sei. Telefilm Saar, eine Tochter des SR, soll den Sender damals auf die Vorfälle aufmerksam gemacht haben.

In der "Zeit" waren schon vor Gemsch und Christensen mehrere Schauspielerinnen unter vollem Namen oder anonym mit Vorwürfen gegen Wedel bis hin zur Vergewaltigung an die Öffentlichkeit gegangen. Wedel hatte die in einem ersten Artikel erhobenen Vorwürfe bestritten. Zu den Anschuldigungen, die in einem weiteren Artikel erhoben wurden, gab er unter Verweis auf seinen angeschlagenen Gesundheitszustand keine detaillierte Stellungnahme ab.

Wedels Sprecherin hatte zu Wochenbeginn mitgeteilt, der Regisseur habe eine Herzattacke erlitten. Er befinde sich im Krankenhaus. Am Montag war Wedel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten.

ulz/dpa

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