Dschungelcamp 2019 Gisele kriegt die Motten

Mit welcher Schmiere salbt Yotta seinen Glanzkörper? Wann kloppen sich - oder knutschen - die Dschungelcamp-Kontrahenten endlich? Und wie lange hält Gisele den Prüfungsdruck aus? Tag zwei im Camp, und so viele Fragen.

RTL/ Stefan Menne

Von


So, jetzt mal Tacheles: Hat diese Staffel nun das Zeug zum Supercamp? Gemach, gemach. Wer jetzt schon wegen vermeintlich mangelnder Konfro quengelt, hat keine Ahnung davon, wie so ein hochkomplexer Dschungelcamp-Organismus arbeitet. Erfahrene IBES-Freunde genießen dagegen diesen frühen, nur leise blubbernden Gärungsprozess, bei dem sich die Camper einander noch wie scheinbar zahnlose Raubtiere umschleichen, die sich aber in Wahrheit schon ganz genau ausgucken, wer in der Herde die schwächste Antilope oder Gisele ist.

Wie steht es bei Yotta vs. Currywurstmann? An Tag zwei liegen die taktischen Vorteile ganz klar bei Yotta: Der passionierte Pumper nutzt seinen jahrelang gestählten Blähmuskel, um sich ochsenfroschesk vor seinem Kontrahenten aufzublasen - und der CWM springt so bereitwillig über jedes hingehaltene Empörungsstöckchen, dass man meinen könnte, er verbringe ein bisschen zu viel Zeit auf Twitter.

Bester Move von Yotta: Er rückt auf CWMs Schlafpritsche so nah an den Feind heran, dass der sich in seiner shiny Glanzhaut spiegeln kann. Apropos, was ist das eigentlich für eine mysteriöse Schmiere, mit der sich der Yotta vor der morgendlichen Visite durch die Moderatoren stets den ganzen Schwellkörper zu salben scheint? Hat er einen Bottich Melkfett mitgebracht oder ist das körpereigene, bei seinem Miracle Morning herausdrainierte Ego-Molke?

Fotostrecke

8  Bilder
Dschungelcamp, Tag 2: "Oh mein Goooott!"

Wie lief die Prüfung? Fad. Gisele sollte in diversen tiergefüllten Kammern Sterne sammeln, verharrte aber die meiste Zeit eingefroren in einem sonderbaren, überraschend tränenarmen Paradoxmix aus Gleichgültigkeit und Hysterie. "Oh mein Goooott!", kommentierte sie jede Ratte, Kakerlake, Krabbe und heimste unterwegs tatsächlich irgendwie noch fünf Sterne ein. Das war mäßig unterhaltsam, leider muss sie heute schon wieder ran. In einer besseren Welt würden verständige Zuschauer abwechselnd Yotta und CWM schicken, so lange, bis die beiden endlich wirklich miteinander raufen - oder knutschen.

Tierchenphobie des Tages I: Ein Falter bringt Gisele an den Rande des Nervenzusammenbruchs, was niemanden wundert, der seinerzeit ihre attestierte Schmetterlingsphobie bei "Germany's Next Top Model" miterlebte. Domenico echauffierte sich gleich einmal über den unhaltbaren Flatterbefall: "Es kann doch nicht sein, dass wir hier im Gesprächssaal Motten haben!", monierte er im genau genommen wirklich nicht besonders saalartigen Dschungeltelefon-Bretterverschlag und kann sein bislang geheim gehaltenes Abendstudium an der Dr. Ortega-Akademie für Blitzbirnenarchitektur nun nicht länger verbergen. Wie würde er selbst so schön sagen? Stein drüber!

Tierchenphobie des Tages II: Der CWM fürchtet sich vor einer Spinne und krakeelt so lange, bis Yotta das Tier schweigend und stoisch wegträgt - um den Verängstigten mit dem leicht entflammbaren Gemüt eines nicht richtig abgedrehten Gasgrills anschließend mit dem Satz "Also Chris, du bist safe, ich habe dich gerettet" zu trollen. "Das ist ein reiner Provokant", empört sich der CWM auch prompt im schönsten Dittsche-Dialekt. Bei anderer Gelegenheit habe Yotta ihm beschieden, er solle doch einfach seinen Mops ficken. Womöglich noch seinen ganzen Stammbaum dazu!

Verpasstes Hochkulturbeef: Man rauft sich daheim angesichts dieser vergebenen Großchance die Haare. Warum warf der CWM den Handschuh, den er sich umständlich für den eigenhändigen Spinnenabtransport beschafft hatte, Yotta nach dessen Provo-Satz nicht einfach ins Gesicht, nach klassischer, leider stark aus der Praxis geratener Fehde-Handschuh-Manier? Sandra hat noch eine Alternatividee: "Haut euch doch mal!" Bleibt zu hoffen, dass RTL die Gunst der Stunde erkennt, Handschuh und Hauen kombiniert und mit den beiden Campmännchen endlich eine eine neue Runde Promiboxen einläutet.

Freud'scher Bonusmoment: Langsam wird's ein bisserl penetrantfäkal, wie zwanghaft der selbst ernannte Wurstmann die ganze Zeit von Ausscheidungen spricht. "Irgendein Kackvogel" vom Team solle kommen und die Spinne wegnehmen, er gehe jetzt gleich "in dieses verkackte Dschungeltelefon" und seinen persönlichen Miracle Morning habe er, klar: "beim Kacken". Was immerhin ein bisschen lustig ist, weil Yottas Strong-Hälzi-Energy-Frühappell, den er mit esowilligen Mitcampern zelebriert, tatsächlich stark an einen, sorry, Stuhlkreis erinnert.

Productplacement des Tages: Giseles Buch über eine selbst zehn Jahre lang durchlittene verschmähte Liebe, das sie angeblich "gerade" "schreibt". Wenn sie gut beraten ist, bringt sie es direkt als selbst eingeknarrtes Hörbuch auf den Markt. Den Schlüsselsatz des Werkes kann mal direkt schon leaken: "Ich bin halt traurig, ne."

Aluhut des Tages: "Mein Ziel ist, dass ich heute Schweinearschloch auch wirklich aufesse", sprach Evelyn noch in fließendem, artikelarmen Evelynisch beim Yottaschen Motivationsmanöver - um nur ein bisschen später im vertraulichen Gespräch mit Gisele ganz flüssig und vor allem verständig über ihre leidige Domenicovergangenheit zu sprechen. Ein schrecklicher Verdacht keimt auf: Hat sie sich die Rolle des dauerdümmlichen Schwundhirn-Schnuckels nach aufreibender Ingrid-Steeger-DVD-Selbstschulung nur antrainiert? Aber das würde ja bedeuten, dass die Menschen im Camp gar nicht authentisch sind, und das wäre ja ausgemachter Blödsinn.

Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version dieses Textes trug die Überschrift "Aufruhr bei den Mottentotten" - ein Wortspiel mit dem Begriff "Hottentotten". Da dieser Terminus eine rassistische Konnotation hat, haben wir die Artikelüberschrift geändert. Wir bitten um Entschuldigung.

insgesamt 77 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Beijinger 13.01.2019
1. Was bin ich froh
dass ich nicht einmal zufällig so einen Mist im TV ansehe, da es glücklicherweise im chinesischen TV nicht gezeigt wird. Mir reichen die Tagesberichte von Anja Rützel, deren Lektüre immerhin spassig ist ob der unglaublichen Dummheit der selbsternannten “Stars”. Ich masse mir jetzt kein Urteil über die an , die sich täglich diesen Müll im TV anschaut. Aber wer’s mag.....
noworriesmate 13.01.2019
2. Das beste am Dschungelcamp...
... sind die Beiträge von Anja Rützel. Ich schaue die Folgen gar nicht an, lese bee jeden Morgen Ihre Rubrik. Es ist herrlich, den Tag mit herzhaftem Lachen zu beginnen, vielen Dank dafür !
spon-1275052077534 13.01.2019
3. Danke Frau Rützel
Eigentlich schaue ich mir IBES nur an, um am Morgen danach, zum Teil lauthals lachend, Ihre wunderbar formulierten Kommentare lesen zu können. Danke dafür!
jeanluc9 13.01.2019
4. Anja, wie machst Du das nur?
Täglich nur Stunden nach der Show solch ein Sprachfeuerwek hinzulegen, verdient die allergrößte Hochachtung. Ich schaue IBES nur, um am nächsten Morgen Anja zu verstehen.
competa1 13.01.2019
5. Schauen Sie bitte auch die Folgen..
Zitat von noworriesmate... sind die Beiträge von Anja Rützel. Ich schaue die Folgen gar nicht an, lese bee jeden Morgen Ihre Rubrik. Es ist herrlich, den Tag mit herzhaftem Lachen zu beginnen, vielen Dank dafür !
..denn diese herrliche Groteske lässt Sie auch mit einem Lächeln einschlafen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.