Dschungelcamp Tag 6 "Die hat doch nichts erreicht"

So, der Text ist fertig, uff. Aber sorry, mein Hirn ist zu matschig für einen Vorspann. Die vielschwänzige Kneifmundmamsell macht mich fertig. Warum? Lesen Sie selbst!

Von

RTL/ Stefan Menne

Echt ey, Legat! Da tut man die vergangenen Tage wenig anderes, als das schon hutzelig ausgewrungene Hirn auf der Suche nach einem weiteren Helena-Fürst-Wortspiel noch weiter zu schinden, spart sich das mittelprächtige "Fürst Mecker-nich!" für Notzeiten auf, um sie bei einem weiteren, garantiert anstehenden Motzauftritt bei einer Dschungelprüfung so zu bezeichnen; da singt man sich den ganzen Tag Barry Whites "You're the Fürst, the Last, my Everything" vor - und dann kommt ein Thorsten Legat und haut einfach mal so die brachial-poetischste Benamung raus, die man der vielschwänzigen Kneifmundmamsell nur angedeihen lassen kann: "Die hat doch nichts erreicht - die Furzfrau!"

Sein Furor kreiste dabei immer noch um das kleine Detail, dass Helena an Tag 5 beim Post-Prüfungs-Statement die gänzlich unhaltbare Behauptung aufgestellt hatte, auch Thorsten sei, wie alle anderen, des Geldes wegen ins Camp gezogen. "Watt soll ich mit der Kohle? Die verdien ich im Monat, inner Woche verdien ich die Scheiße!", tobte Toto sich in Rage, auf dem besten Weg, das bislang schönste Fußballerzitat im Bezug auf den eigenen Reichtum zu toppen: Marko Arnautovics "Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen!"

Wie macht Thorsten das bloß?

"Ich krieg Gänsehaut, ich könnte weinen - ich steiger mich voll rein", moderiert Thorsten seine Transformation. Und daheim geht es einem ja nicht anders, weil man denkt, jetzt passiert's, jetzt ist es so weit, jetzt rastet er endlich zur Gänze aus. Anschnallen bitte, ab geht die wilde Maus!

Doch dann ringt Thorsten sich im letzten Moment noch selbst nieder. Früher, noch vor ein paar Monaten, wäre er jetzt so richtig ausgerastet, sagt Thorsten und lässt leider das für Atomkraftwerktechniker interessante Detail offen, wie er sein Mütchen knapp vor der Kernschmelze inzwischen abkühlt. Snackt er Elefantentranquilizer wie andere Leute Geleebananen? Haut er sich regelmäßig mit einem Lavendelhammer auf den Kopf? Man weiß es nicht.

Fest steht nur: Der Muskelberg kreißte und gebar eine Furzfrau. Das ist unglücklich für Helena, doch für den weiteren Verlauf der Staffel ganz ausgezeichnet, denn ein Gegenspieler ist ja nichts wert, wenn er keinen guten Namen hat. Viel spricht da wirklich für "Furzfrau": Der Titel ist in Kombination mit dem bürgerlichen Namen der so bezeichneten putzig zu "FuFü" abkürzbar, hat aber gleichzeitig durch seine radikale Körperlichkeit etwas zwingend Archaisches (vergleiche: "Der Beißer").

Jeder Held braucht einen Gegenspieler

Angesichts Helenas unstillbarer Publicitygier auch nicht unwichtig: Der Name taugt exzellent als Filmtitel, sollte alsbald die cineastische Verwertung ihrer Lebensgeschichte anstehen. Ob der Streifen eher martialischer Actionfilm ("Die Rückkehr der Furzfrau - Aus dem Hartz in die Hölle") oder sensibles Melodram ("Furzfrau - Endstation Skorpionstich") wird? Man darf gespannt sein.

Batman hat den Joker, Sherlock Holmes seinen Moriarty und Neo den adretten Agent Smith, um sich immer wieder (und heimlich auch ein bisschen wohlig) an ihm zu schubbern. Ein Thorsten Legat hat nun offiziell seine Furzfrau. Verständlich, dass er da zur Feier des Tages schon mal anlasslos das Leibchen ablegt, um sich ganz nebenbei noch für die nächste "Hulk"-Inszenierung der Laienspielgruppe Remscheid-Trecknase zu empfehlen.

Furzfrau. Hätte man auch selbst draufkommen können, ey.

Tröstlich allerdings: Nicht nur man selbst hat offensichtlich Wortfindungsstörungen, auch im Camp wurde an Tag 6 ausgiebig zu diesen Themen gestammelt:

  • Australische Fauna: Helena, die Furz-Freifrau, kehrt von der Prüfungsverweigerung zurück und wird von ihren Mitcampern gefragt, warum sie sich dem Test von vornherein entzogen hat. Helenas Begründung bei der Prüfung ("Da fliegen wieder diese Viecher! Von oben auffen Kopf!") klingt nicht so richtig gut, also erzählt sie nur vage von einer tierischen Bedrohung. "Was für Tiere?", will man wissen. "ALLE Tiere!", erwidert Helena und stellt die Prüfung in Ermangelung differenzierten-zoologischen Vokabulars damit so hin, als wäre potenziell die gesamte Besatzung der Arche Noah auf sie herniedergeprasselt. Logistisch sicher knifflig, aber vielleicht eine schöne Anregung für die Camp-Orga.

  • Ach, apropos Orga: So würde die Furzfrau, Prägerin des Fachbegriffs "Konfro", wohl den sexuellen Höhepunkt bezeichnen. Renaissance-Mensch David mäanderte bei seinen Einlassungen zu diesem Thema allerdings wenig zielgerichtet herum: "Orgasmus. Orrrr-Gas-MUSS - da bin ich unterfragt", wand er sich zunächst bei der Befragung im Dschungeltelefon, um sich dem Begriff dann über die Schwundstufe eines Haiku zu nähern: "Orgasmus. Zufriedenstellend. Zufrieden. Orgasmus, zufrieden."

    Doch David wäre nicht der multiple Professor, der er ist, würde er nicht noch eine streng wissenschaftliche Definition nachschieben. Ein Orgasmus, Hobby-Sexologen bitte aufmerken, ist demnach "eine Art von Punkt, wo man eine Grenze erreicht, wo man sagt: Ab hier kann ich schlafen." Nicht zu verwechseln also mit dem Ortegasmus - der ist nämlich eine Art von Satz, wo man eine Grenze erreicht, wo man sagt: "Hilfe, ich glaube, jemand hat unsachgemäß mein Gehirn eingefroren."

  • Auch Nathalies Gesicht brachte einige Camper in Wortfindenot: Sophia schießt bei der (optisch schon wieder auf halbem Weg in der Metamorphose zu Dolph Lundgren befindlichen) Brigidde gegen das blassnasige Model: "Mir gefällt der Gesichtsausdruck nicht." Gemeinsam versucht man, das störende Phänomen zu benennen:

    Sophia: "Sie ist arrogant balla-balla."
    Brigidde: "Balla-Balla!"
    Sophia: "Bisschen balla-balla!"
    Beide (singend): "Balla-balla, o-ho, balla-balla."

    Der Fachbegriff für Nathalies wenig freundliche Miene, die jedoch nichts mit ihrer Laune, sondern schlicht mit ihrer Gesichtsgrundstruktur in Ruhestellung zu tun hat, ist übrigens "Resting Bitch Face", kurz RBF. Der Fachbegriff für das Balla-Gespräch von Sophia und Brigidde ist "Dadaismus für sehr, sehr arme."

  • Bleibt nur die Frage, wie man die Unterhosenimitation von Sophia nennen soll, mit der sie gemeinsam mit Jürgen zur Schatzsuche zog. "Ihr müsst Eier mit dem Hintern zum Platzen bringen, rein und raus geht es durch den Schleimkanal", beschrieb Daniel Hartwich ihre Aufgabe - wer da gerade daheim auf dem Sofa wohlig am Wegnicken war, riss bei dieser Beschreibung erschrocken die Augen auf. Und sah Sophia in einer Winzbuxe im Schmodder planschen. Nennt man das Kimmenschlüpfer, Arschkordel, Backenstrippe? Pfff, fragt doch einfach euren Thorsten!

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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fleischzerleger 21.01.2016
1.
Heute wird es spannend - mal schauen, ob Comtesse Pleurer sich auch vor allen anderen der Aufgabe entzieht, weicheiig aufgibt, sich hinterher bemitleiden läßt oder sich doch laut Selbstbild wie eine Madame de Sade gibt.
kris82 21.01.2016
2. Das Camp muss bleiben
Alleine schon für diese herrliche Kolumne lohnt sich diese Unterschichtensoap. Wirklich beeindruckend und großes Lob an die Autorin!! Grandios!
octron24 21.01.2016
3. Schwafel, Schwafel...
...dieses Wortgetöse kann man ja nicht zu Ende lesen. Können Sie auch normale Aufsätze schreiben?
steffen.heil 21.01.2016
4. Sehr schön..
..Frau Ruetzel! Am besten finde ich ja "RBF". wieder was gelernt fürs Leben..
gatsue 21.01.2016
5. Unerhört!
Das ist schlichtweg Haiku - Verunglimpfung. Kann so etwas nicht bestraft werden?
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