Dschungelcamp Tag 13 Best-of der rhetorischen Leberhaken

Endlich rappelt es im Camp-Karton: Thorsten haut beim Schlagabtausch mit Helena einen bunten Strauß neuer Lieblingswendungen raus. Und Brigitte muss den Dschungel verlassen.

Von

RTL

An Tag 13, erfahrene Dschungelcampisten wissen das, kommt der Einbruch. Obschon das Ziel bereits in Augenzusammenkneif-Sichtnähe liegt, droht man sich als Zuschauer nun aufzugeben: Man fühlt sich so, wie Helena redet, hat im Camp-Vorprogramm beim neuen "Bachelor" auf die Blödi-Quizfrage "Wo liegt die Villa des Bachelors" schon dreimal für "B) Magdeburg" angerufen und möchte jetzt gerne die Augen zumachen, nur ganz kurz, obwohl man weiß, dass dies das Ende wäre, wirklich, ganz kurz nur, man schläft ja nicht, man hört ja zu, Schnarchgeräusch.

Aus dieser Dschungel-Agonie rettete überraschend eine unverhoffte Premiumfolge, von der noch lange zu zehren sein wird: Endlich kam es zum schon längst schwülgewittrig in der Luft hängenden Showdown zwischen Helena und Thorsten, aus dem man sich bitte folgende Thorsten-Kasallizismen für den weitergehenden Gebrauch notieren möchte.

"Ich bin kein Mann, ich bin ein Mann"

Hobby-Surrealist Legat überrascht mit einer feinsinnigen Reminiszenz an René Magrittes Bild "Das ist keine Pfeife", das natürlich eine Pfeife zeigt. "Ich lass mich hier nicht dumm von der Seite anmachen, nur weil du denkst, dass du ein Mann bist", hatte Helena ihm vorher mit ihrer zunehmend gruseligen Trademark-Lethargie-Leier beschieden und Thorsten damit nachhaltig verwirrt. Und den Zuschauer gleich mit - man sieht ihn an und denkt: Das ist keine Pfeife. Obwohl, vielleicht doch.

"Erstens kenne ich die gar nicht, zweitens kenne ich die gar nicht, und drittens habe ich noch nie eine Sendung gesehen."

Und noch eine schöne Anlehnung an einen der ganz großen Disser unserer Zeit: "Die war nie in Paris, die kennen wir nicht", ziselierte Karl Lagerfeld seinerzeit seine kunstvolle Heidi-Klum-Schmähung. Thorsten kombiniert den Oldschool-Move mit einer doppelten Legat-Verneinung. Das ist alte Promibox-Schule, der er noch drei weitere rhetorische Leberhaken folgen lässt:

"Nenn mich nicht Freundchen, Fräulein!"

"Ich bin der Erste, der aussteigt auf der Autobahn, wenn ein Mann eine Frau schlägt!"

"Jetzt spielt die Raffinesse eine besondere Antwort."

Ein klarer Punktsieg für Thorsten, könnte man meinen, hätte Helena nicht eigentlich schon in Runde eins den Schlagabtausch mit einem technischen K.o. für sich entschieden:

"So ein Mensch wie du würde meine Wohnung beim Promidinner nie betreten!"

Autschi, das schmerzt. Der ultimative Prekärpromi-Diss, danach kann im Grunde nichts mehr kommen.

Wer von beiden wird also die nächsten Tage überleben? Pest oder Kasalla? Team Freundchen oder Team Fräulein? Man ist rechtschaffen unentschieden, dann stolpert man auf Twitter über ein eigentlich eindeutiges Anagramm-Orakel: Nur Zufall, dass sich die Buchstaben des Namens "Thorsten Legat" zu "Gestalte Thron" neu zusammensetzen lassen?

Den Rest der Nacht verbringt man damit, weiter in die Namensmystik einzutauchen und mit zittriger Hand auf Drops-Einwickelpapier gekritzelte Buchstaben hin- und her zu schieben. Aus den Legat-Lettern lassen sich demnach auch "Athlete strong" und "Staehlern Gott" bilden. Während "Helena Fuerst" sich auch passend zum heutigen Eklat zu "Faselt Unehre", passend zur Frisur und zu vorangegangenen Einbrüchen zu "Franse heulte" und, schönster Fund, zu "Hateful sneer" ("hassenswertem Hohnlächeln") legen lässt. Zwangsläufig wird man morgen eine klassische Eingeweideschau betreiben müssen, um weiterführende Hinweise auf den Sieger aus dieser Konfro-Paarung zu ermitteln.

Völlig unberührt davon zementierte Menderes mit einer weiteren überhöflich absolvierten Dschungelprüfung seine Favoritenrolle auf die Dschungelkrone (und sollte als B-Seite für seine "Danke"-Single in Anlehnung an sein überreich gebrauchtes Motivationsmantra unbedingt eine Coverversion der Band Pulp ins Auge fassen: "K'mon People").

Oh, und Brigitte flog raus, aber das machte deutschlandweit wirklich nur Jürgen betroffen.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 28.01.2016
1.
Warum wird diese nervige Helena eigentlich nich rausgewählt? Hat die ein Abo mit einem indischen Callcenter?
oschn 28.01.2016
2.
Guten morgen allerseits. Schön, dass der Bericht schon da ist :-)
fiftysomething 28.01.2016
3. Die Konfro
gestern im Hause Legat/Fürst bildet im Grunde die Kommunikation in fast allen zu Ende gehenden Ehen 1:1 ab. Thorsten zeigt noch mal schön, was ihn so richtig auf die Palme bringt: Nie ist die Frau zufrieden, obwohl er sich reinhängt ohne Ende. Das er Helena gestern keine reingezogen und das Erbe seines Vaters angetreten hat, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass das alles schön gefilmt worden wäre. Das ist die einzige Hürde, die noch vor ihm steht. Schade, dass es das Promi-Boxen nicht mehr gibt.
jo-jo-2000 28.01.2016
4. Oh my gosh
Brigitte ist draußen
eireann75 28.01.2016
5. Prekärpromi-Diss
"Prekärpromi" ist für mich der Gewinner dieses Texts. Herrlich! Frau Rützel, wenn es IBES nicht gäbe, wegen Ihrer Texte müsste man es erfinden.
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