Dschungelcamp Tag 7 Philosophische Grunzkenntnisse

Was hält die Gefährten im Dschungel zusammen (außer einem soliden Zaun und bottichweise Madenschmalz)? Richtig: Yin und Yang. Oder, wie man im Camp sagt - irgendwas mit Dallar-Lama.

RTL/ Stefan Menne

Von


Es kommt für viele überraschend, aber David, dieses sonst eher stumpfe Schweizer Taschenmesser vielfältiger Wissenschaften und Künste, hat neben einem gemeinhin als angenehm empfundenen Äußeren (Brigidde würde sagen: "Er sieht so gut aus mit diesem Smile und Augen") auch eine schöne Seele.

Im Dschungel unterhielt er darum einen philosophischen Plaudersalon und berichtete vom sogenannten Daller-Lama, von dessen Lehren er derartig beseelt sei, dass er ihn gar "bei Facebook geaddet" habe. Nicht auszuschließen bleibt, ob das geschah, weil er den Daller versehentlich für ein lustig spuckendes Andentier hält.

Doch immerhin philosophische Grunzkenntnisse scheinen überraschenderweise noch ein gedrängtes Plätzchen im Ortega'schen Hirnfaszinosum gefunden zu haben. "Ich finde das Yin-Yang-System geil", sagt David, als handele es sich dabei um eine neue billigschwedische Regalkonstruktion oder eine trottelsichere Kombination von Sportwetten. "Und der Daller-Lama ist der König des Glaubens vom Yin und Yang."

Immerhin hat er sich für sein Philo-Telekolleg ein passendes Thema ausgesucht, denn Yin und Yang, die Lehre von einander entgegengesetzten, sich duellierenden und doch irgendwie miteinander verbundenen und aufeinander fixierten Kräften ist eines der Grundprinzipien, die das Dschungelcamp - neben einem soliden Zaun und bottichweise Madenschmalz - im Innersten zusammenhalten. Sieg und Niederlage, Liebe und Hass, Larissa und Glatzenpeter: Hier findet zusammen, was doch irgendwie zusammengehört. Auch in diesem Jahr gibt es einige interessante Yin-Yang-Konfro-Kombis.

Finster und zappenduster

Wo sich anderswo Licht und Schatten abwechseln, changieren in der David'schen Denkbrache eher subtile Schattierungen. Von finsteren Einlassungen ("Kartoffeln sind von der Pflanze ihre Kinder") zu stockdunkler Nacht ist es bei ihm nicht weit, wie seine gestrigen Lektionen in Emo-Botanik demonstrierten: "Was ist, wenn Pflanzen die perfekte Gesellschaft sind? Wenn ein Baum kaputt ist, dann wissen das die anderen. Die können sich auf der ganzen Welt verstehen. Pflanzen sind introvertiert, so dass sie sich gar nicht zeigen wollen. Sie verstehen sich, ohne sich zu beschweren!" Weswegen man Pflanzen bitte nicht zu "Außenseitern" machen sollte.

Sofort wuchtete man sich da vom Sofa, um dem schüchternen Basilikum schuldbewusst durch sein raschelndes, vernachlässigtes Würzlaub zu kosen. Und hey, plötzlich ergibt alles Sinn: Natürlich sind Pflanzen schlau, warum sonst gibt es so viele Baumschulen? Denkt doch mal mit, Leute! Und addet den Daller!

Einlegat und Furzfrau

Vorgestern noch schien diese Helden-Gegenspieler-Konstellation stabilstens verdübelt, nun scheint die Erzverfeindung, dem sich ewig wandelnden Yin-Yang-Prinzip folgend, durchaus im Fluss. Und hat Thorsten, jetzt mal aus dem Gedächtnis behauptet, nicht auch einen schwarz-weißen Yin-Yang-Kringel irgendwo als Tattoo eingefräst? Obwohl er mit den aufgerissenen Spiegelei-Augen immer noch oft dreinschaut wie eine Echtmensch-Inszenierung von Munchs "Der Schrei", scheint Terminator Thorsten durchaus mit Wechselstrom betrieben - immer wieder zeigt er nun seine weiche Seite.

Sei es, wenn er anlässlich Brigiddes Sofasex-Erzählungen ("Wir haben alles gemacht, sofort, ganze Nacht, alles, alles, alles") zum Schmunzelerotiker wird - oder Helena nach deren erfolgreich absolvierter Dschungelprüfung im Überschwang gar ein Küsschen appliziert. Zuvor hatte er abermals schier übermenschliche Willenskraft gezeigt und war bei Helenas erneuten Annölungen von der Seite ruhig geblieben - gemäß seiner Maxime "Der Klügere lässt nach", die man sich als passionierter Gammler und Faulibert sofort tätowieren lassen will.

Überraschende Helena-News übrigens: Sie will nach ihrem Camp-Aufenthalt "in die Unterhaltung" gehen. Erwartbare Helena-News dagegen: Sie wurde schon wieder in die Prüfung gewählt. So langsam ist sie echt ein armes Fürstchen.

Hinfällig und putzmunter

Wenn "die Wixer" bei der Kunstdarbietung nicht die Ohren aufsperrren, kriegen sie eben eins auffe Fresse - das ist alte Berliner Varieté-Schule, die der osterhaft wiederauferstandene Rolf da demonstriert. Erst pfiff er aus dem letzten Loch, jetzt plötzlich "Für Elise". Vom staunenden Camp forderte er zu Recht entsprechenden Beifall: "Ja, ihr Flaschen, ohne Applaus läuft jar nüscht!"

Männlich und weiblich

Nervigster Handlungsstrang ist derzeit die kalkulierte Schmuseanbahnung zwischen David und Nathalie, die sich dieses Mal rund um den (von Indira und Jay auf ewig entweihten) Camptümpel zutrug. Viel betrachtenswerter als eine mögliche noch ins Haus stehende gegenseitige Betastung der beiden ist doch Nathalie an sich selbst: Interessant, wie brüllend uninteressant sie ist! Ein Schneewittchen, wächsern wie ein Deko-Apfel im Möbelhaus, und immer sonderbar imprägniert wirkend. Hat sie etwa all ihre Zickenkraft eingebüßt, als sie ihre Augenbrauen rodete? Saß all ihr hartes, heißes Yang in den gezupften Borsten? Vielleicht pflegt Pflanzenflüsterer Ortega auch dieses Mauerblümelein noch zur vollen Pracht. Man mag es sich nicht vorstellen.

Ach, irgendwie doch.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

Noch nicht genug vom Dschungelcamp? Hier geht es zu:

Fotostrecke

12  Bilder
Dschungelcamp 2016: Kandidaten im Check

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 122 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
asdfred 22.01.2016
1.
Betrug! Gestern hat man deutlich sehen können das RTL dem Legat situationsabhängig Valium in die Bohnen rührt. Außerdem bin ich mittlerweile überzeugt das es hier nie darum ging die Kämpferin aus Leidenschaft zu brechen sondern Legat mal echte Grenzerfahrungen zu bieten.
jocelynn 22.01.2016
2.
herrlich frau rützel. sie haben mir meinen arbeitstag wieder gründlich versüßt. ich liebe Ihre kolumne!
fleischzerleger 22.01.2016
3.
Gestern hat es mich überfordert: das Gesinge, der Professor in seiner Komplexität, den Sprung von Legat - erst Haß, dann Kuß... Zu viel für eine Seele wie mich, die gerne mit den Armen auf dem Kissen aus dem Fenster schaut.
annunciataalmaut 22.01.2016
4. Somehow simili
Ich habe furchtbare Angst vor der Auferstehung. Denn es ist offensichtlich, dass wir in einem anderen auferstehen müssen. In einer Art Imitation. Somehow simili. Das ist die Hölle. Aber was hat Ilse Werner nur getan? Oder Michael Jackson? Oder Lolo Ferrari? Ich muss zur Messe.
Peter M. Lublewski 22.01.2016
5. Angesichts Helenas Wortschwall alles richtig
gemacht, Colonel Legat: Der Medusa schaut man nicht in die Augen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.