Dschungelcamp Tag 12 Von Zwangsbusenfreunden und Arschitekturstudien

Und sonst so? Ach, muss ja. Im Camp widmet man sich den üblichen Campaktivitäten: Maden fressen, Hintern waschen. Breaking news lieferte allerdings Nathalie. Sie putzte - und flog.

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RTL/ Stefan Menne

Das Dschungelcamp ist ein langer, ruhiger Fluss. Einer, der ordentlich Brackwasser führt, in dem manch Schabrackentapir badet und der allerlei Unrat an Land spült, aber trotzdem: ein ruhiger Fluss. An Tag 12 plätscherte er besonders träge dahin - quasi alle Campaktionen waren Dschungel-Classics, die so oder sehr ähnlich in jeder Staffel irgendwann abgehandelt werden.

Schockverliebung: Der schroffkantige Dschungelknorz Helena blüht plötzlich auf wie dorre Wüstenvegetation nach dem Tropenregen: Sie hat sich in einen der Ranger verguckt, die das Camp bewachen. "Waaaaas füüüa ein Mann", presst sie in ihrem typischen Verstopfungs-Sprachduktus hervor.

Auch anderswo lodert die Leidenschaft: Sophia würde Brigitte gerne zwangsbusenbefreunden. Mit dem unverdrossenen Eifer des liebestollen Zeichentrickfilm-Stinktiers Pepe lobt sie den Knackarsch der mäßig interessierten Dänin, gibt - angesichts der eigenen Schaufelkrallen etwas zweifelhafte - Maniküretipps und singt ihr den gruseligen Stalker-Evergreen "You are my sunshine" vor. In der gemeinsamen Dschungelprüfung, einem klassischen Verzehrtest, snackt Sophia dann leider zu halbherzig an fermentierten Sojabohnen ("Es schmeckt nach Kotze"), Truthahn-Testikeln und Mehlwurm-Sülze.

Kimmenwaschung: Zu den rätselhaftesten Regieentscheidungen gehören in jedem Jahr ausgiebige Arschitekturstudien. Gestern wurde in relaxtem Schwenkzoom die Hinternfugensäuberung gezeigt, die Thorsten unter dem Wasserfall vornahm, immerhin so dezent wie unter diesen Umständen möglich, nämlich in Badehose. Überhaupt war gestern Spatag im Hause Legat, er schmierte und cremte und rasierte jedes Härchen, bis auch sein Schädel wieder an einen Deoroller erinnerte.

Auspressprüfung: Sophia und Menderes mussten zur Schatzsuche mit integrierter Selbstentmostung antreten: In saugfrohe Schaumstoffleibchen und -schlüpfer eingepellt sollten sie Wasser von einem Becken in ein Gefäß transportieren - "mit meinen Möpsen und meinem Popi-Hintern", wie Sophia hochillustrativ ausführte. Und endlich führte einmal eine Schatzsuche zum Erfolg, endlich durften die Camper die Süßkrambelohnung des Camp-Kekssponsors in die Höhe recken, als sei sie ein neugeborener Löwenkönigwelpe. "Das ist für mich hochemotional gewesen", schwadronierte Jürgen. Thorsten steckte sich seinen Keks in die Backentaschen und verwahrte ihn dort wie ein Hörnchen mit ernsthaftem Kautabak-Problem.

Lagerfeuer-Deep-Talk: Viel wurde hier bei nächtlichen Flüsterverhören schon zwischenmenschlich ermittelt, gestern drückte Jürgen nun Nathalie am Lagerfeuer aus wie einen Riesenpickel mit besonders zähem Schleim: "Was war härter, 'Germany's Next Topmodel' oder das hier? Habt ihr eine Kostenpauschale bekommen?" Nee, beschied Nathalie gewohnt emotions- und tonlos, auch Fett- und Zuckerspeisen seien bei GNTM eher nicht gereicht worden, na potzblitz.

Immerhin erwachte die träge Pechmarie, die sich bislang hartnäckig geweigert hatte, den Apfelbaum zu schütteln und das Brot aus dem Ofen zu holen, unter Brigittes Campführung zu beachtlicher Haushaltsaktivität. Zur Nichts-ist-unmöglich-Redewendung "Man hat schon Pferde kotzen sehen" darf künftig "man hat schon Natti putzen sehen" synonym verwendet werden. Der Aktionismus kam jedoch zu spät: Nathalie wurde von den Zuschauern aus dem Camp gewählt.

Tränendrüsenpost: Gestern trafen auch die Schluchzbriefe aus der Heimat ein, wie immer randvoll mit Durchhaltemantren und unverfrorenen Lügen wie "Bleib so, wie du bist, denn so lieben dich alle". Sophias Puffgatte Bert schrieb "Ich vermisse dich tierisch, mein Fräulein" und nährte damit nur weiter den Verdacht, dass es sich bei ihm in Wahrheit um Heinz Strunk in Verkleidung handelt. Extralustig schrieb Jürgens Kumpel: "Hallo, du hässlicher Suppenkaspar!"

Emostrip: Zu den schönsten, aber auch schaurigsten Camp-Dynamiken zählt in jeder Staffel ja die Gesichtsfindung der Camper. Wenn die Charaktere wie bei einem archäologischen Ausgrabungsvorgang nach und nach freigelegt werden, weil langsam alle puffernden Sozialverträglichkeitsschichten abgetragen sind.

Bei Thorsten hätte man die eine oder andere Weichzeichnerschicht ruhig noch drauflassen können, besonders, was seine Einlassungen zu Frauen (so ganz generell) betraf. Schoss er nach der am Vortag gemeinsam vergeigten Schatzsuche erst speziell gegen Helena, wurde er schnell allgemein: "Frauen, ey. Kannst du alle in Wind schießen. Nichts können die." Nicht nett war es auch von ihm, Helena auf dem Heimweg einfach im Dschungel zurückzulassen, wie ein an der Autobahnraststätte ausgesetzter, begossener Puli (wer diese Hunderasse nicht kennt, sollte für den vollen Helena-Hund-Frisurenanalogie-Effekt bitte googeln; obwohl das für die Teilnahme hier eigentlich zum Grundwissen gehört; nächstes Mal bitte die Pflichtlektüre zur Vorbereitung beachten).

"Steht auf, wenn ihr Thorsten Legat seid", sagte er bei der Zuschauerbebuhlung im Dschungeltelefon. Nie blieb man lieber liegen.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 228 Beiträge
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breisig 27.01.2016
1. ich sage nur
cameltoe ;-)
stefanmargraf 27.01.2016
2. Die schroffkantige Dschungelknorze!
Oder, da hormonell bedingte Geschlechtszugehörigkeit allgemein versiegt und nur noch durch faciale Lippenstiftverteilung angedeutet wird, "dä schroffkantige Dchungelknorz"....
junge23 27.01.2016
3. Moo-ment, ..
"Schockverliebung" ... "Verstopfungs-Sprachduktus" ... danke dafür, kommt ins schlaue Buch.
globalundnichtanders 27.01.2016
4. Frau Rützel
hat es wieder auf den Punkt gebracht.
fleischzerleger 27.01.2016
5.
Irgendwie ist es jetzt absehbar - also gucke ich nur noch halbherzig. Birgitte, Jürgen und Helena werden bis Freitag rausfliegen, übrig bleiben die 2 Glocken, Legat und Menderes, der wohl mit seiner Schlichtheit gewinnen wird.
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