Comeback von US-Sitcom "Roseanne" Donald Trump gratuliert Roseanne Barr

In den Neunzigerjahren war die US-Sitcom "Roseanne" weltweit ein Hit, auch in Deutschland. Jetzt kommt die Serie um eine Arbeiterfamilie zurück, mit Traumquoten. Doch es gibt eine Kontroverse um die Hauptdarstellerin.

Roseanne Barr
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Roseanne Barr


Dass bei US-Präsident Donald Trump selbst bei Interviews der Fernseher im Hintergrund läuft, ist bekannt - nun hat er Roseanne Barr, Hauptdarstellerin der TV-Serie "Roseanne" sogar angerufen, berichtete die "New York Times" und berief sich dabei auf Trumps Pressesprecherin.

Der Grund: die sensationellen Einschaltquoten zum Comeback der Kult-Sitcom "Roseanne": 18,2 Millionen Zuschauer hatten zugesehen, als der Sender ABC am Dienstag die ersten beiden Folgen der zehnten Staffel ausstrahlte, 20 Jahre hatte die Serie um eine US-Arbeiterfamilie zuvor pausiert.

Doch nicht nur das fulminante Quoten-Comeback ließ Trump zum Hörer greifen. Er bedankte sich zudem bei Roseanne Barr für ihren Support. Hatte sie doch seit Längerem stets ihre Unterstützung für Trump betont - und nun auch dafür gesorgt, dass ihre Serienfigur, die Mutter der aus der Arbeiterschicht stammenden Großfamilie Conner, zum Fan des Präsidenten gemacht wird - um ein "wahrhaftiges Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft zu zeigen", wie sie der "New York Times" verriet. "Die Hälfte der Leute in den USA hat für Trump gestimmt - und die andere nicht. So sieht es einfach aus."

Gleichstellung von Schwulen und Lesben

Die 65-Jährige, die mittlerweile auf Hawaii eine Farm bewohnt und dort mit ihrem Lebensgefährten Gemüse anbaut und Ziegenkäse herstellt, ist politisch nicht leicht einzuordnen: Bevor sie sich für Trump begeisterte, hatte Barr 2012 selbst einmal für die US-Präsidentschaft kandidiert, damals noch für die amerikanischen Grünen. Einige ihrer Programmpunkte waren die Gleichstellung von Schwulen und Lesben, eine Legalisierung von Abtreibung und Marihuana (sie ist selbst Marihuana-Patientin) und ein Bankensystem, das fair sein und die "Versklavung der Menschen" beenden solle.

In der "New York Times" darauf angesprochen, dass Trump gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung nicht gutheiße, behauptete Roseanne Barr, dass Trump ein Anhänger gleichgeschlechtlicher Ehen sei - und überhaupt nicht homophob. Sie bescheinigte ihm zudem einen "krassen Humor" und wollte sich nicht zu Gewerkschafts- und Arbeiterthemen äußern.

Knutschen mit Mariel Hemingway

Die TV-Serie "Roseanne" wurde in den Neunzigerjahren zum Wegbereiter mit ihrer Vielfalt an LGBT-Figuren und einer Hauptdarstellerin, die die Hosen anhatte, über einen messerscharfen Humor verfügte und sowohl vor der Kamera als auch dahinter den Serien-Produzenten gegenüber selbstbewusst auftrat: Die Conners waren immer laut, hin und wieder arbeitslos und lebten nur knapp über dem Existenzminimum (Lesen Sie hier eine Würdigung der Show). Als Roseanne 1994 in einer Folge eine Frau knutschte, die von Mariel Hemingway dargestellt wurde, war das ein Skandal. Die Sitcom, die von 1990 an bei ProSieben auch im deutschen Fernsehen zu sehen war, wurde für die realitätsnahe Darstellung der Arbeiterschicht gelobt, ihre Darsteller mehrfach mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet.

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Sitcom-Comeback: Roseanne, wie hast du dich verändert!

Die neue Staffel "Roseanne" konnte viele Stars der Originalbesetzung gewinnen - John Goodman als Dan und Tochter Darlene, die wieder von Sara Gilbert gespielt wird, die mittlerweile auch Produzentin der Sitcom ist. Nur George Clooney, der in der Serie einige Folgen lang Roseannes Vorgesetzten spielte, ist nicht an Bord.

Die neue Folge nun gab viele Handlungsstränge preis (Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie keine Spoiler mögen): Dan und Roseanne haben Schwierigkeiten, ihre verschreibungspflichtigen Medikamente zu zahlen, Becky ist pleite und Darlene muss zu ihren Eltern nach Hause zurückziehen - doch die heikelste, aber wohl auch aktuellste Geschichte ist der Konflikt zwischen Roseanne und Jackie (wieder gespielt von Laurie Metcalf). Denn Letztere hatte Hillary Clinton unterstützt - seit dem Tag der Trump-Wahl waren die Schwestern sich spinnefeind. Nun witzeln sie über Russland und lügende Politiker.

Vorerst sind acht neue Folgen von "Roseanne" geplant - wann und wo die Serie in Deutschland zu sehen ist, steht noch nicht fest. Barr selbst bedankte sich nach der Ausstrahlung übrigens nicht bei Trump - sondern bei ihren Fans:

bsc/dpa

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