Meister der Doku-Dramen: Horst Königstein ist tot

Horst Königstein: "Das Fernsehen ist so ein intimer Begleiter geworden" Zur Großansicht
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Horst Königstein: "Das Fernsehen ist so ein intimer Begleiter geworden"

Mit "Speer und Er" oder "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" bewegte er Tausende Zuschauer und etablierte gemeinsam mit Regisseur Heinrich Breloer in Deutschland das Doku-Drama als neues Fernseh-Genre. Nun ist der große Filmemacher Horst Königstein gestorben.

Hamburg - Für die Schülerzeitung schrieb er Filmkritiken, im Kino wies er den Gästen ihre Plätze zu: Horst Königstein wusste schon recht früh, dass er mal Filme machen wollte. Zunächst studierte der 1945 in Bremen geborene Königstein allerdings in seiner Heimatstadt und in Hamburg Pädagogik und Soziologie. Im Jahr 1970 kam er schließlich zum Norddeutschen Rundfunk.

Vor allem mit seinen Doku-Dramen, die er mit Regisseur Heinrich Breloer entwickelte, hat er dann Maßstäbe in der Branche gesetzt. In Filmen wie etwa "Todesspiel" (1997, Realisation), "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (2001, Drehbuch) und "Speer und Er" (2005, Drehbuch) kombinierten die Filmemacher dokumentarische Aufnahmen mit Interviewsequenzen und nachgestellten Szenen.

Für seine Arbeiten wurde Königstein mit internationalen und deutschen Preisen geehrt, darunter der Adolf-Grimme-Preis und der Deutsche Fernsehpreis. Königstein war schließlich mit 65 Jahren im Sommer 2010 beim NDR ausgeschieden. Im Sender war er zuletzt Redakteur für Sonderprojekte im Programmbereich Fiktion und Unterhaltung. "Das Werk, das er in 40 Jahren geschaffen hat, besticht durch Vielfalt, Qualität, Lebendigkeit und Innovation", hatte es schon bei seinem NDR-Abschied geheißen.

Die Nasen-Frage

Sein Sender hat Königstein übrigens auch noch so geehrt, wie man einen wie ihn ehren muss - und zwar mit einem Film. In "Ich, Ringo und das Tor zur Welt" (2010) von Jan Bonny und Oliver Schwabe geht es um Königstein selbst, den ebenso kreativen wie liebenswerten Redakteur und Filmemacher.

Und warum Ringo Starr? Weil Königstein über die Anfänge der Beatles 1989 den Film "Hard Days, Hard Nights" gedreht hat. Er fühlte sich mit Ringo, dem Schlagzeuger der britischen Band verbunden. Vielleicht, weil einige sagten, die beiden hätten ähnliche Nasen. Aber vielleicht auch, weil Königstein nicht nur für Filme gebrannt hat - sondern genauso für Musik: Die Liedtexte zweier Alben von Peter Gabriel hat er ins Deutsche übersetzt.

"Horst Königstein war bis zuletzt ein kreativer Querdenker, der sich leidenschaftlich für anspruchsvolles Fernsehen eingesetzt hat. Der NDR hat Horst Königstein viel zu verdanken. Sein Tod ist ein großer Verlust", teilte NDR-Intendant Lutz Marmor mit. Der Film- und Fernsehpionier starb am Sonntag im Alter von 67 Jahren in Hamburg.

kha/dpa

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1. schade, Königsteins Sendungen
bombenstimmung 13.05.2013
sind alle aus den Programmen verschwunden. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erbarmt sich der NDR drei Produktionen von Königfstein zu senden, nachdem man am Abend Schrott wie "Der XXL-Ostfriese" und die X-te Wiederholung von Großstadtrevier ertragen musste.
2. Horst war immer Spitze
m.g.-b. 13.05.2013
Aus meinem Buch “Sag mir woher du kommst, dann... (sag ich dir, wer du bist) Aus meinem Leben in Bremen, Herkunft, Schule, Arbeitsplatz Radio Bremen. Zur Schulzeit gehörte auch Horst Königstein, der die größte Karriere von uns allen gemacht hat. Monika Götz-Bellmer (historyradio.de) Ein Kolonialwarenladen in der Lupinenstraße in Gröpelingen gehörte der Mutter eines Klassenkameraden. Horst schrieb während all der Jahre, die wir zusammen auf dem Gymnasium verbrachten, nicht nur die längsten, sondern auch die besten Aufsätze. Außerdem war er ein gottbegnadeter Maler, der die schönsten Bilder malte, egal, ob mit Ölfarben, Acryl oder Wasserfarben. Sie waren einfach phänomenal. Der kleine Laden seiner Mutter warf nur wenig Ertrag ab, und sein Vater wurde als Ingenieur bei der AG-Weser nicht sehr hoch bezahlt. So besserte Horst sein Taschengeld auf, indem er Kinoplakate entwarf, zum Beispiel für das Regina in der Landwehrstraße, in dem damals die amerikanischen Monumentalfilme, wie die 10 Gebote mit Charlton Heston, gezeigt wurden. Während der Schulzeit waren wir befreundet und stellten Tonbandbriefe für unsere Brieffreunde im Ausland zusammen. Horst besaß nämlich ein Tonbandgerät, mit dem man aufnehmen und Musik und Sprache mixen konnte. Die Tonbänder verschickten wir, damit unsere Brieffreunde sich vorstellen konnten, wie unsere Stimmen klangen und was uns interessierte. Nach dem Abitur traf ich Horst öfter im Funk, wo er sich neben dem Studium an der Pädagogischen Hochschule mit dem Schreiben von Kinderfunkhörspielen Geld verdiente. Später wurde er in Hamburg promoviert und habilitiert. Heute ist er einer der bekanntesten Autoren von Dokumentarfernsehspielen in Deutschland und ein mit Preisen überhäufter Regisseur seiner Stücke dazu. Aber warum erzähle ich das? Als Horst in Talkshows und Kultursendungen - nicht nur im Hörfunk von Radio Bremen – interviewt wurde, erzählte er ganz offen, wie es in dem kleinen Laden seiner Mutter zuging, und in welchem Stadtteil und Umfeld er aufgewachsen ist. Ihm war seine Herkunft nicht peinlich. (im Gegensatz zu anderen Menschen aus dieser Branche, die ich gekannt habe) Monika Götz-Bellmer
3. Wirklich ein großer Verlust
bobinobaker 13.05.2013
Er gehörte zu den wenigen die noch "echte Ahnung" hatten von dem was sie taten,was sie dem Zuschauer zeigen und hören lassen wollten....Und er stellte sich dabei nie in der Vordergrund......Ich erinnere mich noch sehr gut an seine großartige 4 Stündige Sendung mit und über die grandiose Blandine Ebinger...So etwas wird heut nicht mehr produziert ,leider....Dabei gäbe es noch den einen oder anderen großen Künstler der so eine Ehrung verdient hätte.....zb 89 jährige Gisela May die nach Lotte Lenya die bedeutensde Interpretin von Liedern Brechts/Weill und grand Dame des Berliner Ensemble....Königstein ist nicht zu ersetzen....Er wird in seinen Arbeiten weiterleben...
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