Dschungelcamp 2017 Komm mit mir ins Schabenteuerland!

Dschun-gel-camp! Dschun-gel-camp! Ja, es ist wieder so weit. Zwölf extrem bekannte Menschen gehen campen, und die Zuschauer klammern sich an die bekannte Anweisung: "Nicht brechen!"

RTL

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Knarzend öffnet sie wieder ihre Pforten, die zwangloseste, niedrigstschwellige Volkshochschule des Landes. Das unterhosenoptionale Kakerlakenkolleg, das einzige Studium generale, bei dem man seinen Klappsitz nicht mühsam renitenten Kunstgeschichts-Ömchen abtrotzen muss.

Was haben wir nicht schon alles gelernt im Dschungelcamp! Wir haben Grundkenntnisse über den Aufbau der griechischen Tragödie erworben, manchmal in 14 Tagen "Ich bin ein Star, holt mich hier raus"-Camp tiefere Erkenntnisse über menschliche Trottelmechanismen erlangt als in 14 Semestern Soziologiestudium und eine Ahnung davon bekommen, dass es im Dschungel eigentlich auch nicht anders zugeht als daheim: "Das sieht hier aus wie im Teutoburger Wald, bei Detmold", lehrte im vergangenen Jahr Notdozent Gunter Gabriel.

Als Antrittsvorlesung hat man für dieses Jahr einen Klassiker der Sozialpsychologie neu aufgelegt. Zuerst lässt man sich das Camperdutzend selbstständig in zwei Gruppen teilen, die dann nach einer (gemessen an den Vorjahren) verhältnismäßig unspektakulären Anreise ins Camp - kein Kreischen, kein Kollabieren, kein Kasalla - in kleinen Prüfungen einer nach dem anderen in Duellen gegeneinander antreten müssen, während die restlichen Camper dabei zusehen.

Es ist dann fast ein bisschen fad, wie unerwartet unzimperlich die meisten sich in ihre klassischen Dschungel-Schikänchen fügen und sich tatsächlich Mühe geben. Connaisseurs erinnert dieses Arrangement freilich an ein Experiment des Sozialpsychologen Robert Zajonc, der im Jahr 1969 eine Schar Küchenschaben einfache Aufgaben erledigen ließ - einmal ganz allein, nur für sich, und einmal, während sie eine Gruppe Zuschauer-Kakerlaken beobachtete. Das Ergebnis überrascht niemanden, der je die Pein desolater Bundesjugendspiele durchleiden musste: Wenn sie beobachtet wurden, kamen die Schaben schneller ins Ziel.

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Dschungelcamp-Auftakt: Wohl bekomm's!

Vor Publikum läuft dann folgerichtig auch der bislang leicht von Minderleister-Muff umflorte Mallorca-Jenser zur Hochform auf, als er gegen Kampfgrinser Honey um die Wette Sterne aus ekelintensiv gefüllten Bottichen herausfischen muss. "Natürlich mit dem Mund", sagt natürlich Sonja Zietlow, und juhu!, schon darf man beim traditionellen IBES-Bingo das erste Kästchen abstreichen, schnell gefolgt von "Nicht brechen!" und "Fest saugen!". Im Anschluss essen Gina-Lisa und Florian um die Wette Dickraupen, Nicole zimpert an Fischabfällen herum, das übliche.

Tatsächlich bleibt der aktuelle Jahrgang beim Auftakt noch etwas hinter den Erwartungen zurück, aber man darf guten Mutes sein: Das wird sicher noch. Schließlich deuteten sich schon in der Einzugssendung mindestens sechs durchaus lohnenswerte Handlungssträngchen an, die in den nächsten Tagen hoffentlich noch an Wumms gewinnen werden.

"Schlucken kann er"

1. Die ziemlich wahrscheinliche Floney-Romanze: Selbst ausgebufftesten Fanfiction-Schreibern und -Schreiberinnen zitterte gewaltig der Zierpuschel am Lieblingskuli, als Honey in seinem Vorstellungsfilmchen putinesk mit nacktem Oberköper an einem Strand herumritt. Als Florian ihn bei ihrem ersten Zusammentreffen dann ansatzlos dafür anging, dass Honey sich für ein Facebookposting beim Duschen gefilmt und dabei äußerst grobmotorische Genitalmetaphorik betrieben hatte, barst Twitter sogleich unter dem rasch geschmiedeten gemeinsamen Schmusename "Floney". Als sich in der Folge Honey dann extrem als Ladies' Man gerierte und ein paar zu viele "Hihihi…schwuuuul"-Kommentare in Florians Richtung abließ (etwa bei dessen Madenverzehrprüfung: "Schlucken kann er"), war auch dem prüdesten Klemmofanten klar: Hier wird sicher bald betastet.

2. Die entwaffnend sachlich leidende Hanka: So klar und offen ging sie mit ihren diversen pathologischen Störungen, Zwängen und Ängsten von Keimen, Berührungen, der Welt um, dass man all die schönen ausgedachten Spitznamen für sie (Hankle Feucht! Sagrotanka!) sofort beschämt im Klo herunterspülen möchte. Besonders rührend: ihre Fingerkuppen-Minimal-Abklatschversion, weil ihr ein echtes High Five wohl zu bazillolös wäre. Bitte sofort als offizielle Begrüßung unter IBES-Freunden einführen!

3. Die Einlassungen der Dümmeline Sarah Joelle: "Ich bin echt keine Denkerin", beschied sie, als sie bei ihrer Prüfung unter kakerlakengefüllter Taucherglocke eine Schätzfrage beantworten musste: Wann wurde Sydney gegründet? "1920", schätzte Konkurrentin Kader, was schon arg war, doch Sarah Joelle legte mit "1930!" noch ein paar dumpfe Stumpfe nach. 1788 wäre übrigens richtig gewesen.

Kader Loth - die Burgtheatermimin der Trashwelt

4. Die kadersche Schauspielkunst: Die lustige, pumplippige Frau mit der Pandaaugenschminke versteht einfach ihr Handwerk: Als Burgtheatermimin der Trashwelt brillierte sie in der Rolle des hirnlosen Schnütchens, sagte stets "Das habe ich verstanden!", wenn sie keine Ahnung hatte, fragte bei einer Regelerklärung etwa 200 Mal "und wenn nicht?" und glänzte mit Verblödungsparaden wie "Ein schwaches Glied? Was ist Glied?". Beim Einstieg in den Helikopter entglitt ihr ein eventuell echter Versprecher: "Ich hab ein bisschen Höhenflug", aber der wäre selbst Freud zu schäbig gewesen. Neben der Doofirolle kann keine Empörung so gut wie sie: "Wir sind seelisch, moralisch und körperlich vergewaltigt worden", befand sie beim Einzug ins Pritschenlager.

5. Die fortschreitende Wutvermolchung von Markus. "Ich kann stundenlang durch den Garten springen und mich mit Wasser vollspritzen. Ich bin ein Delfin", gab er vor dem Einzug noch den semischamanistischen Weltengeist, im Camp meditierte er mustergültig - aber vielleicht nur, um noch mehr Kraft für anstehende Zornausbrüche zu finden. Weil er unzufrieden mit dem Zustand des Trinkwasserbehälters kam, wurde er schon am ersten Tag pampig. "Es wird jetzt sofort gesäubert, und zwar zackig, ist das klar?", herrschte er ins Dschungeltelefon, verzehrte dann bei seiner Prüfung aber klaglos allerlei, was Fräulein Menke von vornherein denkbar lapidar mit "nee" ablehnte: Sand- und Mehlwürmer, Kotzfrucht, Rattenschwanz, Truthahnhoden. Schweinehirn an Urinsoße verweigerte er nach kurzem Schnüffeltest in fast kaderesker Fragekaskade: "Das ist doch Pusche? Pusche? Pusche?"

"Wer Hater hat, hat auch Lover"

6. Die Weiterführung der ortegaschen Bildungsarbeit. Hurra, endlich wieder neue Wörter! "Es ist wichtiger, mit Charmantität jemanden zu begeistern als mit gutem Aussehen", erklärte der Jenser, und sofort kramte man froh das nur leicht angeschmuddelte Vokabelheft heraus, das nach der vorzeitigen Abberufung des Prekärdozenten Dr. Ortega im vergangenen Semester noch halb leer war. Wobei, vielleicht braucht man dieses Jahr eher ein Poesiealbum, denn Fräulein Menke haute schon ein paar gute Motivationssprüche raus: "Wer Hater hat, hat auch Lover. Wer gar nichts hat, hat Pech", zum Beispiel, oder: "Genervt sein ist ein Denkfehler." Letzteres erinnerte wehmütig an Larissas "Wenn ich euch nerve, habts ihr keine Nerven." "Fressen und gefressen werden", sinnierte auch Gina-Lisa am Lagerfeuer und verfiel bei so viel Tiefsinn direkt ins hessische Heimatidiom; "Unn wie heißt der annere? Leben…Kämpfen…und Respekt irgendwie, ich komm jetzt nicht drauf." Charmantität pur!

Man muss sich um die Potenzialisation dieser Staffel also vorerst noch nicht sorgen. Das kann gut werden. Und darum jetzt alle:

Komm mit mir ins Schabenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand.

Das sind die Kandidaten:

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Dschungelcamp 2017: Diese Promis machen mit

Gina-Lisa Lohfink, Ex-Castingshow-Teilnehmerin
Jens Büchner, Ex-Castingshow-Teilnehmer
Fräulein Menke, Musikerin (Neue Deutsche Welle) und UPS-Paketbotin
Thoms Häßler, Ex-Fußballprofi
Sarah Joelle, Ex-Castingshow-Teilnehmerin
Nicole Mieth, Ex-Soapdarstellerin
Markus Majowski, Schauspieler und Werbegesicht
Marc Terenzi, Sänger und Stripper
Hanka Rackwitz, TV-Maklerin
Florian Wess, It-Boy
Kader Loth, Model und Moderatorin
Alexander "Honey" Keen, Ex-Freund einer Ex-Castingshow-Teilnehmerin

Hier sind die RTL-Dschungelcamper 2017 im Steckbrief.

Alle Dschungelcamp-Folgen 2017 in der Übersicht:

Dschungelcamp Folge 1: Freitag, 13. Januar 2017 um 21.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 2: Samstag, 14. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 3: Sonntag, 15. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 4: Montag, 16. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 5: Dienstag, 17. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 6: Mittwoch, 18. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 7: Donnerstag, 19. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 8: Freitag, 20. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 9: Samstag, 21. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 10: Sonntag. 22. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 11: Montag, 23. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 12: Dienstag, 24. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 13: Mittwoch, 25. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 14: Donnerstag, 26. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp Folge 15: Freitag, 27. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp - Das große Finale: Samstag, 28. Januar 2017 um 22.15 Uhr
Dschungelcamp - Das große Wiedersehen: Sonntag, 29. Januar 2017
Dschungelcamp - Das Nachspiel: Samstag, 11. Februar 2017



insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
davornestehtneampel 14.01.2017
1.
Und gleich können wir wieder Empörungsbingo spiele, als wär's das erste Mal... Ich leg mal vor: - "Ich guck das ncht, aber..." - "Was ist daran Kultur?" - "Wie kann Spiegel nur..." - "Unterterschichtenfernsehen" - "Das sind ja alles keine Stars!"
Peter M. Lublewski 14.01.2017
2. My air was away
Zitat von davornestehtneampelUnd gleich können wir wieder Empörungsbingo spiele, als wär's das erste Mal... Ich leg mal vor: - "Ich guck das ncht, aber..." - "Was ist daran Kultur?" - "Wie kann Spiegel nur..." - "Unterterschichtenfernsehen" - "Das sind ja alles keine Stars!"
Ich hab' seit 62 Jahren keinen Fernseher mehr.
christian simons 14.01.2017
3.
Da ich mich heute morgen mit meinem Referat blöderweise in einen IBES-Thread verirrt habe, der nicht das Rützelsche Gütesiegel trägt, muss ich jetzt copy und pasten: Meine ersten Eindrücke: Hanka Rackwitz: Früher war alles besser. In meiner Jugend wurden Meltdown-Monologe dieses Kalibers von Elisabeth Flickenschildt interpretiert. Zitat: „Es ist so schade um die schöne Lebenszeit.“ Jede Wette, diese Parole hat Hanka hier aus dem Forum von einem unserer IBES-Skeptiker abgekupfert. (In diesem Zusammenhang sollte man auch einem Doktor Bob mal ins Stammbuch schreiben: Im Minenfeld der Psychosomatik begnügt man sich nicht mit Hansaplast.) Markus Majowski: Der Dirtwatergate-Eklat bringt es an den Tag: Hinter der possierlichen Heinz-Erhardt-Gedächtnisvisage verbirgt sich eine tickende Zeitbombe. Ich wittere einen veritablen Horrorclown. Icke Hässler: Die Stimme der Vernunft. Gähn. Aber als tadelloser Charakter mit minimalem Unterhaltungswert ist er traditionell ein heißer Anwärter auf den Titel. Florian „Hot Lips“ Weiss: Nanosekunden nach dem ersten Händedruck liefert er eine miserabel getimte Vorstellung der zuhause präparierten Hengstbissigkeit, indem er schmallippig (pun intended) Honeys ostentatives Nacktduschen auf Facebook geißelt. Sorry, Mister Nip/Tuck, method acting geht anders. Marc Terenzi: Spätestens nach drei Tagen wird sein öliges Carpendale-Idiom allen Beteiligten tierisch auf den Zeiger gehen. Rauswählen subito. Hader Lump, pardon Kader Loth : Nein, keine Michael Jackson-Witze. Das wäre zu einfach. In diesem hochkomplexen Fall muss die Diagnose von Fachleuten wie A. Rützel und O. Kalkofe gestellt werden. Mallorca Jenser: Eine jüngere Version von Gunter Gabriel, bei der mutmaßlich durch jahrelangen Ballermann-Hedonismus gesundheitliche Kalamitäten vorprogrammiert sind. Dann könnte er, genau wie Gunter, ein Kandidat für Dr. Bobs Palliativbehandlung werden. Fräulein Menke: Die hat was gut bei mir, weil sie seinerzeit das wohl launigste Libretto der „Neuen Deutschen Welle“ abgeliefert hat: „Zögernd gibt er zu verstehn, Schatz es ist kein Land zu sehn“ (aus: Tretboot in Seenot) Gina Lisa: Bislang nur ein paar Plattitüden mit dem Tenor „Das Volk soll endlich einmal erfahren, wie ich wirklich bin.“ Wenn RTL aber im Schneideraum auf Zack ist, dann könnte aus dieser „Don’t mention the trial“-Nummer ein echter Brüller werden. To be continued…
m82arcel 14.01.2017
4.
Ah, das Forum zum Artikel wurde endlich freigeschaltet. Schön, schön. Ich fand die erste Folge erstaunlich gut - nicht direkt so sehr krawallig, aber mit schönen Vorlagen für Frau Rützel. Aber natürlich gucke ich sowas nicht ;)
hastroktum 14.01.2017
5. Komm mit mir ins Schabenteuerland, ...
... Eintritt gibt's nur ohn' Verstand. Risiken und Nebenwirkungen erfragen Sie bitte bei der RTL-Hotline oder bei Sonja Zietlow. Frau Rützel ist hingegen für semantische Aufarbeitung der Kollateralschäden zuständig. Ach wie schön, dass es wieder losgeht ...
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