Interne Untersuchung ZDF findet keine neuen Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch Dieter Wedel

Nach Archivauswertung und Mitarbeiterbefragung: Das ZDF erklärt, es gebe keine neuen Hinweise für sexuelle Übergriffe durch Dieter Wedel bei "Der große Bellheim" und anderen Produktionen des Hauses. Ein Teil der Akten sei aber nicht mehr vorhanden.

Dieter Wedel
imago/ Eibner

Dieter Wedel


Das ZDF hat keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe des Regisseurs Dieter Wedel im Zusammenhang mit Auftragsproduktionen des Senders. Das habe eine interne Untersuchung nach den Vorwürfen von sexueller Gewalt gegen den ehemaligen Regisseur ergeben, teilte das ZDF am Donnerstag in Mainz mit. Dafür seien die noch vorhandenen Unterlagen in den Archiven geprüft und Gespräche mit Mitarbeitern geführt worden. Ein Teil der Akten war aber nicht mehr vorhanden.

Wedel steht seit Jahresbeginn im Mittelpunkt einer Debatte, nachdem von mehreren Schauspielerinnen entsprechende Vorwürfe erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen. Wedel selbst wies die Vorwürfe per eidesstattlicher Erklärung zurück.

Dieter Wedel zählt zu den erfolgreichsten deutschen Fernsehregisseuren und feierte einen großen Teil seiner Erfolge mit Produktionen für die öffentlich-rechtlichen Sender. In den Neunzigerjahren, als das Fernsehen in Deutschland eine schwierige Umbruchsphase erlebte, bescherte er vor allem dem ZDF mit seinen Mehrteilern große Quotenerfolge. Er drehte für das Zweite unter anderem "Der große Bellheim" (1993) und "Der Schattenmann" (1996); sein letzter großer Mehrteiler, "Die Affäre Semmeling" (2002) war dann nicht mehr übermäßig erfolgreich.

Nach den Veröffentlichungen der Vorwürfe in der Wochenzeitung "Die Zeit" überprüfte das ZDF die Auftragsproduktionen, an denen Wedel als Autor und Regisseur beteiligt war. Die in den Senderarchiven noch vorhandenen Unterlagen wurden demnach ausgewertet und zudem Gespräche mit allen Mitarbeitern geführt, "die in verantwortlicher Funktion direkt oder indirekt an den Produktionen mit Dieter Wedel beteiligt waren".

Keine neuen Erkenntnisse

Es hätten sich keine Hinweise zu Übergriffen ergeben. Über die erhobenen Vorwürfe der Schauspielerinnen und anderer Beteiligter im Zusammenhang mit den betreffenden ZDF-Produktionen konnten nach Angaben des Senders zudem keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden.

ZDF-Intendant Thomas Bellut betonte, sein Haus stehe "für ein Arbeitsklima, das frei ist von Diskriminierung und Belästigung jeglicher Art". Nachweislicher Machtmissbrauch werde arbeitsrechtlich geahndet.

Im Januar hatte der Saarländische Rundfunk zugegeben, dass dem Sender bereits im Zusammenhang mit der Produktion der Vorabendserie "Bretter, die die Welt bedeuten" 1981 Vergewaltigungsvorwürfe einer Schauspielerin gegen Wedel bekannt geworden waren. Trotzdem habe sich der Sender damals entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Regisseur fortzusetzen. Die derzeitige Leitung des Senders will die durch alte Akten bekannt gewordenen Vorwürfe nun aufarbeiten.

Erst am Mittwoch hatte der Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper im SPIEGEL-ONLINE-Interview über Machtmissbrauch gesprochen, den er am Set mit Wedel erlebt habe.

Die Aufdeckung von sexueller Gewalt bleibt beim Fernsehen prinzipiell schwierig, da zwischen festangestellten Sendermitarbeitern und freischaffenden Schauspielerinnen und Schauspielern in der Regel ein extremes Machtgefälle existiert.

cbu/dpa

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