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13. Januar 2013, 01:13 Uhr

Dschungelcamp, Tag 2

Berger, das Hitzeopfer

Von Arno Frank

Es ist erst der zweite Tag im RTL-Dschungelcamp - aber das heißeste Camp aller Zeiten fordert die ersten Opfer. Helmut Berger musste gehen, weil das Risiko zu groß war, dass die Hitze seinen Kreislauf lahmlegt.

Wie gemein - der Gemeinschaftsverweigerer des Tages war…

Helmut Berger - allerdings nicht freiwillig. Gerade saß er noch gütig und entrückt lächelnd auf seiner Bürgermeisterpritsche, da nimmt ihn Dr. Bob zur Seite, führt ihn in einen Untersuchungsraum und lässt ihn nur noch einmal kurz ins Camp zurückkehren, damit er sich von den anderen verabschieden kann. Denn bei Temperaturen von über 50 Grad rät das australische Gesundheitsministerium "älteren Menschen und kleinen Kindern", das Haus nicht zu verlassen. Helmut Berger ist beides, sein Kreislauf war bei den extremen Temperaturen in Gefahr. Und der Sender RTL beweist mit seiner Herausnahme eine Fürsorglichkeit, die man ihm nicht zugetraut hätte. Berger, der so tut, als hätte er nicht gewusst, was in Australien auf ihn zukommen würde und der ebenso gut "mit Freunden nach Indien oder Gstad" hätte fahren können, der die Sendung "nie g'sehen" hatte, der vulgäre Samenscherze des Mitbewohners Silva Gonzalez mit den treffenden Worten "Jetzt wird er gewöhnlich" kommentierte und allein schon damit zur moralischen Instanz im Camp geworden ist, war einer der wichtigsten Gründe, die diesjährige Staffel anzuschauen. Schade. Übrigens auch für ihn selbst: Im Camp hatte man den Eindruck, Berger reiße sich zusammen und blühe geradezu auf. Daheim, unbeobachtet und einsam, wird er sich wohl bald wieder komplett fallenlassen.

Wie schön - der Hoffnungsträger des Tages war…

Joey Heindle, 19, den "DSDS"-Zuschauer aus "DSDS" kennen und der Sachen sagt wie: "Das klingt jetzt blöd, aber ich bin auch nur'n Mensch". Ein junger Mensch. Einer, der sein ganzes Leben noch vor sich und Zeit hat, seinen Aufenthalt im Dschungelcamp vergessen zu machen.

Wieso dies - auf Helmut Berger

folgt, als Nachrücker, Klaus von Klaus und Klaus, der sich bereits mit seinem Schunkel-Hit "An der Nordseeküste" einführt.

Wie traurig - die trübsten Tassen waren …

Allegra Curtis und Georgina. Allegra leidet darunter, die Tochter von Tony zu sein und "den Vater meiner Tochter verlassen" zu haben; die andere benimmt sich, als sie keine Zigaretten bekommt, wie eine nikotinsüchtige Vierjährige. Süß.

Wie bitter - kein Alk, kein Sex, keine Pillen...

Die Abstinenz führte zu "zwei Leitz-Ordnern" mit Alkoholikerwitzen, von denen kein einziger witzig war.

Wie gefährlich - ein Rückfall in böse Vor-Camp-Zeiten…

"Model" Fiona, mit "einer Figur wie'n Fahrrad" (Katzenberger-Mutter Iris) gesegnet, steckt sich den Finger in den Hals: "Schmeckt komisch, gar nicht so wie Wasser!".

Wie unvergesslich - die schönste Therapiemaßnahme des Tages war…

es, Georgina (aus "Der Bacheleor") für zehn Minuten in eine "Dschungelkloake" zu schicken, in der verschiedene Ekelviecher lauern. Die junge Frau bricht spontan in Tränen aus, noch bevor Dr. Bob aufgetaucht ist.

Wie weiter - wenn Georgina zurück ins normale Leben will...,

muss sie noch lernen, mit Mobbing umzugehen: "Georgina hat noch nichts geleistet in ihrem Leben", sagt Silva.

Wie treffend - den schönsten Satz des Abends…

sagt Katzenberger-Mutter Iris: "Wäre das mei' Tochter, ich hätt' sie schon erschossen". Oder Fiona mit: "Das ist Scheiße, echte Scheiße, aber es bringt nichts, sie jetzt zusammenzuscheißen".

Wie erbaulich - das wichtigste gruppendynamische Ereignis war...

Arno Funke, der noch einmal die berührende Geschichte zum Besten gibt, wie er damals aufgrund eingeatmeter Lackdämpfe so traurig wurde, dass er sich zu einem Erpresser entwickelte. Seine Mit-Dschungel-Insassen finden das alles "das Letzte" (Silva), denn "das geht gar nicht" (Olivia).

Wie anregend - die moderierenden Wiedereingliederungshelfer waren…

hämisch wie immer, was, Hand aufs Herz, keine allzu große Kunst ist. Rästelhafterweise blättern Zietlow und Hartwich fortwährend in Leitz-Ordnern.

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