Dschungelcamp, Tag drei "Kein Stern, der deinen Namen trägt"

Endlich rumpelt es nach Jahren der faden Harmonie mal wieder richtig im Camp! Als Dschungelfreund möchte man vor Freude glatt singen. Und müsste dazu acht bekannte Gassenhauer nur geringfügig umtexten.

RTL/ Stefan Menne

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Jürgen Drews: Ein Bett im Zornfeld

Zwölf Menschen leben im Camp, aber leider gibt es für sie nur sechs Schlafpritschen. Was erst ganz harmlos nach einer dieser Theo-hat-fünf-Freunde-aber-nur-vier-Stück-Schmalzgebäck-Übungen aus der Grundschul-Rechenfibel klingt, entpuppt sich als kleine Möbelmoritat über die Egoschweinigeligkeit einzelner Kandidaten: Die bettlosen Bodenschläfer regen ein Rotationsprinzip an, um ihre Morschknochen zumindest zwischendurch mal halbwegs kommod betten zu können, doch Gisele und der CWM weigern sich rigoros, ihr gemütliches Lager wenigstens zeitweilig zu verlassen. Das vorläufige Ergebnis des ersten veritablen Dschungelstreits: Der Mensch ist dem Menschen ein Sausack.

Scooter: Respect to the Man in the Currywurst-Van

Und zwar für die bestaunenswerte Dümmlichkeit, sich wegen der Bettenpetitesse schon an Tag drei als Anti-Teamplayer erst einmal ins Aus zu schießen. Was 'ne Wurst.

Die Sterne: Was hat dich bloß so motiviert?

Yottas wunderliche Morningshow der tanztheatral angereicherten "I'm strong, healthy and full of energy"-Selbstsuggestions-Phrasenmeierei ist am dritten Tag leider schon auf nur noch fünf mittelengagierte Mitturner abgeschmolzen. Obendrein scheinen einige von ihnen gar nicht richtig zu wissen, was sie da genau beschwörerisch vor sich hin murmeln: Tommi vernuschelt den Text wie eine rumänische Tanzteeband, die die internationalen Hits mangels Englischkenntnissen einfach irgendwie nach Gehör durchschlingern ("Brasser Louie Louie Louie, oh tuwwie man su-ih!"), und Evelyn empfiehlt sich mit ihrer Version des Motivationsmantras schon mal als Testimonial für einen großen Bohrhammerhersteller: Sie ist nicht healthy, sondern "Hilti".

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Dschungelcamp, Tag drei: Ab ins Wrack

Led Zeppelin: Whole Yotta Love

So ganz genau weiß man noch nicht, wie man den nach wie vor in mysteriösem Salbungsglanz erstrahlenden Muskelanten einschätzen soll: Ist das nur noch mühsam bewahrte Contenance, die jeden Moment zerbersten könnte wie seine Gigantgenital-überforderte Hose bei der ersten Campuniform-Anprobe? Oder ist der Yotta wirklich so ein - zumindest im Wurstmannkontrast - netter Teammensch? Nachdem die allgemeine Nervenerosion für das frühe Campstadium schon erstaunlich weit fortgeschritten ist, werden wir es bald wissen.

Peter Alexander: Und "manchmal" weinst du sicher ein "paar" Tränen

Abermals muss Gisele zur Dschungelprüfung, und abermals gibt sie dort die gnääädige Frau, deren generelle Haltung zu den ihr gestellten Aufgaben ein bisschen an den Titel eines verquasten philosophischen Essays erinnert: So bleibt es auch dieses Mal beim Versuch einer Annäherung an eine mögliche Teilnahme, lang wird gezaudert und angesichts der zu erwartenden Qualen gebarmt und lamentierend geknarrt. Zwar hatte in dieser Folge schon Ex-Camper Thorsten "Ein Thorsten Legat" Legat einen hübschen Cameo-Auftritt im Moderationsbaumhaus, noch schöner wäre es aber gewesen, wäre während der giselligen Entscheidungsschwäche unvermittelt der letztjährige Trägklops Sydney Youngblood aus dem Dschungelgestrüpp gebrochen und hätte seinen großen Schwächelschlager "Sit and wait" angestimmt.

Dann geht es plötzlich doch ganz schnell: Gisele tunkt kurz ein Pfötchen in das überflutete Schiffswrack, in das sie eigentlich hinabtauchen soll, und bescheidet: "Ich schaff's nicht." Und schon hat man einen nur marginal umzudichtenden weiteren Fast-Dschungelhit von abermals Jürgen Drews im Ohr, der auch Giseles bereits leise geäußerte Auszugsfantasien sanft aufnimmt: "Ich schaff's nicht / Wie hab' ich das verdient / Ich schaff's nicht / Ich nehm' mir vor, ich verschwind'."

Juli: Perfekte Pelle

Als Prüfling mag Gisele eher ungeeignet sein, als Publikum für die unelegant-linkischen Intrigationsbemühungen des CWM ist sie perfekt: Am Weiher, der in der Dschungelhistorie ja schon Aufführungsort vieler trampeliger Bauerntheaterszenen war, enthüllt die lebende Leberwurst die vermeintlich düsteren Betrugsmachenschaften seines Erzfeindes Yotta, der angeblich Zahlungen seiner Coaching-Kunden einstreiche, ohne anschließend auch die entsprechende Leistung zu erbringen. Außerdem wirke er im Camp bedrohlich aggressiv und gewaltbereit, führt der CWM weiter aus und schließt mit einem klassisch pazifistischen "Am liebsten hätte ich ihn abgeknallt, du!"

Roland Kaiser: Es kann der Dümmste nicht in Frieden leben

Wenn ihm die schöne Pritschennachbarin gefällt, nämlich. So albern das Männchengepluster zwischen Yotta und dem CWM auch ist, so dankbar muss man doch dafür sein: Ohne diese Zwerghähnchenhändel müssten die begehrlichen Schielereien des schwerst vergebenen Domenico in Richtung Evelyn'scher Schinkenpartien die Sendezeit füllen, und das kann keiner wollen.

Bonustrack... Peter Orloff: Rocky.

Auch heute muss Gisele wieder zur Prüfung, allerdings zusammen mit dem CWM. Nachdem die aufpeitschend gemeinte Yotta'sche "Weiter, immer weiter"-Luftonanierfaust und die gegensätzlich gemeinten Ist-doch-Wurscht-Beschwichtigungen des Imbisslers bei ihr nicht fruchteten, wäre es vielleicht an der Zeit, dass sich der sanfte Peter des Renitenzfalls Gisele annimmt und ihr vor der Prüfung den Refrain seines vielleicht schönsten Hits ins Ohr singt: "Kopf hoch, Baby / Lehn' Dich an mich / Es wird schon irgendwie geh'n / Denn wenn Du mir ein wenig hilfst / ist Prüfung kein Problem."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes wurden die Hersteller Hilti und Stihl miteinander verwechselt. Wir haben den Fehler korrigiert.



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retterdernation 14.01.2019
1. Evelyn ...
wir wollen ein Kind von Dir, schoss es der halben Männerwelt gestern Abend durch den Kopf - als die blonde Fee des Dschungels zugab, von den Kerlen immer nur schlecht behandelt worden zu sein. Bambi-Schutz nennt man dieses Phänomen in der Jungs-Welt. Und klar ist es auch richtig: dieses Camp schlägt tatsächlich alle Erwartungen. Das liegt neben Evelyn und OpaAlf, wenn der im Hormonrausch grade mal wieder auf die Evi abgeht, ganz klar an der Currywurst und Yotta. Wenn es da nicht bald Mal einen Quarterback sagg im Dschungel gibt, so nennt man das beim Football, wenn der Spielführer zu Boden gerissen wird. Wobei nicht ganz klar ist, ob nun die Currywurst oder die Yotta die Führungsspieler sind. Im Moment scheint der Currywurstmann das Geschehen an sich zu reißen, er zeigt die berühmten E... r. Die Jotta zeigt sich darüber mehr als irritiert und wirkt doch zunehmend verunsichert. Es bleibt also spannend und eigentlich warten alle jetzt, wie schon beschrieben, auf den Quarterback-Sagg ... im Dschungel, im Rahmen der Dramatisierung muss es einfach so kommen ...
dasfred 14.01.2019
2. Es ist mein Prinzip, dass ich im Bett schlafe
Und zwar während das Dschungel Camp läuft. Ich stehe dann später auf, lasse die Aufzeichnung laufen wie Giselle ihre Tränen und besch... RTL um die Werbeblöcke. Und um die langweiligen Szenen. Aber, o Wunder, es gab heute nacht keinen Grund, vorzuspulen. Die meisten öde Prüfung, die so spannend ist, wie, der Putzfrau im Zoofachhandel bei der Arbeit zuzusehen, wurde erfreulich schnell beendet. Diese Staffel bringt endlich den Spaß zurück.
fatherted98 14.01.2019
3. Wer glaubt...
...das alles sei nicht gefakt und abgesprochen....der ist doch sehr naiv. Das ist Fernsehen....das gibts Drehbücher und Verhaltensregeln....wahrscheinlich gehen Yotta und Currywurst nach der Staffel einen trinken.
Zwiling 14.01.2019
4. Warum
muss auch der Spiegel über so eine menschenverachtende Sendung berichten? Kann mir nicht vorstellen, dass das jemand interessiert und wenn, dann tut er mir leid. Dass Deutschland immer mehr verroht und verdummt, dafür sorgen so Sendungen und der Spiegel berichtet auch noch darüber. Ich bin entsetzt.
dasfred 14.01.2019
5. Zu Nr.3 fatherted
Na und. Das machen die Politiker, die sich bei Maischberger und Co. die Köpfe heiß reden, doch auch. Es ist nun mal ein Laienspiel Theater. So wie Oberammergau. Nur in Lustig.
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