Crossmedia-Krimi "Dina Foxx" Angriff der Killertomaten

Im Fernsehen gucken, im Netz verstehen: Der ZDF-Krimi "Dina Foxx" um die Machenschaften eines Lebensmittelkonzerns nimmt das crossmediale Erzählen ernst - die Geschichte hätte trotzdem etwas weniger Klischees haben dürfen.

Von

ZDF

Dina Foxx trägt Lederjacke und Pixie-Haarschnitt, sie verkloppt Männer und wechselt schon mal in aller Öffentlichkeit ihr T-Shirt, unter dem sie - Schocker - keinen BH anhat. Als eine Mischung aus Lara Croft und Lola aus "Lola rennt" bahnt sich Foxx (Katharina Schlothauer) ihren Weg durch Berlin. Oder wie es ihr Kumpel Jason ausdrückt: "She is such a bitch."

Eine moderne und starke junge Frauenfigur haben die Macher des crossmedialen ZDF-Krimis "Dina Foxx - Tödlicher Kontakt" geschaffen - und das will ja auch schon mal etwas heißen in einer Fernsehlandschaft, die sonst von patenten Nonnen und zupackenden Tierärztinnen bevölkert wird. Foxx will die Machenschaften eines Biotechnologie-Konzerns aufdecken, dessen genmanipulierte Tomaten die Menschen angeblich mit einer todbringenden Seuche infizieren.

Der Zweiteiler knüpft an ein ambitioniertes ZDF-Projekt an. Vor drei Jahren hatte der Sender Dina Foxx schon einmal auf den Bildschirm geschickt. Der Krimi über Datenklau und Identitätsmanipulation war damals eines der ersten crossmedialen Formate im deutschen Fernsehen. Ein TV-Film, der nach 45 Minuten zu Ende ging, ohne dass die Handlung aufgelöst war. Wer wissen wollte, wie es weitergeht, musste ins Netz.

Drei Wochen inszenierte die Produktionsfirma UFA dort eine aufwendige Schnitzeljagd. Mithilfe einer eigens kreierten Website konnten die Zuschauer den Fall selbst aufklären, mussten dafür aber viel Zeit investieren. 1000 Nutzer registrierten sich, 200.000 Abrufe verzeichneten die Videos auf der Website. Nicht schlecht, aber auch kein Massenerfolg. Es blieb ein Experiment.

Zu vieles bleibt rätselhaft

Für die Neuauflage, die keine Fortsetzung der Handlung ist, haben ZDF und UFA eine Erzählform gewählt, die wohl näher an den Sehgewohnheiten des Mainstreams sein soll. Der zweiteilige Film liefert auch ohne Online-Erweiterungen eine abgeschlossene Handlung. Verstehen lässt sich die Geschichte aber nur vollständig, so das Versprechen, wenn man sich ins Netz begibt und dort zusätzliche Filmsequenzen schaut und in einem interaktiven Spielen nach Spuren sucht.

Beides sind Dinge, die zugänglicher und weniger zeitaufwendig sind als die virtuelle Verbrecherjagd der "Dina Foxx"-Premiere. Freigeschaltet werden die Online-Elemente diesmal noch vor der TV-Ausstrahlung. Die Zuschauer sollen selbst bestimmen, wann sie diese anklicken oder ob sie es bleiben lassen.

Bei aller erzählerischen Komplexität, die der Plot erfordert, ist die Geschichte doch voller Klischees. Profitgieriger Konzern gegen militante Umweltaktivisten - so etwas hat man schon in einem mittelmäßigen "Tatort" gesehen.

Die Schwächen der Geschichte machen die lebensnahen, gut beobachteten Figuren wieder wett. Da ist zum Beispiel der bärtige Hacker Jason, ein moderner Vater, der zu Hause aufs Baby aufpasst, während seine Freundin Karriere macht. Oder Dinas Bruder Aaron, ein schlaksiger Druffi in Hipster-Hemdchen, der nach einem schlechten Drogentrip auf einer oberirdischen Rohrleitung rumturnt.

Auch die Inszenierung ist ganz auf die Sehgewohnheiten und das Vokabular einer Zuschauerschaft zugeschnitten, die Fernsehen nicht mehr linear schaut, sondern sich ihr Programm selbst zusammensucht. Einstellungen in Ultra-Zeitlupe oder im Bild eingeblendete SMS sind zwar nicht umwerfend originell, aber dieser Zielgruppe immerhin aus US-Serien wie "Breaking Bad" bekannt. Dem durchschnittlichen ZDF-Publikum könnte man den ständig Englisch sprechenden und dabei nicht untertitelten Jason wohl ebenso wenig zumuten wie manche Anspielung und manchen Witz. Nicht umsonst strahlt das ZDF die beiden TV-Teile erst gegen Mitternacht aus.

Vor allem aber erfüllt "Dina Foxx" das Versprechen, ein crossmediales Format zu sein. Und das ist gut und schlecht zugleich. Gut, weil die Online-Elemente echten Mehrwert bieten. Schlecht, weil der reine TV-Film ohne die Begleitstücke im Netz somit nur bedingt funktioniert. Zu vieles bleibt rätselhaft, das Ende ganz und gar nebulös - und all jene Zuschauer unbefriedigt, die nicht selbst im Netz nach Aufklärung suchen.


"Dina Foxx - Tödlicher Kontakt" (Teil 1). 9.11., 19.30 h, ZDFneo
"Dina Foxx - Tödlicher Kontakt" (Teil 2). 16.11., 19.30 h, ZDFneo
"Dina Foxx - Die ganze Wahrheit" (Online-Teil). Ab Sonntag, 9.11. ab 10 Uhr unter dinafoxx.zdf.de

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
timelock 08.11.2014
1. Erster Versuch an Länderspiel gescheitert
Ich kann mich noch gut an den ersten Versuch von Dina Foxx erinnern. Und der ist weniger an der Kompliziertheit denn an der Progammierung nach einem Fussballspiel gescheitert. Ich meine es hätte Verlängerung und Elfmeterschießen gegeben, so daß das Cross-Plattform-Experiment in meiner Erinnerung dann erst so gegen 24.00 Uhr anfing (und mit Fußball als lead in auch keine optimale Zielgruppenprogrammierung hatte).
capadonna 09.11.2014
2. ne echt jetzt?!?
Haben die der Hauptfigur echt den namen Dina Foxx!! gegeben. Das klingt ja nur noch nach nem 3. klassigem Porno. Also wirklich. Unfassbar.
insomnium 09.11.2014
3.
Dümmster Rollenname ever?!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.