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Dschungelcamp Tag 5: Der Guntergang und seine Folgen

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Tag 5 im Dschungelcamp: "Ich will ja helfen, aber es ist zu gefährlich" Fotos
RTL

Gunter ist raus. Die faltige Eminenz winkte ein letztes Mal mit dem Armfleisch, dann war sie weg. Ist der diesjährige Camp-Jahrgang stark genug, um den Verlust verschmerzen zu können? Fünf Fragen, die sich nach dem Guntergang stellen.

1. Wann frisst Thorsten Helena auf?

Seinen Platz im Kasalla-Walhalla hat Thorsten sich gestern bei der Dschungelprüfung als tapferer Knabberkrieger redlich erschnabuliert: Ohne Murren verspeiste er Großportionen von Rattenschwanz, Fauleiern, Anus, Würmern und - ein besonders hübscher Einfall - "Euter der Provence", während die ihm für diese Aufgabe zugesellte Frau mit der Klöppelfrisette nur madammig an der überschaubaren restlichen Ekelkost nagte. "Üäh, bah, eklig, NÄÄÄ!", begleitete Helena diesen Vorgang mit leieriger Schauderplauderei - und stellte damit sicher, dass sie nach diesem Auftritt BESTIMMT nicht wieder in die nächste Prüfung gewählt wird. Also, echt nicht. Neenee, bestimmt haben die Zuschauer da Mitleid mir ihr, das wird sicher gut ausgehen!

Während die Fürstin also abermals bewies, dass "Helena" und "helle" wohl eher nicht denselben Wortstamm haben (die abschließende etymologische Prüfung durch Prof. Dr. phil. Ortega steht da noch aus), bewies der aktuelle Trainer des FC Remscheid, dass er sich motivationstechnisch keineswegs hinter Top-Coach Pep Guardiola verstecken muss. Als "supersupersuper" bezeichnet Pep gern besonders engagierte Spieler, mit "runterrunterrunter" bemühte sich sein Glatzenbruder im Camp, Helena zum Schlunzverzehr zu bewegen: "Weltklasse, du bist ne geile Frau!"

Die Gar-nicht-mal-so-helle-na ging nach ihrem Sparbeitrag zum sehr soliden Sternengewinn dann obendrein noch auf direkte Konfro mit dem schlingfreudigen Thorsten, der unerwarteterweise nicht mit Batch-pa-Pam!, sondern ghandiesker Gelassenheit reagierte. Lange aber wird er die gärenden Wutsäfte, das brodelnde Kasalla-Lava in seinem Inneren nicht mehr halten können.

Interessante Bonusfrage über das Camp hinaus: Wird Thorsten sich tatsächlich danach beim Fernsehen bewerben, wie Helena ihm schnippisch vorschlug? Nachdem die Eintrittsschwelle in die Juristerei, wie ihr Beispiel zeigt, offenbar so niedrig ist, dass auch ein Hamster in Pantoffeln sie mühelos überschreiten könnte, wäre eine schöne Anwaltsserie womöglich auch was für Thorsten. Vielleicht in einer an "Boston Legal" angelehnten Serie: "Bochum Legat".

2. Wann muss endlich mal jemand anderes zur Prüfung?

So sehr sich die niedersten Instinkte beim Gedanken da auch wohlig schnurrend räkeln und behaglich die Plauze zum Kraulen hinhalten: Die zunehmend angeknackste Fürstin (Pro-Tipp für den Karneval: einfach zwei Pfund gekochte Makkaroni auf eine Badehaube tackern - fertig ist die Höllena-Frisur!) hat in Prüfungen doch nur mittleres Unterhaltungspotenzial. Wie wäre es denn zum Beispiel mal mit Ricky, hinter dessen zuckriger Grinsfassade sich möglicherweise doch nur ein giftiges kleines Männchen mit immer rätselhafteren Frisierentscheidungen verbirgt?

3. Kann die Musikauswahl eigentlich noch besser werden?

Bei Rolfs langem, beschwerlichen Weg aufs Klo die Titelmelodie der Bestatterserie "Six Feet Under" einzuspielen - Chapeau! "Devil may cry" aus dem Soundtrack der "Tribute von Panem", während Höllena sich zur Dschungelprüfung rüstet - köstliche Idee! Aber eigentlich ist schon der diesjährige Staffelsong "Hey everybody" von 5 Seconds of Summer bei näherer Textbetrachtung pures Hohngold, berichtet er doch über das prekäre Leben von Menschen mit ausgemaxten Kreditkarten und anderweitig verjubelten Penunzen, denen ein glücksverheißender Zahltag vor Augen steht: "Hey, we don't have to live this way / We can all get some, yeah, we can all get paid."

Beklagenswert, dass durch Gunters freiwilligen Abgang aus gesundheitlichen Gründen ("Letzten Endes zerfalle ich hier langsam") ein schönes Lied aus seinem eigenen Repertoire nicht mehr gespielt werden konnte, das seine mit fiesem Dunst begleitete Darmentleerung aufs Schönste untermalt hätte: "Sie nannten ihn Puma?"

4. Ist Rolf reif für den Iffland-Ring?

Rolf und Gunter, die Großväter der Klamotte, wurden also auseinandergerissen. Wobei noch zu klären ist, ob der Mann mit der Schlüpferhaube im Camp nicht einfach ein schauspielerisches Glanzlicht abliefert, das mit einem der höchsten Mimenpreise geehrt werden sollte. Ist er wirklich der harmlose Tatterich oder doch ein ausgebuffter Stratege? Diese momentan noch unmöglich zu beantwortende Frage ist quasi die Dschungelvariante der Netflix-Mitkniffeldoku "Making a Murderer".

Unentschieden sieht man also dabei zu, wie sich Rolf von seinem Behelfszivi Jürgen zur Toilette führen lässt. "Boah, die muss sauber gemacht werden", so das Ergebnis der greisen Hygienebeschau - völlig klar, dass es nicht Rolf sein wird, der die wie immer notorisch verstuhlten Sanitäreinrichtungen schrubbt. Wunderbar auch, wie er sich von David bei der Zusammenlegung der Camps mit Jammerstimmchen ein Bröckchen roter Bete erbettelt - eine direkte Empfehlung, falls das biblische Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16,19-31) einmal verfilmt werden sollte. "Wie heißt das hier?", fragte Rolf an Tag 4. "Wie viele sind wir?", wollte er an Tag 5 wissen - und arbeitet sich so beharrlich dem unvermeidlichen "Wer bin ich?" entgegen. Unterwegs dorthin enttarnt er ganz nebenbei noch vermeintliche Moralproppen wie Brigidde und Ricky, die sich tuschelnd verständigen, sich nicht länger um den kapriziösen Alten kümmern zu wollen.

5. Was hat uns diese Dschungel-Staffel bis jetzt gelehrt?

Auf jeden Fall ein paar schöne neue Begrifflichkeiten für den Alltag. Nach Kasalla und Konfro wurden gestern im IBES-Telekolleg auch komplexere Idiome durchgenommen, die sich geschmeidig in den eigenen Sprachgebrauch integrieren lassen:

  • "Gib's zu, du hast die doch eben voll angelovt": Ursprünglich von Sophia an den balzbereiten David gerichtet. Ist eine elegante Eröffnungspassage für jede Eifersuchsszene.
  • "Du bist die Nummer 18, die nie zum Einsatz kommt bei mir": Eine von Thorsten geprägte, an Helena gerichtete Fußball-Analogie. Taugt zum patenten Universal-Diss.
  • "Bring mir nen Fahrer": Von Gunter bei seiner Kapitulation im Dschungeltelefon geächzt. Kann großzügig in allen Unbill verursachenden Situationen geraunt werden, egal ob Erdkäs-Abfrage, unsachgemäße Fußpflegebehandlung oder zähes Meeting. Als zweite Kasalla-Stufe ein mattes "Hol den Wagen" nachschieben.
  • "Du siehst aus wie diese eine, nur anders": Von - wie könnte es anders sein - David in charmierender Ansicht an Nathalie gerichtet. Der Freifahrtschein bei allen Wiedererkennungsproblematiken.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 156 Beiträge
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1.
Whitejack 20.01.2016
Akademikerfernsehen. Furchtbar heutzutage.
2.
christian simons 20.01.2016
Schuldbewusstsein zum ersten: Gestern habe ich hier noch rumgenölt, dass das diesjährige IBES in erotischer Hinsicht eine Pleite ist. Zwei Stunden später gehen Ortega & Volk lasziv ins Wasser und philosophieren anschließend über den Fluch der Fuckability. Das habe ich nicht gewollt. Schuldbewusstsein zum zweiten: Warum musste ich beim Gabriel-Exodus ständig an Gerard Depardieu denken, der vor geraumer Zeit mit stilistischen Ähnlichkeiten zu Putin desertiert ist? Schuldbewusstsein zum dritten: Bei Zacher und „Six Feet Under“ habe auch ich schallend gelacht. Ich komme in die Hölle.
3.
fleischzerleger 20.01.2016
Eigentlich sollte man als Fürstin das Wort Contenance kennen. Woran man sieht, das sie nur eine Eingeheiratete ist.
4. Ich fang mal an...
Betula 20.01.2016
...die ersten morgendlichen Lacher lassen den Tag richtig gut gelaunt beginnen :) Zu Höllenas Frisur fiel mir noch Schlingenteppichboden aus dem Baumarkt ein, B-Ware. Wo war eigentlich Manderes? Weiter so, Frau Rützel!
5. Respekt..Thorsten Legat..
schindelschwinger 20.01.2016
..da passte wirklich am besten der spruch: t. legat hat keine angst vor der dschungelprüfung...die dschungelprüfung hat angst vor torsten legat! :) und wo zum teufel war gestern eigentlich menderes??? der war gestern auf keiner einzigen aufnahme im camp zu sehen. außer vielleicht in rückblenden von vorgestern und zum schluss am lagerfeuer.
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