Dschungelcamp-Auftakt "Es ist so org!"

Überforderung in Unterhosen, springende Haie und natürlich Faulei-Verzehr: Am Freitagabend hat die achte Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" begonnen. Hier die wichtigsten Erkenntnisse zum Auftakt.

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RTL / Stefan Menne

Keine Sendung stürzt den Fernsehzuschauer in solch nachhaltigen inneren Zwiespalt wie "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". Ist das Dschungelcamp nun der Untergang des Abendlandes, behagliche Kopfspülung beim abendlichen Flipsgenuss - oder gar eine schlauer Gesellschaftskommentar? Man weiß es nicht genau. Darum hier zur Sicherheit für alle Unentschlossenen: das Dschungelgeschehen als Einerseits und Andererseits.

Dumm, aber schlau?

Einerseits: Das österreichische Model Larissa muss im Dschungelcamp in den Dschungel. Das kommt für sie natürlich überraschend. Krakeelend, zeternd und mit bauerntheateresken Heulsimulationen ist sie schon mit der Auswahl ihrer genehmigten fünf Unterhosen komplett überfordert. Und dann, das sagt einem ja keiner vorher, sind im Urwald auch noch Spinnennetze! Larissa, inzwischen wie Kinski tobend: "Ich kack mich an. Ich verklag RTL!" Skandalös sei es, dass sie, die Kandidaten, weniger Ressourcen zur Verfügung hätten als die sogenannten "Ureinwanderer" des Dschungels. Um dann erschöpft zu resümieren: "Urwald. Es ist echt org." (Österreichisch für "arg"). Die übrigen Kandidaten sind allerdings auch nicht die hellsten Kerzen am Weihnachtsbaum: Vor ihrem Abflug ins Camp schauen sie versonnen aufs Meer und entdecken eine Gruppe Delfine: "Schau mal, da springen Haie!"

Kurzum: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" ist einmal mehr eine hämische Zurschaustellung unverstellten Simpelwesens, natürlich nur dazu da, die niedersten Gaffgelüste verrohter heimischer Chipsfresser zu befriedigen.

Andererseits: Larissas grunddummes Gebaren ist natürlich eine kluge Allegorie auf die Modelbranche, dieses undurchschaubare Business. Die Österreicherin ist das unverdorbene Naturkind, BH-los und fern der Heimat, das arglos seine ersten Schritte in die grausame, fremde Welt tappst und dabei sogleich die Schuhe verliert wie weiland Heidi. Also jetzt nicht Heidi Klum, sondern das Bergkind mit dem Almöhi. Ein Staunerle, das noch nicht ahnt, welche Schlangen im Branchendschungel warten. Und das prompt mit Dreck beworfen und verleitet werden soll, seine Nahrung zu erbrechen. "Ich bin ein Star" prangert das schonungslos an.

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RTL-Dschungelcamp 2014: Die Kandidaten der neuen Staffel
Wer, ich?

Einerseits: Der Wendler und Larissa werden von ihren Mitcampern in die erste Dschungelprüfung gewählt (das übliche Ekelprogramm aus Schlamm-Spinnen-Schlangen sowie Fauleiern und anderem Stinkgekröse). Larissa ist auch mit diesem einfachen Aussagesatz überfordert und steigert sich in einen endlosen Befragungsmonolog: "Wer? Ich? Mich? Habt ihr mich gewählt? Mich? Ich? Habt ihr mich gewählt? IIICH??? Du hast mich gewählt? Ich? Mich? Ihr mich? Und wo ist mein zweiter Socken? Gib du mir deinen Socken!" Das legt nahe, dass RTL womöglich auch Kandidaten ins Camp schickt, die dem dazugehörigen Vertragswerk nur bröckchenweise folgen konnten.

Anderseits: Larissas Stammelei ist natürlich kein Dämlichkeitsindiz, sondern eine Hommage an den goldenen "Wer?"-"Sie."-"Ich?"-"Ja."-"Nein."-"Doch."-"Ooooooh!"- Dialog von Louis de Funès. Ein weiteres brillantes Beispiel für die intertextuellen Verknüpfungen zu anderen großen Werken der Popkultur, die das Dschungelcamp immer wieder knüpft.

Schubs ihn, er kann fliegen!

Einerseits: Faszinierend und natürlich auch ein bisschen jugendbuchreif-aufrüttelnd, wie rasch sich eine Gruppe auf gemeinsame Feinde einschießen kann. Außer Larissas Hysterie-Episoden und genervten Reaktionen passierte nicht viel in der ersten Folge Dschungelcamp. Sofort setzen die Camper die anstrengende Pampine auf die Prüfungsliste - mit der scheinheiligen Begründung, man habe das Gefühl, sie wolle "sich beweisen." Den Wendler traf es angeblich nicht etwa, weil er ein selbstvernarrter Großsprecher ist, sondern weil er "sehr stark und selbstbewusst" sei. Früher wurden die Messer im Camp noch nie gewetzt.

Andererseits: Vielleicht meinen es die anderen ja wirklich nur gut und demonstrieren eindrucksvoll, wie Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert. Wie wohlmeinende Vogeleltern, die ihr Küken sanft aus dem Nest schubsen, wenn es aus eigener Kraft fliegen kann. Und nicht etwa, weil es ihnen unglaublich auf die Nerven geht mit sinnlosem Geschrei und Krakeele, Aufgeplustere und Gegockele.

Das Wendler-Lied zum Tage: Anlässlich des Larissa-Kreischanfalls, keineswegs in Lagerfeuernähe schlafen zu wollen, weil sie sonst garantiert ein Opfer der Flammen würde, hätte der genervte Wendler wunderbar diese Perle seines Backkatalogs anstimmen können: "Dein Hexenhäuschen brennt / und ich ruf nicht die Feuerwehr."

Das sind die Kandidaten der neuen Staffel
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Die Tobsuchtsanfälle der österreichischen Politikertochter Larissa Marolt gehörten zu den Highlights der achten Staffel von "Germany's Next Top Model". Nach Gastauftritten in Daily- und Doku-Soaps und einer Telenovela-Nebenrolle ist sie nun im Dschungelcamp gelandet. Der Anfang einer TV-Karriere? Oder vielleicht doch eher das Ende?

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Michael Wendler, unter Schlagerfans auch als "Der Wendler" bekannt, steht im wirklichen Leben für eine gruselige, aber leidlich populäre Mischung aus Schlager und Ballermann-Techno. Der "König des Popschlager", geboren 1972 als Michael Skowronek, will sich im Dschungelcamp von einer ganz anderen Seite zeigen. Was auch immer das heißt. Er hat das Camp mittlerweile schon freiwillig verlassen.

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Die notorische Busenlüfterin Melanie Müller ist ganz offensichtlich als Erotikbombe für das Camp gecastet – und nutzt die Publicity weidlich, um für die Dildo-Shopping-Website zu trommeln, deren Reklamegirl sie ist. Als "Bachelor"-Kandidatin enthüllte sie ihre Vorliebe für die Wurstherstellung und outete sich als Ex-Pornodarstellerin. Eigentlich wissen wir über sie also schon alles, was wir nicht wissen wollten.

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Mit unbewegter Hundemiene schaute Jochen Bendel in den Krawall-TV-Neunzigern in die Kamera, wenn sich in seiner Wörterrateshow "Ruck Zuck" die Kandidatinnen und Kandidaten anschrien. Ein idealer Schlichter im Zickenkrieg?

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Gabriella De Almeida Rinne, einst Sängerin der Popstar-Casting-Girlgroup Queensberry, hat sich pünktlich zum Camp-Beginn für den "Playboy" entkleidet. Die Deutsch-Brasilianerin hat im wahren Leben schon schwerere Prüfungen überstanden als den Verzehr von Würmern: Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte sie im Kinderheim – und sie brachte mit 15 Jahren eine Tochter zur Welt. Ausgeschieden.

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Als Viva-Moderator ist der Deutsch-Nigerianer Mola Adebisi unvergessen – seit 2004 schlägt sich der Hobby-Rennfahrer mit einer lustigen Mischung aus gelegentlichen Schauspieljobs, Produzententätigkeit und Webfirmen-Beratung durch. Er könnte im Dschungelcamp zum Mädchen für alles werden. Ausgeschieden.

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Der Modedesigner und Initialenträger Julian F. M. Stoeckel bezeichnet sich als "extrovertierter Jetsetter mit exklusiven Attitüden". Attitüde hin oder her: Im Camp muss er sich zwei Wochen mit Bohnen und Reis zufriedengeben. Ausgeschieden.

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Das Comedy-Format "RTL Samstag Nacht" machte Tanja Schumann in den Neunzigern bekannt. Jetzt darf die Ex-Komödiantin im Dschungelcamp die Muttchen-Rolle übernehmen.

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Der österreichische Sänger Marco Angelini ist ein echter Castingshow-Veteran: Der 29-Jährige war schon bei "Helden von morgen", "Starmania" und "X Factor". Zuletzt übernahm er bei der 8. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" im Jahre 2011 den Part des rehäugigen Langweilers – und belegte den 4. Platz.

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Ex-Schlagersängergattin Corinna Drews – verheiratet mit Jürgen Drews zwischen 1981 und 1984 - zog schon blank, als Larissa noch in den Windeln lag – sowohl in Klassikern wie "Kir Royal" als auch in der Bumskomödie "Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon" (1981). Ausgeschieden.

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Da hat das Feuilleton aber aufgeheult: Ausgerechnet Winfried Glatzeder geht ins Camp! Der "Belmondo des Osten", mit der "Legende von Paul und Paula" (1973) zum subversiven Star der DDR geworden und später als "Tatort"-Ermittler auch nicht unterbeschäftigt - hat der Mann das nötig? Er scheint in Sachen Trash ein dickes Fell zu haben.

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Nach dem tragischen Tod von Dirk Bach am 1. Oktober 2012 hat der Comedy-Brillenträger und Schwiegermuttertraum Daniel Hartwich die Moderatorenrolle an der Seite von Sonja Zietlow übernommen.

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insgesamt 205 Beiträge
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Seite 1
HamburgerJung2110 18.01.2014
1.
Keine Sendung stürzt den Spiegelleser in solch nachhaltigen inneren Zwiespalt wie "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". Ist der Spiegel auf dem Weg, sich auf das Bild-Niveau zu begeben oder ist er dort schon vor langer Zeit angekommen?
Dr. Bob 18.01.2014
2.
Hier schon mal vorab die wichtigsten Meinungen: 1. Ich habe eh keinen Fernseher! 2. Ich schaue eh nur Arte! 3. Armes Deutschland! Schön das es wieder losgeht mit dem Dschungel. Ich freue mich auf 2 Wochen Spaß. :D
atricus 18.01.2014
3. Lustig
Auch wenn ich so boulevardeske Beiträge auf SPON wenig erquickend find. Grundsätzlich. Das hier ist lustiger als ein Durchschnitts-SPAM-Artikel. Danke
spon-1287218867247 18.01.2014
4. .
Zitat von sysopRTL / Stefan MenneÜberforderung in Unterhosen, springende Haie und natürlich Faulei-Verzehr: Am Freitagabend hat die achte Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" begonnen. Hier die wichtigsten Erkenntnisse zum Auftakt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-auftakt-dschungelpruefung-fuer-larissa-und-wendler-a-944146.html
Endlich geht es wieder los und da hoffe ich doch, dass sich zum allmorgendlichen Lesevergnügen, wie auch schon die Jahre zuvor, die übliche Bildungselite hier einfindet und wie auch schon im Artikel erwähnt, den "Untergang des Abendlandes" ob der skandalösen Show herbeiredet. Diesen unvermeidlichen Kandidaten sei gesagt: Man möge doch bitte die häufigsten Formulierungen der letzten Jahre, zusammengestellt in der folgenden Liste, freundlicherweise vermeiden. Das würde mich doch arg langweilen und überhaupt sollte man als Bewahrer des Landes der Dichter und Denker auch etwas Kreativität beweisen können. „Hat SpOn keine anderen Themen? „Hartz4-TV“ „Was hat das denn mit Kultur zu tun?“ „Ich hab’ ja seit 77 Jahren keinen Fernseher mehr“ „Bohlen, Hoeneß, etc… ins Dschungelcamp“ „Armes Deutschland“ „Denk’ ich an Deutschland in der Nacht….“ „Wie kann man sich das nur antun?“ „Der endgültige und absolute Untergang des Abendlandes“ „Selbst wenn ich einen Fernseher hätte, blablabla…“ – „Gescheiterte „Promi“-Existenzen“ „Eh alles Fake“ „Sind das Vorbilder für unsere Kinder?“ „Deppen-TV“ „Unterschichtenfernsehen“ „Prekariatsfernsehen“ „Sendeformat für Bild-Leser“ „Fremdschämen“ „RTL-Verdummungsmaschine“ „Massenverdummung“ „Bildungsferner Trash“ „Ich guck’ ja ausschließlich Arte und 3Sat“ „"Wir" waren mal das "Volk der Dichter und Denker" „Und sowas kommt aus dem Land Kants und Goethes?“ „Der wirkliche tiefste aller tiefen Tiefpunkte“ "Schlimm wie die Verletzung der Verfassung hier gefeiert wird. " "(...) diese Ausgeburt eines Wurmfortsatzes der Medienlandschaft dieses Landes (...)" „Spätrömische Dekandenz“ „@SpOn: Das ist eine Beleidigung eurer Leser“ „Rudolf Augstein würde sich im Grabe umdrehen.“ „Quo vadis, Spiegel?“ „Wie dumm muss man denn sein, um über diesen Schwachsinn zu berichten?“ Für alle andern, die sich -wie ich- auf den zweiten Tag freuen: Herlichen Glückwunsch, ihr schaut eine der besten Shows im Fernsehen mit zwei Moderatoren, die sich in bewährter Manier auch selbstironisch und in Bestform zeigen. Hier fallen die Masken sofort und auch die, die sich verstellen wollen, kehren sogleich zu ihren gewohnten Verhaltensweisen zurück. Bezeichnenderweise Michael Wendler, der als der harte Hund durch die Prüfung ging, dann aber beim scheinbar privaten Gespräch ob der vermeintlich schlechten Behandlung herummault. Mit Larissa ist RTL natürlich ein exzellenter Fang geglückt. Die Frau bringt schon am ersten Tag so viele Aversionen im Camp gegen sich auf, wie es die unvergessene Sarah Dingens erst nach neun oder zehn Tagen schaffte. Hier herrscht gewaltiges Konfliktpotential (vor allem wenn die Dschungelprüfung vergeigt wird, wie wohl jeder erwartet), was durchaus zu einigen interessanten Gruppenphänomenen führen dürfte. Es bleibt also spannend....
joachim_m. 18.01.2014
5. optional
Was mich wundert, dass diese Ekelsendung überhaupt im Spiegel einen Artikel wert ist und das auch noch in der Rubrik Kultur: Da kann man auch gleich über Akrobatikübungen oder Praktiken im Puff einen Artikel machen: "Domina Lisa führte ihm ganz langsam die Scheiße, die sie zuvor gekackt hat, in den Mund ..." Ekeliger als diese RTL-Sendung ist das auch nicht!
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