Doku über die Euro-Krise Der Film zum Gelduntergang

Hilflosigkeit statt kraftvollem Krisenmanagement: Eine Dokumentation zeigt, wie Europas Mächtige gegen den Niedergang des Euro kämpfen. Der Film ist eine ausführliche, etwas ermüdende Rekonstruktion der Schuldenkrise. Spannend wird es, als tatsächlich mal ein Blick hinter die Kulissen gelingt.

Von

Schäuble, Juncker: "Was richtig ist, weiß ich nicht"
ZDF

Schäuble, Juncker: "Was richtig ist, weiß ich nicht"


Der Euro-Veteran, so wird der Mann vorgestellt, macht aus seiner Hilflosigkeit keinen Hehl. "Was richtig ist, weiß ich leider nicht immer", sagt Jean-Claude Juncker über das Management der Euro-Krise. "Es gab etwas derartiges noch nicht. Es gibt kein Lehrbuch, in dem man blättern könnte, um zu sehen, wie man früher mit einer solchen Krise umgegangen ist."

Der Premierminister Luxemburgs ist seit sieben Jahren Chef der Euro-Gruppe. In dem Film "Der Domino Effekt", den Arte am Dienstagabend zeigt, spielt er eine der Hauptrollen. Junckers Part ist der des Mahners, eines Mannes, dem jeder Populismus zuwider zu sein scheint. Mit seiner Haltung zur Einzigartigkeit der Krise steht Juncker sicher nicht allein unter Europas Mächtigen. Doch so ehrlich wie er gehen die anderen Regierungschefs nicht mit ihrer Hilflosigkeit um.

Die Filmemacher Stephan Lamby und Michael Wech versuchen in ihrer Dokumentation, die den dramatischen Untertitel "Kippt der Euro?" trägt, einen Blick hinter die Kulissen der Euro-Rettung zu werfen. Das gelingt in Ansätzen. Der 90-Minuten-Film ist jedoch in erster Linie eine Chronik des Krisenjahres 2011, eine ausführliche Rekonstruktion der Euro-Rettung. Da werden die griechischen Statistiktricks beschrieben, dank derer das Land in die Währungsunion aufgenommen wurde. Und in aller Breite schildern Lamby und Wech auch noch mal, welche Ansteckungsgefahren von Griechenland ausgehen - und wie im Sommer sogar Italien in den Sog der Krise gerät.

Das dürfte nun alles jedem bekannt sein, der im vergangenen Jahr nicht nur Privatfernsehen geschaut hat. Um zu verhindern, dass die Zuschauer eindösen, bedienen sich die Filmemacher eines Kniffs: Zwischen die Bilder aus Brüssel und Berlin schneiden sie immer wieder emotionalisierende Bilder von Straßenschlachten in Athen. Das ist ein bisschen billig, aber es funktioniert.

Zocken mit Josef Ackermann

Die eigentliche Stärke des Films entwickelt sich jedoch im letzten Drittel. Dann kommen die Protagonisten endlich ausführlicher zu Wort, und der Zuschauer bekommt einen kleinen Einblick in die Machtverteilung zwischen Finanzwirtschaft und Politik.

Das Thema ist der Schuldenschnitt für Griechenland. Die Banken unter der Führung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einigten sich im Oktober mit den Regierungschefs darauf, auf 50 Prozent ihrer Forderungen an das Pleiteland zu verzichten. Doch wie kam es zu diesem Deal? Das stellen Ackermann auf der einen sowie Juncker und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble auf der anderen Seite im Film komplett unterschiedlich dar.

Schäuble behauptet, man habe den Geldhäusern klargemacht, "unter 50 Prozent brauche man gar nicht weiterzureden". Juncker sekundiert: "Mit Banken darf man nicht nur leise reden." Im Klartext: Die Politiker brüsten sich, den Schuldenschnitt - der im Übrigen immer noch auf der Kippe steht - gegen den Willen der Institute durchgesetzt zu haben.

Ackermann dagegen sagt: "Wir haben den Staaten 50 Prozent angeboten." Die Initiative sei also von den Banken ausgegangen. Auf die Äußerungen Junckers und Schäubles angesprochen, reagiert der Banker cool: "Am Ende stellt es jeder so dar, wie es für ihn am besten ist." Und dann ergänzt er gönnerhaft, es sei durchaus richtig, dass die Regierungen diesen Erfolg für sich beansprucht hätten. Denn es sei wichtig, "dass die Politik zeigt, dass sie hier geeint und koordiniert gehandelt hat".

So aufschlussreich diese Szene auch ist - sie dürfte kaum geeignet sein, das Vertrauen in die Durchsetzungsfähigkeit und die Krisenkompetenz der Politiker zu stärken.


"Der Domino-Effekt. Kippt der Euro?", Dienstag, 20.15 Uhr, Arte. Die Dokumentation ist der Auftakt eines Themenabends zur Schuldenkrise.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wemhöber 17.01.2012
1. ---
Es bedarf keiner Duku über die Euro-Krise, um klar zu machen, wer die Regeln des Geschehens bestimmt. Jeder aufmerksame Beobachter hat erkannt, dass wir es längst mit der Herrschaft der Finanzelite zu tun haben und schon lange nicht mehr mit der Herrschaft des Volkes.
Gon.Orbhon 17.01.2012
2. Äh,
Zitat von wemhöberEs bedarf keiner Duku über die Euro-Krise, um klar zu machen, wer die Regeln des Geschehens bestimmt. Jeder aufmerksame Beobachter hat erkannt, dass wir es längst mit der Herrschaft der Finanzelite zu tun haben und schon lange nicht mehr mit der Herrschaft des Volkes.
Politiker haben den € eingeführt und Politiker haben ein Regelwerk dazu verfasst. 2004 hat Deutschland und Frankreich gemeint, die Regelungen nicht gaaanz so genau zu nehmen. Natürlich andere €-Länder auch nicht - hüstel Griechenland hüstel - ! Wer hat also Schuld? Natürlich, die "Finanzelite" ... Alternativ vielleicht auch CIA, Mossad, Freimaurer ...
dunnhaupt 17.01.2012
3. Eurodämmerung, 1. Akt
Zitat von sysopHilflosigkeit statt kraftvollem Krisenmanagement: Eine Dokumentation zeigt, wie Europas Mächtige gegen den Niedergang des Euro kämpfen. Der Film ist eine ausführliche, etwas ermüdende Rekonstruktion der Schuldenkrise. Spannend wird es, als tatsächlich mal ein Blick hinter die Kulissen gelingt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,809391,00.html
Wozu Fernseh-Doku? Im Jahr 2012 dürfen wir vermutlich den Vorgang "live" mitvollziehen, wie unsere machtbesessenen Politiker noch bis zuletzt uferlose Summen verschwenden -- nur um nicht zugeben zu müssen, dass ihr wahnwitziger Versuch mit Amerika zu konkurrieren eine Katastrophe war. Hoffen wir, dass es nicht zu den im Film angedeuteten politischen Unruhen kommt.
brido 18.01.2012
4. Klar wurde
Das alles was wir uns Bürger überlegen von denen iim Geheimen durchgedacht wurde. Ist schon irgendwie beruhigend. Bei der Diskussion nachher in Arte wurde klar dass Frankreich die Souveränität der Länder eher aufgeben würde als den Euro platzen zu lassen. Bei Deutschland ist es (noch) nicht so. Es wird sicher krachen zwischen Frankreich und Deutschland.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.