Dschungelcamp, Tag 10 Evelyn unter Fake-Stuss-Verdacht

Tag 10 im Dschungel, und es ist fad. Nur eine sticht mit derart souverän verstolperten Doofi-Sätzen aus dem langweiligen Nicht-Geschehen hervor, dass sich ein leiser Verdacht immer mehr verdichtet: Ist Evelyn heimlich schlau?

RTL/ Stefan Menne

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Vorsichtig stippte Evelyn ein Wattestäbchen in das Fläschchen mit dem Selbstbräuner, Nuance "dunkler Fozziebär", und ließ die Farbe kurz antrocknen. Morgen würde sie ins Flugzeug nach Australien steigen, in ein paar Tagen säße sie dann wirklich im Dschungelcamp, und so ging sie noch ein letztes Mal ihre längst in allen Textmarkerfarben schillernden, eselsohrig durchackerten Fernstudiums-Unterlagen vom Klimbim-Institut für vorgetäuschtes Blödinchenwesen durch.

"Die Welt ist eine Weltkugel, und die dreht sich", schnäuzelte sie in diesem dauerstaunenden, leicht atemlosen Doofilinchen-Tonfall, den sie sich die vergangenen Wochen in aufreibenden Webinaren antrainiert hatte und variierte dabei immer wieder leicht die Betonung und die leichte Dummbatz-Stimmhebung am Satzende: "Die Welt ist eine Weltkugel, und die dreht sich! Die Welt ist eine Weltkugel, und die DREHT SICH!" Noch fünf Minuten Augenkullernüben, nur vorsichtshalber, sie wusste ja, dass der Klimperblick längst saß.

Dann war die Farbe auftragsbereit, sie tupfte sich mit dem bräunergetränkten Stäbchen ein paar Sommersprossen ins Gesicht, passte auf, dass sie nicht verschmierten, und probte noch einmal die Geschichte, wie sie schon als niedliches Schusselkind versucht habe, sich eben diese Sommersprossen mit dem Radiergummi wegzuradieren.

Evelyn seufzte. Es würde schwer werden, zwei Wochen lang nicht aus der unter Schmerzen eingeübten Rolle zu fallen. Natürlich würde sie ihre Bücher vermissen. Proust, ihren geliebten Proust! Wie sollte das gehen? Zwei Wochen ohne ihre langen, gemütlichen Leseabende im Ohrensessel, Brahms Scherzo in es-Moll leise im Hintergrund klimpernd, den Deleuze-Handapparat griffbereit, einen wohl temperierten Tempranillo im Glas. "Die gefährlichste Sorte von Dummheit ist ein scharfer Verstand", zitierte sie leise für sich noch einmal Hugo von Hofmannsthal , dann waren die Sommersprossen getrocknet.

Das passierte an Tag 10: Evelyn räsonierte über ihre "Fehlbildung", breitete ihre Pläne aus, künftig als Spekulantin "so mit Helm und Kopfhörern in der Wall Street an der Börse" arbeiten zu wollen, "an dieser Theke" - und nährt mit deutlichem Drall ins Overacting weiter den leisen Verdacht: So viel plakative Dümmlichkeit kann nicht echt sein (oder doch?).

Alle Camper müssen zusammen zur Gladiatoren-Dschungelprüfung, bei der wir Felix und Gisele bei der harmlosesten Herausforderung EVER (und aller, die hoffentlich nicht noch kommen werden) sehen: Ein Adler muss auf ihren behandschuhten Händen landen, much wow.

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Fotostrecke: So lief Tag 10 im Camp

Die obligatorischen Briefe von daheim werden vorgelesen und verwandeln die Kandidaten in melancholische Tränentiere - Peter gewinnt haushoch mit der Anrede "lieber Struppi" und der Grußformel "dein Krocki". Tommi wird rausgewählt, doch die wirklich traurigen Szenen, die jedem ans Herz gehen, der es noch nicht in zu viel Trash fühlunfähig gepökelt hat, liefert Sibylle, die gestern das Camp verlassen musste, bei ihrer Rückkehr ins Leben. "Ich wusste es besser, dass man keine zweite Chance bekommt, wenn man da landet, wo ich gelandet bin", sagt sie traurig und zerschmettert im Auto. Und man wünscht ihr aufrichtig, dass ihr Manager Helmut Werner (jener österreichische Knabmann, der auch schon Gina-Lisa und Joey ins Dschungelcamp hievte) es ernst meint, wenn er bei ihrem Wiedersehen zu ihr sagt: "Ois is gut, ois gut."



insgesamt 37 Beiträge
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dasfred 21.01.2019
1. Proust? Pruuust, gnihihihihi
Seit gestern Abend habe ich auf einen richtig guten Gag gewartet. Die Einleitung, Frau Rützel, versöhnt mich mit der schnarchigsten Folge dieser Staffel. Dieses immer gleiche Brief vorlesen mit mit kollektiver Beweinung. Mensch, möchte man denen seit der ersten Staffel zurufen, ihr seit nicht aus der Welt, ihr seit bei allen Morgens, Mittags und Nachts auf der Mattscheibe. Die sehen euch öfter, als wenn ihr Zuhause seid. Diese Prüfung war eine Prüfung für die Zuschauer. Keine Gisela mit Ameisen, die die Gruppe locker fünf Sterne gekostet hätte. Statt dessen, das einzige Vieh, vor dem sie keine hysterischen Anfälle bekommt. Ein Hauch Spannung gerade mal beim Yotty und seiner Mitgespielin. Einfach ein paar Wurfspeere bei Heckler und Koch besorgt, damit wirklich der Zufall entscheidet, welcher trifft. Jetzt ist Alf auch raus. Ich fürchte, im Finale gibt es einen Cast, der vorher gar nicht aufgefallen ist.
mordskater 21.01.2019
2. Ich lege mich fest!
Einzig Evelyn hat die Krone verdient! Bunkt! Bunkt? Ach, Larissa............* seufz und wehmütiger Abgang* Apropos Larissa: Gisela hat den Rekord von Larissa nie und nimmer gebrochen, denn sie ist ja nicht mal bei allen Prüfungen angetreten. Denkwürdig der Einlauf den Larissa ihrem zugeteilten Mitstreiter, Name fällt mit nicht mehr ein, verpasst hat als dieser mitten in der Prüfung aufgab.
roflxd 21.01.2019
3.
Nicht jeder, der dumm tut, ist heimlich schlau. In den meisten Fällen ist er nur etwas weniger dumm als seine Realitiy-TV-Star-Version.
gnarze 21.01.2019
4. Webinar?
Ich glaube eher, sie hat zwanzig Mal "Fuck you Goethe" gesehen und sich gedacht "die Chantale ist der Liebling des Filmes, ich tue so doof wie sie und rede auch noch so, dann gewinne ich die Kohle".
Tante Hilli 21.01.2019
5. Irgendwie...
...fehlt im Text, dass Tommi Nervensägenlangweiler Pieper rausgeflogen ist. Oder hab ich das überlesen? P.S.: Dank Frau Rützel muss ich nicht so lange aufbleiben und kann die ganze Sendung am nächsten Tag zusammengefasst nachlesen. Das reicht ja auch...
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