Interne Untersuchung Bavaria findet keine Belege für Missbrauch durch Dieter Wedel

Cholerische Anfälle ja, sexuelle Übergriffe nein: Die Produktionsfirma Bavaria hat ihre interne Untersuchung zu Missbrauchsvorwürfen im Fall Wedel abgeschlossen. Das Verhalten des Regisseurs sei "nicht tolerabel".

Dieter Wedel
DPA

Dieter Wedel


Vor zwei Monaten hatte die Produktionsfirma Bavaria angekündigt, interne Untersuchungen wegen Missbrauchsvorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel zu beginnen. Mit Wedel hatte die Bavaria die Produktionen "Der König von St. Pauli" (1997/Sat.1) und "Die Affäre Semmeling" (2001/ZDF) sowie "Gier" (2009/Das Erste) umgesetzt.

Nun liegt das Ergebnis vor: Das interne Rechercheteam kommt zu dem Schluss, "dass die in der Presse erhobenen Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs durch Dieter Wedel bei den genannten Produktionen nicht belegt werden können", so das Unternehmen in einer Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt.

Im Januar waren erste Berichte in der "Zeit" erschienen, in denen mehrere Schauspielerinnen von verbalen und körperlichen Übergriffen seitens Dieter Wedels bis hin zur Vergewaltigung berichtet hatten. Die Staatsanwaltschaft München leitete daraufhin Ermittlungen ein. Wedel hat die Vorwürfe wiederholt und vollständig zurückgewiesen. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte der Regisseur Sebastian Schipper, der an zwei Wedel-Produktion als Schauspieler mitgewirkt hatte, dagegen die Darstellungen der Frauen gestützt.

Vor der Bavaria hatte bereits das ZDF interne Untersuchungen zur Causa Wedel angestrebt. Auch bei diesen Untersuchungen war das Ergebnis, dass keine Hinweise zu möglichen sexuellen Übergriffen von Wedel vorgelegen hätten. Das ZDF hatte jedoch nur auf eine unvollständige Aktenlage zurückgreifen können, da in einigen Fällen Aufbewahrungsfristen abgelaufen waren.

Der Bavaria stand dagegen nach eigenen Angaben ihr umfangreiches Archiv zur Verfügung. Demnach wurden rund 200 Akten ausgewertet, zudem wurde mit rund 20 ehemaligen Mitarbeitern gesprochen, die bei den drei Wedel-Produktionen beteiligt gewesen waren. Das interne Rechercheteam stand unter der Leitung der Compliance-Beauftragten und Ombudsfrau der Bavaria Film.

Auch wenn keine Belege für körperliche Übergriffe gefunden wurden, zeigt sich die Bavaria kritisch gegenüber Wedel: "Es wird festgestellt, dass Verhaltensweisen von Dieter Wedel gegenüber Mitarbeitenden nach dem heute gültigen Verhaltenskodex der Bavaria Film Gruppe nicht tolerabel gewesen wären", heißt es in der Stellungnahme. Laut Unternehmenssprecher Sebastian Feuß hätten viele der interviewten ehemaligen Produktionsmitarbeiter bestätigt, dass Wedel respektlos und cholerisch an Sets agiert habe.

hpi

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